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Fernsehprogramm heute: "Giftiges Leder" auf Arte klärt auf

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TV-Tipp für 20.10.2015 - 21.10 Uhr  

Dokumentation "Giftiges Leder" auf Arte rüttelt auf

20.10.2015, 18:35 Uhr | Christina Peters, dpa

Fernsehprogramm heute: "Giftiges Leder" auf Arte klärt auf. Ledermanufaktur in Bangladesch (Quelle: dpa)

Ledermanufaktur in Bangladesch (Quelle: dpa)

Die Lederproduktion in Bangladesch boomt, Abnehmer des Leders sind vor allem Europäer. Doch den Preis für die Billigware aus Asien zahlen mal wieder die Ärmsten der Armen. Einen seltenen Einblick in den menschlichen und ökologischen Alptraum der Lederindustrie in Bangladesch bietet die Dokumentation "Giftiges Leder" – unser Tipp für das Fernsehprogramm heute. Arte zeigt den französischen Film aus dem Jahr 2012 am Dienstag um 21.10 Uhr im Rahmen des Themenabends "Sterben für die Mode".

>> Hier finden Sie das komplette Fernsehprogramm von heute.

Schwitzende Männer und Frauen stehen in einem graublauen Sud und schrubben Tierhäute. Die Dämpfe verätzen Lunge und Haare, das Kalkwasser verbrennt ihnen die Haut. Aber das größte Problem sei der Gestank, sagt Sharmin. Nach ihrem ersten Tag in der Gerberei war sie eine Woche lang krank. Inzwischen habe sie sich daran gewöhnt. "Was sollen wir tun?", fragt ihre Mutter. "Wenn wir Reis im Bauch hätten, könnten wir uns darüber Gedanken machen."

Hochgiftige Chemikalien fließen ungefiltert in den Fluss

Seit sich die Produktionskosten in China verdoppelt haben, ist Bangladesch zum Zentrum der weltweiten Lederproduktion aufgestiegen. In Hazaribagh, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, drängen sich rund 300 Gerbereien auf einer Fläche, die kleiner ist als das Münchener Oktoberfest. Es ist einer der meistverschmutzten Orte der Welt. Rund 14 Millionen rohe Tierhäute werden hier jedes Jahr verarbeitet.

Zu den Hunderten dazu eingesetzten Chemikalien gehören hochgiftige Stoffe wie Quecksilber und Chrom, die Arbeiter ohne Ausbildung und Schutzkleidung handhaben. Ungereinigt fließen die Abwässer in den stinkenden trübgrauen Fluss, Millionen Liter im Jahr.

Dazwischen leben die Arbeiter dicht gedrängt in Hütten aus Holz und Plastikfolie. Wie Sharmin und ihre Familie verlassen jährlich rund 400.000 Bangladescher ihre unfruchtbaren Felder, um in den Slums der Hauptstadt Arbeit zu suchen. Die Industrie schöpft so aus dem Vollen: Die meisten Arbeiter der Gerbereien sind austauschbare Tagelöhner, die für ein mickriges Entgelt zwölf Stunden schuften. Fast alle von ihnen erkranken als direkte Folge der Arbeit, nur wenige werden älter als 50.

Dabei gibt es sogar einen Umweltbeauftragten der Regierung. Wie ein moderner Sisyphos eilt Muhammad Munir Chowdhury mit seinem Team von Ort zu Ort und entnimmt gewissenhaft Wasserproben. Dann steht er in einem Kreis feindselig guckender Männer und erklärt einem Fabrikleiter, dass sein Abwasser unzulässig ist.

Korruption an der Tagesordnung 

Doch die Strafen, die Chowdhury verhängt, werden telefonisch aufgehoben, kaum, dass er weg ist. Zu grassierend ist die Korruption. Die größten Gerbereien des Landes gehören Regierungsangehörigen.

Es ist der wahre Preis des vermeintlich günstigen Leders, den der Film zeigt. Die einfachen Bilder sind deutlich genug. In den ätzenden Chemiepfützen stehen nackte Füße. Aus der toten grauen Brühe des Flusses ziehen Fischer leere Netze, am Ufer waschen sich Menschen. Sharmins dreijährige Tochter wächst nicht und kann weder sprechen noch laufen. Ein Gerbereibesitzer winkt ab: "Natürlich ist das Wasser ungesund. Wenn uns das Sorgen machen würde, dann müssten wir unsere Firma schließen, und wer wäre bitte zu sowas bereit?"

Investitionen in den Umweltschutz schmälert Gewinne 

Seit Jahren ist ein Umzug in ein neues Industriegebiet im Gespräch, das modernen Umweltstandards entsprechen würde. Der Film zeigt jedoch dort nur eine leere Brache. Die Gerbereien zeigen nämlich keinen Ehrgeiz umzuziehen. "Der Grund dafür ist, dass jede Investition in den Umweltschutz ihre Gewinne schmälert", sagt Umweltrechts-Anwältin Syeda Rizwana Hasan in der Doku. Diese nüchterne Bestandsaufnahme von vor drei Jahren scheint noch immer Stand der Dinge zu sein. Im März 2015 berichtete die "Dhaka Tribune", das Projekt der Verlegung gehe weiter nur im "Schneckentempo" voran. Der Termin Juni 2016 sei nicht zu halten.

Dokumentation soll aufklären 

Die Ahnungslosigkeit vieler westlicher Käufer ist gut für das Geschäft. Das wissen auch die Mächtigen der Industrie: Der Zugang zu den Gerbereien ist schwierig, beim ersten Drehversuch wurde das Filmteam nach drei Tagen des Landes verwiesen. Für die Umweltrechts-Anwältin Hasan ist der Zusammenhang klar: "Ich habe erlebt, dass europäische Verbraucher, wenn sie erst einmal wissen, was hier geschieht, Stellung beziehen, und das hilft uns in Bangladesch. Ich hoffe deshalb sehr, dass die europäischen Käufer anfangen, Fragen zu stellen." Die Nahrung für diese Fragen liefert "Giftiges Leder" mit Bravour.

>> Hier finden Sie das komplette Fernsehprogramm von heute.

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