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DĂĽrfen Trauernde eine Urne zu Hause aufbewahren?

Von dpa-tmn
Aktualisiert am 22.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Recht auf dem Friedhof: In Deutschland ist vieles rund um Bestattung und Friedhof reglementiert.
Recht auf dem Friedhof: In Deutschland ist vieles rund um Bestattung und Friedhof reglementiert. (Quelle: Sebastian Willnow/dpa-tmn-bilder)
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Die Urne im Kleiderschrank oder lieber das Grab mit dem Lieblingstier teilen? Mancher hätte dies gerne, doch nicht alles ist gestattet. Ein Überblick über Trauerformen in Deutschland.

Das Wichtigste im Ăśberblick


Gedanken an den Tod sind unangenehm. Vorkehrungen fĂĽr die letzte Ruhe zu treffen, ist deshalb nicht jedermanns Sache. Tun sollte man es dennoch.

Denn in Deutschland ist vieles rund um Bestattung und Friedhof reglementiert. Nicht alles, was mancher für sich und seine Angehörigen wünscht, lässt sich realisieren. Wichtige Fragen und Antworten.

Sarg oder Urne zu Hause – ist das erlaubt?

Grundsätzlich gelten in Deutschland Beisetzungspflicht und Friedhofszwang. Die Regeln stammen noch aus dem Preußischen Landrecht von Anfang des 19. Jahrhunderts. Später wurden sie in die Friedhofs- und Bestattungsgesetze der 16 Bundesländer übernommen. Kommunale Friedhofssatzungen regeln Details.

Die Vorgaben besagen, dass Särge und Urnen auf gewidmeten Friedhofsflächen beizusetzen sind. Das Aufbewahren von Urnen in der Wohnung ist deshalb in der Regel genauso verboten wie Bestattungen im eigenen Garten.

Das hat zum einen hygienische GrĂĽnde, aber auch ganz praktische: Was passiert mit Opas im Garten verbuddelter Urne, wenn das GrundstĂĽck verkauft wird? Und: Wer bekommt denn die Urne? Diesem Streitpotenzial beugt der Friedhofzwang vor.

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Darf jemand vom Zugang zum Grab ausgeschlossen werden?

Nein, die Grabstelle soll für alle Trauernden zugänglich sein. "Das gewährleistet der Friedhof als öffentlich zugänglicher Ort", sagt Ulrich Stelkens. Er ist Professor für Öffentliches Recht an der Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer und organisiert jedes Jahr eine Fachtagung zum Friedhofs- und Bestattungsrecht.

Der Friedhof soll verhindern, dass einzelne Hinterbliebene alleine bestimmen, wer Abschied nehmen darf oder nicht. Anlässe für dieses Phänomen der Trauermonopolisierung gibt es reichlich. Klassiker sind Geschwister, die über dem Grab der Eltern alte Rechnungen begleichen oder die Konstellation Ehepartner und Geliebte.

Ist es erlaubt, die Asche Gestorbener in ein SchmuckstĂĽck zu packen?

Wer Überreste seiner Liebsten als Medaillon oder Diamantring bei sich tragen will, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. "Nach Landesbestattungsrecht muss die Asche vollständig in die Urne abgefüllt werden", sagt Stelkens. Das sieht auch der Bundesgerichtshof so (Urteil vom 30. Juni 2015, Az.: 5 STR 71/15). Was tatsächlich unter vollständig zu verstehen ist, sei aber unklar.

Die Asche von Tieren darf zu SchmuckstĂĽcken verarbeitet werden. "Tiere werden als Sache behandelt", begrĂĽndet Gerold Eppler vom Museum fĂĽr Sepulkralkultur in Kassel den Unterschied.

Wer bestimmt ĂĽber die Bestattung?

Das kann jeder zu Lebzeiten tun. Will oder kann jemand nichts regeln, übernehmen meistens Angehörige die sogenannte Totenfürsorge. Diese Aufgabe kann ihnen auch ausdrücklich übertragen werden. Sie entscheiden über Ort und Art der Beisetzung und die Grabgestaltung. Der BGH gesteht ihnen auch das Recht zu, missliebigen Grabschmuck missliebiger Verwandter und Freunde einfach zu entfernen (Urteil vom 26. Februar 2019, Az. VI ZR 272/18).

Recht auf dem Friedhof: Ein Engel auf dem Grabstein ist in der Regel zulässig – zu viel Schmuck kann aber auch wieder entfernt werden.
Recht auf dem Friedhof: Ein Engel auf dem Grabstein ist in der Regel zulässig – zu viel Schmuck kann aber auch wieder entfernt werden. (Quelle: Robert Günther/dpa-tmn-bilder)

Wie soll das sprichwörtliche letzte Hemd aussehen?

Viele Menschen tragen nach Epplers Erfahrung Alltagskleidung oder Sachen, die eine besondere Bedeutung fĂĽr sie haben. Bei der Auswahl gibt es fast keine Grenzen.

Friedhofsordnungen fordern allerdings, dass die Kleidung verrottet. Deshalb sind zum Beispiel Funktionsjacken aus Kunststoffmaterial oder Lackklamotten wenig geeignet. "Sie vergammeln nicht", sagt Eppler. Gleiches gelte fĂĽr Grabbeigaben wie Handys und Schmuck.

Ziehen Gräber mit um?

Die meisten Landesgesetze erlauben eine Umbettung nur unter engen Bedingungen. "Die letzte Ruhe ist da, wo die Verstorbenen liegen", umreiĂźt Stelkens den Grundsatz.

Daraus folgert er, dass möglichst weder Särge umgebettet, noch Urnen von einem Ort zum anderen wandern sollen. Auch dann nicht, wenn die Familie umzieht und die Grabpflege dadurch schwierig wird.

Mit Hund, Katze oder im Ballon zur letzten Ruhe?

Bei manchen Menschen hält die Tierliebe bis ins Grab: Sie können sich zusammen mit ihrem Haustier bestatten lassen. In einigen deutschen Städten gibt es dafür spezielle Mensch-Tier-Friedhöfe. Dort finden Frauchen, Herrchen und ihr Liebling eine gemeinsame Ruhestätte, wie Eppler erläutert. In den Niederlanden ist es möglich, die Asche Verstorbener mit einem Ballon oder Feuerwerkskörper gen Himmel zu schicken. In Deutschland sind solche kreativen Bestattungsformen nicht erlaubt.

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