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"Polizeiruf 110"-Kritik: So gut war der München-Krimi "Kreise"

"Polizeiruf 110: Kreise"  

Justus von Dohnányi: Glänzender Auftritt in spannendem Krimi-Kammerspiel

28.06.2015, 21:45 Uhr | Nina Bogert-Duin

"Polizeiruf 110"-Kritik: So gut war der München-Krimi "Kreise". Justus von Dohnányi legt als Peter Michael Brauer im "Polizeiruf 110: Kreise" einen bemerkenswerten Auftritt hin. (Quelle: BR/ Christian Schulz)

Justus von Dohnányi legt als Peter Michael Brauer im "Polizeiruf 110: Kreise" einen bemerkenswerten Auftritt hin. (Quelle: BR/ Christian Schulz)

Ruhe. Das strahlte dieser bemerkenswerte "Polizeiruf 110" in erster Linie aus. Da wurden keine Gangster in wilder Verfolgung gejagt, da gab es keine blutigen Szenen und auch keinen stampfenden Soundtrack. Die Episode "Kreise" kam leise und konzentriert daher - und fand genau darin ihre Stärke. Alle drei Hauptdarsteller - neben Matthias Brandt und Barbara Auer ein großartig agierender Justus von Dohnányispielten zudem virtuos auf. Hut ab vor diesem eindringlichen Krimistück.

Autorenfilmer Christian Petzold, der mit Filmen wie "Yella" oder "Die innere Sicherheit" Aufmerksamkeit wie Auszeichnungen einheimste, wagte sich mit diesem "Polizeiruf 110" mal wieder in die Fernsehlandschaft. Gewaltszenen brauchte es in seiner Inszenierung nicht, vielmehr beschwor Petzold die großen Gefühle herauf und widmete sich den Themen Sehnsucht und unerwiderter Liebe. Und zwar sowohl auf der Täter- wie auch auf der Ermittlerseite.

Mord an Möbelfabrikantin und unerwiderte Liebe

Aber der Reihe nach: Der Fall, der Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) dieses Mal umtrieb, ist schnell zusammengefasst. Auf einer Waldlichtung im Münchener Umland wird die Möbelfabrikantin Claudia Hoffer unter einem nur dürftig zusammengeschobenen Laubhaufen entdeckt. Neben ihr - ebenfalls tot - ihr geliebtes Schoßhündchen. Von Meuffels und seine neue Kollegin Constanze Hermann (Barbara Auer) erfahren in Gesprächen mit der Belegschaft, dass Hoffer als Chefin nicht sonderlich beliebt war. Lediglich ihr Ex-Mann Peter Michael Brauer (Justus von Dohnányi) war der Toten trotz Trennung in inniger Liebe zugetan. Sie hat ihn jedoch permanent abblitzen lassen.

Die neue Kollegin sorgt für Herzklopfen

Die Münchener Ermittler tun sich zunächst schwer damit, ein Motiv zu finden. Zeugenaussagen verwirren, Indizien verpuffen im Nichts. Man dreht sich im wahrsten Sinne des Wortes im Kreis und entdeckt neben der geschäftlichen Verbundenheit nach und nach auch private Zuneigungen. Von Meuffels ist sehr angetan von dieser routinierten Kollegin, die, wie er, aus Hamburg stammt und nach einem Alkoholentzug in einer Klinik in München ein neues Leben beginnen will. Noch lebt sie im Hotel.

Petzold inszenierte "Kreise" vor allem in Räumen, in denen er die Protagonisten miteinander konfrontierte. Das war immer wieder der Verhörraum, das Auto, ein Appartement. In der so erzeugten Enge, in diesem geschrumpften Kosmos war kein Ausweichen mehr möglich und die Gesprächspartner lieferten sich einander aus. Hier wurde taktiert und taxiert. Hier waren Gefühle wie Anspannung, Trauer, Sehnsucht und Hoffnung stets greifbar. Ein fein inszeniertes Kammerspiel.

Fesselnde Dialoge 

Große Momente hatte der Krimi, wann immer Brandt und von Dohnányi zusammenkamen und der Kommissar den Verdächtigen durch kluges und abwartendes Nachfragen zum Reden brachte. Diese langen Dialogszenen, mit denen Sonntagskrimis selten aufwarten, fesselten und blieben kurzweilig. Justus von Dohnányi brillierte in der Rolle des an der Liebe gescheiterten Möbeldesigners Brauer, der kultiviert zu plaudern wusste und mit der Zeit tiefe Einblicke in sein Seelenleben zuließ. Dass auch Kommissar von Meuffels, Brauer in Habitus und Charakter nicht unähnlich, Sympathien für den Mann hegte, gab der Geschichte etwas Menschliches.

Der 10cc-Song "I'm Not in Love", der beim Auftauchen von Brauer immer wieder eingespielt wurde, stand stellvertretend für dessen verträumte, melancholische Figur. 

Die Sehnsucht des Kommissars

Geschickt setzte Petzold den Fortlauf der Mordgeschichte parallel zur Entwicklung der "Liebesgeschichte". Der launige, immer inniger werdende Schlagabtausch zwischen Hermann und von Meuffels erlosch in den letzten Filmminuten, in denen die Kommissarin ihrem Kollegen unverblümt mitteilte, "die große Liebe" könne sie derzeit nicht gebrauchen. Sie würde zurück in den Norden gehen. Für Momente verliert der Kommissar die Kontrolle über seine Gesichtszüge - wunderbar umgesetzt von Brandt. In Sekundenbruchteilen lernt der Zuschauer, dass hier eine Welt zusammenbricht, wie groß die Sehnsucht des Mannes nach einer Partnerin war und wie sehr er sich bemüht, sein Gesicht zu wahren.

Erstklassiges Niveau

Fazit: Der Münchener Polizeiruf mit Hanns von Meuffels besticht seit Episode eins mit innovativen Inszenierungen großer Regisseure. Darunter Dominik Graf, Hans Steinbichler und Leander Haußmann. Mit dieser Folge von Christian Petzold bleibt das Niveau der Serie auf einem erstklassigen Level.

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