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Forscher fordert: Diese Corona-Maßnahmen müssen sofort abgeschafft werden


Leben mit Corona
Forscher fordert: Diese Maßnahmen müssen abgeschafft werden


Aktualisiert am 09.02.2022Lesedauer: 3 Min.
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

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Fußgängerzone in Münster: Corona wird uns auch in Zukunft weiter begleiten.Vergrößern des Bildes
Fußgängerzone in Münster: Corona wird uns auch in Zukunft weiter begleiten. (Quelle: IMAGO / Rüdiger Wölk/imago-images-bilder)

Mit Omikron könnte die Corona-Pandemie zu Ende gehen. Doch wie sieht unser Leben dann damit aus? Ein Experte erklärt, welche Maßnahmen noch notwendig sind – und welche nicht.

Das Coronavirus ist gekommen, um zu bleiben. Doch dank Impfungen und harmloserer Varianten könnte das Virus seinen Schrecken verlieren. Was folgt daraus? t-online hat mit dem Aerosolforscher Gerhard Scheuch gesprochen, der gemeinsam mit Medizinern das Strategiepapier "Leben mit Covid" entwickelt hat.

t-online: Herr Scheuch, wie kommen wir aus der Epidemie heraus? Sie haben einen Plan …

Gerhard Scheuch: Plan ist vielleicht zu viel gesagt, aber unser Strategiepapier dreht sich um die zentrale Frage, wie wir mit dem Virus leben lernen. Denn das müssen wir. Wir können das Virus nicht ausrotten. Mit einem Atemwegsvirus, wie Corona es darstellt, lässt sich keine Herdenimmunität erreichen. Außerdem mutiert das Virus ständig und die durch Impfungen erzielte Immunität nimmt im zeitlichen Abstand zur Impfung ab. Also bleibt uns nur, einen Weg zu finden, mit Corona in unserem Alltag umzugehen.

Sie fordern unter anderem, die Tests der Allgemeinbevölkerung abzuschaffen. Warum?

Das Erstellen von Inzidenzen ist in der aktuellen Phase nicht mehr sinnvoll. Abgesehen von der Ungenauigkeit der Zahlen und der hohen Dunkelziffer ist doch deutlich geworden, dass die Inzidenzen nicht mehr an die Hospitalisierungsrate gekoppelt sind. Das hat mit den Impfungen zu tun, aber auch mit der neuen Variante, die zwar ansteckender ist, aber weniger krankmachend. Auch wenn die Regeln sich ändern, ändert sich das Testverhalten und damit die "Melde-Inzidenz".

Gerhard Scheuch
Gerhard Scheuch (Quelle: privat)


Dr. Gerhard Scheuch ist Physiker und Aerosolwissenschaftler. Er berät zahlreiche Institutionen, unter anderem auch das Robert Koch-Institut.

Aber verlieren wir dann nicht gänzlich den Überblick über die Pandemie hierzulande?

Den haben wir doch schon verloren. Unser Vorschlag wäre, eine Kohorte zu beobachten, also eine repräsentative Gruppe, die man regelmäßig testet. So lassen sich Rückschlüsse über die Viruslast in der Gesellschaft ziehen. Das macht man ja schon bei der Influenza so.

Was fordern Sie noch?

Unsinnige Maßnahmen müssen abgeschafft werden. Masken tragen im Freien zum Beispiel. Weniger als ein Prozent der Infektionen finden im Freien statt. Ausgangssperren zum Beispiel sind nutzlos. Alle Einschränkungen draußen könnte man rasch beenden.

Aber die Masken können wir jetzt nicht alle wegwerfen …

Nein, Masken werden uns weiter begleiten. Wir werden sie zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten – etwa in den Innenräumen im Winter – weiterhin brauchen. Aber bei vielen anderen Maßnahmen haben wir uns einfach verzettelt. 2G, 2G plus, 3G. Kaum jemand steigt da noch durch und oft sind die angeordneten Maßnahmen widersprüchlich oder wissenschaftlich nicht belegt.

Wir haben auch kein wirkliches Bild über die Immunität in der Bevölkerung. Wir kennen die Impfquote ja noch nicht einmal genau. Und wir wissen nur, wer genesen ist, wenn die Person irgendwann mal einen positiven PCR-Test hatte. Ohne Test kein Genesenenstatus, aber wie viele Menschen entweder nicht getestet wurden oder sich etwa auch asymptomatisch infiziert haben – all das wissen wir nicht. So segeln wir praktisch im Blindflug durch die Pandemie.

Wie könnte man das ändern?

Hier können repräsentative Antikörpertests helfen. In Neu-Delhi zum Beispiel haben solche Überprüfungen ergeben, dass 97 Prozent der Bevölkerung Antikörper aufweisen. Wie hoch die Quote bei uns ist, ist bislang nicht bekannt. So erhält man eventuell Maßnahmen aufrecht, die gar nicht mehr nötig wären.

Sie plädieren auch dafür, sich angesichts von Omikron zu entspannen?

Ja, wir haben es hier offenbar mit einem Erkältungsvirus zu tun. Man kann in der Viruseindämmung nicht dauerhaft auf Angst setzen. Wir sehen es ja auch, viele steigen dann aus den staatlich verordneten Maßnahmen aus.

Aber klar ist: Bei Symptomen muss ein Test erfolgen. Und wer Symptome zeigt, ist aufgerufen, sich zu isolieren. Da muss man auf die Eigenverantwortung der Bürger setzen. Und ob Kinder wirklich gegen ein Erkältungsvirus geimpft werden müssen – da bin ich skeptisch.

Welche Rolle spielen die Impfstoffe?

Da sie keine sterile Immunität bilden, also auch Geimpfte sich mit Omikron anstecken können, werden wir mit ihnen keine Herdenimmunität erreichen. Aber sie verhindern immer noch zuverlässig schwere Krankheitsverläufe und das ist immer wieder wichtig zu betonen.

Was ist das Ziel Ihres Strategiepieres?

Wir wollen zu einer Diskussion anregen, erste Vorschläge machen. Ganz klar, wir müssen die vulnerablen Gruppen schützen, um Todesfälle weitgehend zu reduzieren, verhindern können wir sie nicht. Und wir müssen dafür sorgen, dass die Infrastruktur nicht durch Masseninfektionen zum Erliegen kommt.

Aber wir brauchen auch ein möglichst normales Leben. Die Kollateralschäden, die durch den Kampf gegen Corona entstehen, sind teilweise immens. Also statt "Kampf gegen Corona" besser "Leben mit Corona". Das müssen wir lernen.

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Verwendete Quellen
  • Interview mit Gerhard Scheuch
  • Eigene Recherche
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