Sie sind hier: Home > Unterhaltung > TV & Kino >

"Tannbach" soll neu synchronisiert werden fordert Dialektforscher

Umstrittener ZDF-Dreiteiler  

Dialektforscher fordert: "Tannbach" soll neu synchronisiert werden

13.01.2015, 09:23 Uhr | CK/jho, dpa

"Tannbach" soll neu synchronisiert werden fordert Dialektforscher. Alexander Held und Florian Brückner in "Tannbach". (Quelle: ZDF/Martin Schutt/dpa)

Alexander Held und Florian Brückner in "Tannbach". (Quelle: ZDF/Martin Schutt/dpa)

Oberbayerisch statt fränkisch: Der falsche Dialekt im ZDF-Dreiteiler "Tannbach" über das Nachkriegsschicksal des fränkischen Dorfs Mödlareuth sorgt weiter für Ärger. Der Dialektforscher Ludwig Zehetner fordert jetzt in der "Passauer Neuen Presse", die Fernseh-Saga neu zu synchronisieren - und zwar "mit stimmiger oberfränkisch-thüringischer Lautung und Klangfärbung".

UMFRAGE
Was sagen Sie zu der Dialekt-Debatte um "Tannbach"?

Es sei fatal, wenn alles, was in Bayern spiele, mit einem geglätteten Bayrisch unterlegt werde, sagte der Regensburger Honorarprofessor für bayrische Dialektologie.

"Drehbuch, Regie, Produktion, Sender und seine Sprecherin sind Ignoranten der sprachlandschaftlichen Vielfalt Deutschlands", kritisierte auch Prof. Rüdiger Harnisch vom Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft der Universität Passau. Eine Nachsynchronisation hält Harnisch allerdings für wenig sinnvoll. Viel wichtiger sei es, die nächsten Folgen mit authentischem Dialekt zu drehen.

"Tannbach" war ein Quotenhit. Am vergangenen Mittwoch ging der Dreiteiler mit 6,59 Millionen Zuschauern zu Ende. Jetzt wird über eine Fortsetzung nachgedacht. Eine ZDF-Sprecherin hatte betont, die Filmemacher hätten im Vorfeld die Dialektfrage eingehend erörtert: "Es sollte auf jeden Fall eine ländliche Dialektfärbung sein", die von möglichst vielen TV-Zuschauern verstanden werden sollte.

Proteststurm in sozialen Netzwerken

Schon während und direkt nach der Ausstrahlung hatte der ZDF-Dreiteiler in den sozialen Netzwerken einen Proteststurm ausgelöst. Dass in der Verfilmung der Geschichte des fränkischen Dorfs, das durch die damalige deutsch-deutsche Grenze geteilt war, bayerischer statt fränkischer Dialekt gesprochen wurde, stieß vielen Facebook- und Twitter-Usern bitter auf. "Liebes ZDF. Ihr wisst aber schon, dass an der bayerisch-thüringischen Grenze fränkisch gesprochen wird? Gut, vielleicht kennt man in Mainz den Unterschied nicht, aber ein bissl Recherche schadet nicht", schreibt etwa Facebook-Nutzer Andreas G.

"Ganz schön peinlich"

Susanne G. monierte: "Ich finde das ehrlich gesagt auch ganz schön peinlich. Bei einem Film mit realem Hintergrund erwarte ich etwas bessere Recherche. Auf alle möglichen Details wird geachtet - und dann so ein grober Schnitzer!"


Doch nicht nur die Zuschauer ärgerten sich über die Dialektwahl, sondern auch die Regionalzeitung "Der fränkische Tag". "Mödlareuth hat eine Geschichte, die das Dorf und seine Bewohner am liebsten nicht erlebt hätten. Und jetzt gibt es einen Film, den jeder Franke wohl am liebsten nicht gesehen hätte", so das Blatt.

"Fränkischer Bund" empört über "Seppldialekt"

Empört zeigte sich auch der "Fränkische Bund". Der Mitbegründer des fränkischen Interessensverbandes, Joachim Kalb, sprach von einer "Dreistigkeit" des ZDF, "den Seppldialekt im fränkischen Mödlareuth erklingen zu lassen". Kalb klagte: "Es war richtig krass, weil ja ansonsten jeder Besenstil und jeder Grashalm detailgetreu und präzise der Zeit entsprechend dargestellt wurde."

"Macht geografisch und geschichtlich keinen Sinn"

Man könnte die Dialektwahl den "Tannbach"-Machern zwar als künstlerische Freiheit auslegen. Schließlich handelt es sich bei dem Dreiteiler um eine fiktionale Geschichte, die sich nur von dem Schicksal eines realen Ortes inspirieren ließ. Das Problem hierbei ist jedoch: Einen Ort an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, an dem oberbayerisch gesprochen wird, kann es nicht geben. Oberbayern liegt von der Grenze weit entfernt.

"Der oberbayerische Dialekt passt extrem gut zum ehemaligen Grenzverlauf, der ja bekanntlich hinter Bad Tölz war", spottete deshalb Twitter-Nutzer Markus Dollinger. Auch der "Fränkische Tag" monierte, dass Tannbach "einfach nach Oberbayern verpflanzt" wurde - zumindest wenn man von dem gesprochenen Dialekt ausgehe. Doch das mache "geografisch und damit auch geschichtlich keinen Sinn".


Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018