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"Schwuler Kicker outet sich im Fußball-'Tatort'"

Schwuler Kicker outet sich im "Fußball-"Tatort"  

"Schwuler Kicker outet sich im Fußball-'Tatort'"

21.03.2011, 12:20 Uhr | SKO

"Schwuler Kicker outet sich im Fußball-'Tatort'". Szenenbild "Tatort: Mord in der ersten Liga" (Foto: ARD)

Szenenbild "Tatort: Mord in der ersten Liga" (Foto: ARD)

Gewalt an Schulen, Ehrenmorde oder Rechtsradikalismus. Wie schon so oft widmete sich auch der gestrige "Tatort" "Mord in der ersten Liga" einem sozialen Problemfeld: der Schwulenfeindlichkeit im Fußball. Das Opfer: Ein Hannover 96-Spieler, der kurz nach dem Nordderby gegen den HSV tot am Ufer eines Sees in Hannover tot aufgefunden wurde. Erst peu à peu stellte sich heraus, dass das Kickertalent Kevin (Stephan Waak) schwul war. Facettenreich beleuchtete der Krimi im Verlauf von Lindholms (Maria Furtwängler) Ermittlungen das soziale Umfeld des Spielers. Sein durchorganisiertes Doppelleben aus homosexueller Neigung einerseits und Freundin andererseits, um nicht als schwul aufzufliegen. Das bizarre Vater-Sohn-Verhältnis mit seinem Manager und die Panik seines schwulen Teamkollegen und Freundes Ben vor einem Outing. Lindholms Ermittlungsausflug in die Hooliganszene lieferte noch dazu erhellende Einblicke in die Struktur der Gruppierung. Aus all dem kreierte Regisseur Nils Willbrandt einen äußerst unterhaltsamen Krimi - und eine gelungene Steilvorlage zur Enttabuisierung der Homophobie beim Kick. Doch wir wollen wissen, wie Sie den "Tatort" fanden. Jetzt am unteren Ende der Seite in unserer Kommentarfunktion mitdiskutieren!

Unfreiwilliges Outing

Mal hoch spannend, mal zum Schmunzeln, mal nachdenklich: Mit dem thematisch zwar leicht überfrachteten Krimi dürfte es den Machern um Willbrandt dennoch gelungen sein, die Zuschauer bis zum Ende zu begeistern. Ergreifend die Szene, als Ben (Luk Pfaff), mit den Neven am Boden, das Ende seiner Kickerkarriere kommen sieht, nachdem die News über seine Homosexualität in der Öffentlichkeit die Runde gemacht hat. Ob sein eher unfreiwilliges Outing am Ende des Films nun für mehr Toleranz sorgt oder nicht, ließ der Film allerdings unbeantwortet. Als Ermunterung offener mit dem Thema umzugehen, war die Szene aber allemal zu verstehen.

Fußball und schwul? Unmöglich!

Als Spiegel der Gesellschaft, in der Homophobie im Fußball weiter stark verbreitet ist, fungierte Lindholms Kollege Näter (Fritz Roth). Zugegeben: Seine ständige Empörung über den Umstand, der ermordete Kicker aus seinem Heimatverein könnte schwul gewesen sein, fiel etwas holprig aus. Dennoch: Mit ihm würden sich wohl nur die wenigsten TV-Zuschauer identifizieren wollen, weshalb seine Rolle ihren Zweck durchaus erfüllte.

Lindholm macht auf „Dirty Harry“

Für den nötigen Thrill in dem Krimi sorgte Lindholms Einsatz in der Hooliganszene, die Kevin mit einem kritischen Interview gegen sich aufgebracht hatte. Couragiert stürmte die Kommissarin in die Stammkneipe der Hobbyschläger und scheute ebenso wenig davor zurück, sich im Stil eines "Dirty Harry" Zugang zur Wohnung eines verdächtigen Hooligans zu verschaffen, um dessen Laptop samt Beweisvideo zu stibitzen. Wer auf Lindholm steht und ihr ihre unzulässigen Ermittlungsmethoden durchgehen lässt, der bekam mit ihrem Auftritt bestimmt ein echtes Highlight geboten. Abgesehen davon verdeutlichte der Ausflug zu den Hooligans, dass sich diese keinswegs nur aus sozialen Underdogs rekrutiert, sondern ebenso aus Bankern oder Juristen, die in ihrem Alltag Nadelstreifen statt Kaputzenpullis tragen.

Lindholms Beinahe-Liäson für neue Folgen gut

Die prickelnde Bekanntschaft, die die Kommissarin bei den Hooligans mit Undercover-Reporter Jan Liebermann (Benjamin Sadler "Contergan", "Dresden") machte, könnte noch für weitere Hannover-Krimis gut sein. "Es ist spannend, den beiden zuzusehen, wenn sie aufeinandertreffen", hat Furtwängler über die Anbahnung in dem Krimi geschwärmt. Immerhin: In einer Szene folgte sie dem smarten Reporter sogar fast bis unter die Dusche - was bei der sonst zumeist kühlen LKA-Beamtin fast schon als Überdosis an Zuneigung gewertet werden kann.

Zwanzigers Anliegen erfüllt

Fernab vom Thema Homophobie im Fußball entpuppte sich ausgerechnet Kevins Ziehvater und Manager Leo Biller (Alexander Held) als Täter. Das aber nur, weil auf dem Beweisvideo, das den im Sterben liegende Kevin zeigte, auch das Bellen von Billers Hund zu hören war. Auch das Mordmotiv, wonach sich Kevin von seinem Manager lösen wollte und ihn wegen verbotener Geheimverhandlungen mit einem italienischen Club um seine Lizenz bringen wollte, kam schlichtweg zu banal daher. Dem zum Trotz war der Fußball-Krimi aus Hannover zu allergrößten Teilen plausibel arrangiert und absolut sehenswert. Die Idee, mal einen "Tatort" über Homophobie im Fußball zu drehen, um das Thema so an die Öffentlichkeit zu bringen, hatte DFB-Präsident Theo Zwanziger seinerzeit Furtwängler vorgeschlagen. Auch diesem Anliegen wurde der Problemfeld-"Tatort" vollends gerecht.

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