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Feier der AfD in Königstein: 800 Gegendemonstranten, Eier fliegen


Protest in Königstein
Eier fliegen bei der AfD-Feier zum zehnjährigen Bestehen

Von Sabine Schramek

06.02.2023Lesedauer: 3 Min.
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Demonstranten postieren sich bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen der AfD in Königstein im Taunus.Vergrößern des Bildes
Demonstranten postieren sich bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen der AfD in Königstein im Taunus. (Quelle: Sabine Schramek)

Bis zu 800 Leute protestierten am Montag gegen die Zehn-Jahres-Feier der AfD im Taunus. Besucher der Veranstaltung werden von der Menge ausgepfiffen.

"Nazis raus" und "Ganz Hessen hasst die AfD", rufen die Leute, die eine Menschenkette entlang der Straßen gebildet haben. 300 Teilnehmer erwartet die AfD zum zehnjährigen Bestehen. Aus der Bundespolitik reisen die Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla an, der Landesvorsitzende Robert Lambrou und der Ehrenvorsitzende Alexander Gauland.

Die Veranstaltungsgegner sind empört darüber, dass die AfD hier in Königstein feiert. "Ich bin Demokratin. Sozialdemokratin und seit 1972 in der Gewerkschaft", sagt Linda Godry aus Glashütten. Auf ihrem Plakat steht "Nazis hatten wir schon. Das war Kacke." Serffii (48) ist mit seiner Familie aus der Ukraine vor dem Angriffskrieg Russland gegen die Ukraine geflüchtet. "Wir kommen aus Mariupol. Wir haben mit eigenen Augen gesehen, wie Kinder, Frauen und alte Menschen getötet wurden. So viele. Ich habe es gesehen, meine Frau und meine Kinder. Dass die AfD Putin den Rücken stärkt, geht nicht. Darum sind wir hier. Um zu protestieren", sagt er.

Eier fliegen aus der Menge und treffen Fotografen

Die Polizei hat die Straße, an der das Haus der Begegnung steht, abgesperrt. Sobald ein Teilnehmer der Feier kommt, pfeifen sie mit Trillerpfeifen und buhen die Leute aus. Die AfD-Anhänger reagieren unterschiedlich. Von Kopfschütteln über Stinkefinger, vom Zunge rausstrecken bis zum Ignorieren der protestierenden Menschen. Manche machen Fotos, andere filmen. Plötzlich fliegen zwei Eier aus der Menge der Demonstranten. Gedacht für Teilnehmer der AfD-Veranstaltung, treffen beide Eier Pressefotografen am Rücken und Kopf.

"Ansonsten ist es friedlich", sagt ein Polizeibeamter später. Gitter sind am Straßenrand aufgestellt. Ab und zu gibt es Durchsagen der Polizei, den Bürgersteig für die Teilnehmer der Feier freizuhalten. Die Demonstranten halten sich an die Durchsagen. "Zehn Jahre AfD – für uns ein Grund zu protestieren", lautete der Aufruf vom Landesausländerbeirat, der AWO Hessen-Süd, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Hessen, dem DGB Hessen-Thüringen, den hessischen Naturfreunden und der Landesverband des Zentralrats der Muslime.

Auch "Omas und Opas gegen Rechts" sind dabei. Die AfD wurde am 6. Februar 2013 in Oberursel gegründet. Seit 2017 sitzt die Partei im Bundestag sowie in 15 von 16 Länderparlamenten.

"AfD ist keine demokratische Partei"

"Die AfD ist zwar demokratisch gewählt worden, aber sie ist keine demokratische Partei. Wir sehen eine klare Gefahr für Faschismus mit der AfD und möchten nicht von unseren Enkeln gefragt werden, was wir dagegen getan haben", sagt Jutta Shaikh von "Omas gegen Rechts" aus der Wetterau. Sie seien mit 30 oder 40 Frauen aus der Wetterau, Frankfurt und Wiesbaden angereist. Christoph Degen, Generalsekretär der SPD Hessen, will "ein klares Zeichen gegen rechts setzen". Er warnt, "dass aus Worten Taten werden" und erinnert daran, dass der Lübcke-Mörder Stephan Ernst "sich früher in der AfD engagiert hat".

Pfarrerin Katharina Stoodt-Neuschäfer der evangelischen Immanuel-Kirchengemeinde in Königstein, sagt deutlich: "Die AfD ist in Königstein nicht willkommen." In Königstein hätten 94 Prozent der Wähler "eine demokratische Partei gewählt" und nicht die AfD. Sie verursache Hetzpolitik und wolle "unseren demokratischen Rechtsstaat spalten. Es sind Demokratieschmarotzer", wettert sie. Die AfD könne in Königstein nicht landen, weil sie in einem "krassen Gegensatz zum verpflichtenden Erbe" stünde.

Politiker kommen mit Limousinen und Begleitschutz

Sie erwähnt die Villa Rothschild. "Das Haus der Länder steht hier. Hier wurden 1948 die Grundlagen für die Bundesrepublik Deutschland geschaffen." Stoodt-Neuschäfer bekommt Beifall. Besucher der Veranstaltung werden ausgepfiffen und ausgebuht. Die meisten Demo-Teilnehmer halten sich dort auf, wo die AfD-Veranstaltungsbesucher zu Fuß ankommen.

Die Parteiprominenz fährt mit Limousinen und Begleitschutz von der anderen Straßenseite her zur Veranstaltungshalle und wird dabei von den Demo-Teilnehmern kaum bemerkt. "Menschenrechte statt rechte Menschen" steht auf Plakaten oder "AfD geh Baden", "Liberté, Egalité, FCKAFDÉ" und "Königstein ist bunt statt braun".

Während im Saal die Veranstaltung beginnt, bleiben Demonstranten mit ihren Plakaten vor dem Gebäude. Sie sehen die AfD als "große Bedrohung für die Demokratie", wie immer wieder laut wird.

Verwendete Quellen
  • Recherche vor Ort
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