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"Tatort Jagdzeit": Unglaubwürdig und vorhersehbar

Tatort "Jagdzeit": Unglaubwürdig und vorhersehbar

11.04.2011, 14:30 Uhr | sgü

"Tatort Jagdzeit": Unglaubwürdig und vorhersehbar. Batic und Leitmayr versuchen Nessi zum Reden zu bringen. (Foto: BR/Stephen Power)

Batic und Leitmayr versuchen Nessi zum Reden zu bringen. (Foto: BR/Stephen Power)

Unglaubwürdige Charaktere, gestellt wirkende Szenen, hölzerne Dialoge, vorhersehbare Story: Der gestrige Münchner "Tatort Jagdzeit" wollte besonders eindringlich Sozialkritik betreiben – schoss aber über sein Ziel hinaus. Einziger Lichtblick dieses Krimi-Abends war die junge Hauptdarstellerin Laura Baade, die die 13-jährige Schülerin Nessi spielte.

Nessi ist ein pummeliges, kluges und abgeklärtes Mädchen, das ein verdammt hartes Leben führt: Die Mutter - depressiv, alkoholkrank und Hartz-IV-Empfängerin - kriegt gar nichts mehr auf die Reihe. Das Essen organisiert Nessi von der Lebensmittelausgabe für Arme. Sie muss mit einem total uncoolen Schulranzen von anno dazumal in die Schule gehen und kriegt dafür jeden Tag eins reingewürgt.

Seniorenpflege für fünf Euro am Tag

Für fünf Euro am Tag pflegt sie illegal eine alte, demente Frau, fährt sie spazieren, wickelt sie, gleicht den Versorgungsnotstand für alte, kranke Menschen aus. Sie wird auf dem Schulweg geschubst, als fette Kuh beschimpft, von zwei kriminellen Jungs erpresst, ihnen die Antidepressiva ihrer Mutter verscherbeln und gegen Placebos auszutauschen.

Die stumme Zeugin

Als sie eines Morgens an der Billigtanke zufällig mit ansieht, wie der junge, reiche Schnösel Xaver Heintel (Jens Atzorn) seinen Ex-Geschäftspartner Gerd Zach (Matthias Heidepriem) mit einem Jagdgewehr erschießt, weiß sie nicht, wohin mit ihrer Angst. Die Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl) versuchen, sie zum Reden zu bringen, vergeblich.

Blick in ein Münchner Ghetto

Also wird Nessi rund um die Uhr von Polizisten beschattet. So wirft der "Tatort"-Gucker einen Blick in eine der traurigsten Ecken von München, den Stadtteil Milbertshofen. Eine Gegend, in der tatsächlich viele Menschen arm sind, in hässlichen Plattenbauten wohnen und bereits ihre Hoffnung auf bessere Zeiten verloren haben. Hier spielen sich Szenen ab, die man eher in Berlin oder im Ruhrpott vermuten würde.

Eindimensionale Darsteller

Die Autoren und Regisseure dieses "Tatorts" wollten wohl genau das zeigen, dass in München nicht alles piekfein, sauber und adrett ist. Dass es auch hier das Gegenteil von Schickimicki gibt. Aber dafür hätten sie authentische Dialoge und Szenen schreiben und überzeugendere Darsteller engagieren müssen. Vor allem Leonie Zach (Angela Ascher), die reiche und verwöhnte Gattin des Mordopfers, spielte null überzeugend und ihr Fotografen-Geliebter Xaver Heintel (Jens Atzorn), der allzu vorhersehbare böse Mörder, agierte ebenso platt. Auch die Zwei-Mann-Jugendgang Jaro und Alex wirkte so echt wie Comicfiguren aus South Park. Ein echtes Mitfühlen mit den zahlreichen Verlierern unserer Gesellschaft wurde so sehr schwer gemacht.

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