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Das Rätseln um Putins Top-Militärs geht weiter

Von t-online, mk

Aktualisiert am 25.03.2022Lesedauer: 3 Min.
Kreml veröffentlicht Video: Der Clip sollen beweisen, dass Verteidigungsminister Shoigu noch lebt, doch es gibt Zweifel an den Bildern. (Quelle: t-online)
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Mit einem Video wollte der Kreml Gerüchte um den Verbleib von Verteidigungsminister Schoigu aus der Welt räumen. Doch die Zweifel halten an. Weitere Vertraute Putins sind aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Aus der Welt räumen konnte Kremlsprecher Dmitri Peskow die Gerüchte um den Verbleib des russischen Verteidigungsministers nicht – im Gegenteil. Um zu beweisen, dass Sergej Schoigu nicht nur am Leben, sondern auch noch im Amt ist, zeigte der Kreml am Donnerstag ein kurzes Video, das den 66-Jährigen angeblich in einer virtuellen Ministerrunde mit Präsident Putin zeigt. Doch der Clip heizt die Spekulationen weiter an.


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Seit dem 11. März ist der für das Kriegsdebakel in der Ukraine verantwortliche Minister nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Dabei gilt Schoigu als medienaffin und war seit Kriegsbeginn täglich auf Sendung. Gerüchte über "Herzprobleme" machten die Runde, zu Sowjetzeiten oft ein Hinweis auf den baldigen Abtritt des Betroffenen. Der Gedanke liegt nahe, dass Schoigu bei Kremlchef Wladimir Putin angesichts der Verluste an Menschen und Material seiner Armee in der Ukraine in Ungnade gefallen ist. Davor schützt ihn im Zweifel auch nicht sein Status als Vertrauter und Jagdbegleiter des Präsidenten.

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Bilder von Schoigu offenbar alt

Kein Wunder also, dass ein offenbar fehlerhaftes Beweisvideo mit Schoigu die Spekulationen nicht abstellt. Auf Twitter wurde die vom Kreml veröffentlichte Szene hunderttausendfach geteilt, kommentiert und analysiert:

Die unabhängige russische "Moscow Times" stellte fest: Schoigu ist darauf vor demselben Hintergrund zu sehen wie bei seinem letzten öffentlichen Auftritt am 11. März. Er trug auch dieselbe Kleidung und selbst seine Krawatte bewegte sich in dieselbe Richtung wie auf den alten Bildern. Verwirrung löste auch eine seltsame kurze Schwärzung von Schoigus Bildschirm aus.

Die Bilder sehen Sie hier oder im Video oben im Text.

Das unabhängige russische Portal "Mediazona" deutet die kurze Schwärzung von Schoigus Bildschirm als Trick der TV-Produzenten, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer genau darauf zu lenken, im Sinne von: "Schaut her, da ist er doch." Die Szene mit Schoigu sei mit hoher Wahrscheinlichkeit aus vorherigen Sitzungen des russischen Sicherheitsrates in das aktuelle Programm eingefügt worden, heißt es in der Analyse.

"Wir konnten keinen von ihnen erreichen"

Doch die Liste nicht mehr gesehener Untergebener Putins endet nicht mit Schoigu. Auch Ministerpräsident Michail Mischustin ist seit dem 11. März nicht mehr öffentlich gesehen worden – da nahm der 56-Jährige noch an derselben Runde teil wie Schoigu. Zu Mischustins Verbleib gibt es allerdings nicht mal Gerüchte, geschweige denn offizielle Stellungnahmen. Dabei würde Mischustin laut russischer Verfassung Präsident werden, sollte Machthaber Putin unerwartet ausfallen.

Ebenfalls seit dem 11. März nicht mehr gesehen wurde der Chef des russischen Generalstabs, Waleri Gerassimow. Gerüchte oder Hinweise auf seinen Verbleib? Fehlanzeige. Und eine Mitteilung aus Washington legt jetzt nahe, dass Gerassimow und Schoigu nicht nur aus der Öffentlichkeit verschwunden sind. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und Generalstabschef Mark Milley hätten in den vergangenen zehn Tagen mehrfach versucht, mit Schoigu und Gerassimow zu telefonieren, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Donnerstag am Rande des Nato-Gipfels in Brüssel. "Wir konnten keinen von ihnen erreichen."

Putins Berater Tschubais setzt sich in die Türkei ab

Der frühere US-Admiral und Nato-Oberbefehlshaber James Stavridis sagte dazu der "Washington Post", ohne direkten Kontakt zwischen ranghohen Militärs sei die Eskalationsgefahr groß. "Im Ukraine-Krieg fliegen sehr junge Leute Jets, steuern Kriegsschiffe und führen Kampfhandlungen an. Sie sind keine erfahrenen Diplomaten und ihre Handlungen in der Hitze des Gefechts können missverstanden werden." Er fügte hinzu: "Wir müssen ein Szenario vermeiden, in dem die Nato und Russland schlafwandelnd in den Krieg ziehen, weil hochrangige Anführer nicht zum Hörer greifen und einander erklären können, was passiert."

Das Verschwinden Schoigus und Gerassimows wirkt auch deshalb bedrohlich, weil die beiden über zwei der drei russischen Atomkoffer mit den Abschusscodes für Raketen, Bomber und Atom-U-Boote verfügen. Für einen Abschussbefehl sind die Codes aus zweien der drei Koffer nötig. Über den dritten Koffer verfügt Kremlchef Putin.

Klarheit herrscht dagegen über den Verbleib von Putins Berater Anatoli Tschubais. Der Sonderbeauftragte für Beziehungen zu internationalen Organisationen kündigte am Mittwoch seinen Rücktritt an, angeblich aus Protest gegen den Krieg in der Ukraine. Am Donnerstag tauchte dann ein Foto auf, das Tschubai an einem Geldautomaten in der Türkei zeigen sollte. Kremlsprecher Peskow nannte Tschubais Reise in die Türkei dessen Privatsache. Der 66-Jährige ist die bislang höchstrangige Persönlichkeit in Russland, die seit dem Einmarsch in der Ukraine zurückgetreten ist.

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Von Lisa Becke, Carl Lando Derouaux
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