Sie sind hier: Home > Unterhaltung > TV & Kino >

"Bis nichts mehr bleibt": ARD-Spielfilm ist "alles andere als PR für Scientology"

Interview zu ARD-Film "Bis nichts mehr bleibt"  

"Alles andere als PR für Scientology"

01.04.2010, 13:08 Uhr | demo

"Bis nichts mehr bleibt": ARD-Spielfilm ist "alles andere als PR für Scientology". "Bis nichts mehr bleibt": Eine junge Familie in den Fängen von Scientology.  (Foto: SWR/Christine Schröder)

"Bis nichts mehr bleibt": Eine junge Familie in den Fängen von Scientology. (Foto: SWR/Christine Schröder)

Am Mittwochabend zeigte die ARD den Scientology-Spielfilm "Bis nichts mehr bleibt", in dem die fiktionale Geschichte des jungen Familienvaters Frank (Felix Klare) erzählt wird. Bei dem Versuch, sich nach Jahren der Mitgliedschaft von Scientology zu lösen, verliert Frank Frau und Tochter. Offene Kritik an Scientology - ein heikles Thema, das schon lange im Vorfeld hohe Wellen in den Medien schlug. t-online.de sprach mit Carl Bergengruen, dem Fernsehfilmchef des federführenden Südwestdeutschen Rundfunks, über den Film, seinen Wert für die Bevölkerung und die Gefährlichkeit von Scientology.

Die Drehabreiten des 2,5 Millionen Euro teuren Films, die als Gemeinschaftsproduktion von SWR, NDR, der ARD-Tochter Degeto und der Produktionsfirma Teamworx entstand, wurden so gut wie möglich geheim gehalten. Als "Tatort"-Dreh mit dem Titel "Der Tote im Sund" getarnt, versuchte man möglichst effektiv zu vermeiden, dass Scientology Wind von dem Projekt bekommen würde - was allerdings misslang. In der Folge machte Scientology selbst mobil und wetterte in der Öffentlichkeit gegen das Filmvorhaben. Ob es gelingen würde, "Bis nichts mehr bleibt" zum geplanten Termin am 31. März 2010 ausstrahlen zu können, stand lange in Frage. Man rechnete mit juristischen Schritten von Scientology, um die Ausstrahlung zu verhindern.


t-online.de: Herr Bergengruen, im Vorfeld zu "Bis nichts mehr bleibt" wurde viel geschrieben und berichtet. Scientology sprach von einem "Propagandafilm", von Diskriminierungs- und Hass-Kampagnen der Öffentlich-Rechtlichen. Jürg Stettler, Pressesprecher von Scientology Deutschland, soll geäußert haben, der Film sei eine Verletzung der Programmrichtlinien der ARD, weil er sich gegen die Schaffung von religiöser Toleranz richte. Wie ist diese Reaktion einzuschätzen?

Bergengruen: Wir haben mit Gegenwind von Scientology gerechnet. Immerhin zeigt der SWR mit "Bis nichts mehr bleibt" den weltweit ersten Spielfilm über diese Organisation, der Scientology auch beim Namen nennt. Eine fiktive Geschichte darüber, wie Menschen in und unter dieser real existierenden Organisation leiden können und wie qualvoll der Weg raus aus Scientology sein kann. Mit einem solchen Spielfilm erreichen wir Zuschauer, die darüber nie ein Buch lesen oder sich eine Dokumentation ansehen würden. Und genau das gehört zu unserem Programmauftrag: die Menschen über gesellschaftliche Probleme und Missstände zu informieren. Scientology ist übrigens nach Aussagen von Fachleuten keine Religion, auch wenn die Organisation das behauptet.

t-online.de: Es war ebenfalls zu lesen, Stettler habe verlauten lassen, der Film sei ein willkommener Anlass, dass in der Öffentlichkeit mal wieder über Scientology geredet werde – also frei nach dem Motto "besser schlechte PR als keine PR". Wie beurteilen Sie diese Äußerung?

Bergengruen: Diese Aussage habe ich nicht gehört und sie wundert mich. Der Film erzählt, wie ein sympathischer junger Mann, der sich gerade in einer schwierigen Lebensphase befindet, auf die Heilsversprechen von Scientology hereinfällt und in eine fatale, zerstörerische Abhängigkeit gerät. Alles wird erzählt, das Labyrinth an Pseudotherapien, die angebliche Brücke zur Freiheit, die berüchtigte Sea Org in Kopenhagen, wie unmenschlich Schwächere behandelt werden. Das ist doch alles andere als PR für Scientology.

t-online.de: Wird nach der Ausstrahlung des Films am 31. März von Ihrer Seite mit ernstzunehmenden Reaktionen von Scientology gerechnet? Rechtliche Schritte, oder öffentlichkeitswirksame Gegenkampagnen? Immerhin ist in den Medien bereits die Rede von einem Gegenfilm, in dem Scientology mit angeblichen Vorurteilen, wie sie in "Bis nichts mehr bleibt" kolportiert werden, aufräumen will. Wie gedenkt man, auf Seiten von ARD und SWR damit umzugehen?

Bergengruen: Aufmerksam, aber gelassen. Wir haben im Vorfeld alles getan, um sicherzustellen, dass wir den Film auch ausstrahlen werden. Dazu gehört eine sehr gute juristische Beratung, aber noch viel wichtiger eine monatelange gründliche Recherche rund um Scientology im Rahmen der Stoffentwicklung. Niki Stein, der Autor und Regisseur, weiß genau, wovon er erzählt, er übertreibt die Zustände innerhalb Scientology nicht, dramatisiert sie nicht, er spitzt sie nicht zu. Das ist der beste Schutz vor juristischem Ärger.

t-online.de: "Bis nichts mehr bleibt" wurde bereits wiederholt als eines der mutigsten Unterfangen der jüngeren Fernsehgeschichte beurteilt. Kann es für die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstallen gefährlich sein, sich offen, wenn auch fiktional, gegen Scientology zu positionieren?

Bergengruen: Ich hoffe sehr, dass nicht. Außerdem bringen solche Überlegungen, was alles passieren kann, gar nichts. Denn das Wichtigste ist doch, dass man sich nicht davon abbringen lässt, die Filme zu realisieren, die gemacht werden müssen.

t-online.de: Laut Regisseur Niki Stein laufen die Darsteller Gefahr, sich durch ihr Mitwirken in einem Anti-Scientology-Film den Weg nach Hollywood zu verbauen. Erscheint diese Annahme berechtigt?

Bergengruen: Na ja, da gibt’s noch keine Erfahrungswerte, denn es ist ja der erste Spielfilm dieser Art. Aber Tom Cruise und John Travolta dürften ihren deutschen Kollegen wohl kaum behilflich sein, eine Rolle zu bekommen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Mehr zu den Themen

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Blaue Hemden in 6 Dessins - passend für jeden Anlass
bei Walbusch
Anzeige
Happy Highspeed-Surfen: 210,- € Gutschrift sichern!*
MagentaZuhause L bestellen
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018