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"Auf der Flucht - Deutschland hilft!": Kritik zur ZDF-Flüchtlingsgala

ZDF-Flüchtlingsgala  

Menschenrechte taugen nicht zur Showeinlage

11.09.2015, 12:56 Uhr | Denis Mohr

"Auf der Flucht - Deutschland hilft!": Kritik zur ZDF-Flüchtlingsgala. Johannes B. Kerner moderierte die ZDF-Flüchtlingsgala "Auf der Flucht - Deutschland hilft!" (Quelle: ZDF/Markus Hertrich)

Johannes B. Kerner moderierte die ZDF-Flüchtlingsgala "Auf der Flucht - Deutschland hilft!" (Quelle: ZDF/Markus Hertrich)

Tragischer als das Scheitern an sich ist das Scheitern im Dienste einer erklärtermaßen guten Sache. Mit seiner großen Flüchtlingsgala "Auf der Flucht - Deutschland hilft!", in  der gemeinsam mit dem  Aktionsbündnis Katastrophenhilfe Spenden gesammelt werden sollten, ist das ZDF gescheitert - zumindest inhaltlich.

Die Sendung mit Moderator Johannes B. Kerner, die man anlässlich der Flüchtlingssituation in Deutschland kurzfristig ins Programm nahm, konnte nicht gelingen, weil Format und Thema sich widersprechen.

Was man zeigen wollte, waren echte Geschichten von echten Menschen, die echte Gefühle hervorrufen sollten. Aber das kann das Format der Live-Gala nicht leisten. Notwendigerweise wird hier alles, was echtes Gefühl sein müsste, zu einer wattigen Pop-Gefühligkeit umgemünzt. Denn am Ende muss eine solche Show, ernstes Thema hin oder her, vor allem eines: irgendwie unterhalten.

Nicht enden wollender Promi-Reigen

Deshalb bot das ZDF in etwas weniger als zwei Stunden Sendezeit ein kaum enden wollendes Defilee an Prominenten auf, die mal in Einspielfilmchen, mal auf der Couch neben Kerner sitzend, den wohlgesonnenen Grüßonkel markieren und Mutmachsätze in die Kamera sprechen durften. Dass Jürgen von der Lippe, Anna Loos, Markus Lanz, Rainer Hunold, Steven Gätjen, Tim Mälzer, Bundespräsident Joachim Gauck und viele viele andere dabei zumeist nur erbauliche Plattitüden von sich gaben, ist der Situation geschuldet. Denn was sie sagen, ist wesentlich unbedeutender, als dass sie es sind, die etwas sagen.

Demselben Prinzip folgend, durften dann auch die Schauspieler Anneke Kim Sarnau und Armin Rohde zu dramatisch gedimmtem Licht einzelne Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verlesen. Ja, sogar Menschenrechte sind, wenn man unbedingt will, zur Showeinlage konvertierbar. Müssen sie auch sein, ist ja schließlich eine Gala.

Ernste Momente mit Klaviermusik

Natürlich gab es auch ernstere Momente. Filmbeiträge zeigten Flüchtlinge in überfüllten Schlauchbooten, oder sahen deutschen Helfern bei der Arbeit in Erstaufnahmelagern über die Schulter. Das sind Bilder, die für sich alleine sprechen könnten. Aber weil es eine Abend-Show war, mussten die Beiträge mit schmalziger Klavier- oder Geigenmusik unterlegt werden, damit auf jeden Fall auch noch der letzte kapierte, dass es hier ja um richtig echtes menschliches Leid geht, das nicht mit ein paar eindringlichen Popsongs kuriert werden kann. Und das ist der Knackpunkt: Wer eine Unterhaltungssendung über Leid und Verzweiflung macht, wird sie unwillkürlich durch Verkitschung zu Showelementen degradieren.

Da wundert es auch nicht, dass die Zuschauer der Show nicht gerade in Scharen zuströmten. Mit 2,17 Millionen Zuschauern kam "Auf der Flucht - Deutschland hilft!" nicht über einen mittelmäßigen Marktanteil von 7,7 Prozent hinaus. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen landete man sogar nur bei 4,1 Prozent Marktanteil.

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