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Kölnerin geht mit Pferd in der Merheimer Heide Gassi – besonderer Grund


Ungewöhnliches Haustier
Jenny geht mit ihrem Pferd Gassi – mitten durch Köln

Von Martin Henning

24.03.2023Lesedauer: 4 Min.
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An der langen Leine: Jenny Gänge und ihre Stute Nele.Vergrößern des Bildes
An der langen Leine: Jenny Gänge und ihre Stute Nele. (Quelle: Martin Henning)

Jenny Gänge und ihr Pferd Nele sind seit über 20 Jahren unzertrennlich. Weil es mit dem Reiten nicht mehr klappt, hat sich Jenny etwas Besonderes überlegt.

Die Merheimer Heide ist ein beliebter Park im Kölner Osten. Hier kann man grillen, es gibt einen großen Spielplatz für Kinder, Jogger drehen hier entspannt ihre Runden. Und wenn man Glück hat, trifft man hier auch Jenny Gänge und ihre Stute Nele.

Die beiden sieht man aber nicht durch die Heide schlendern. Jenny geht mit Nele Gassi – wie mit einem Hund. Das Pferd an der langen Leine spaziert Jenny durchs Grüne und genießt die Aussicht. "Sie macht ihr Ding. Ich weiß ganz genau, was sie wann vorhat und wann ich sie kürzer nehmen muss. Wir kommen super zurecht", sagt Jenny.

Passanten wollen Fotos mit Nele machen

Wenn die zwei gemeinsam durch die Heide laufen, dauert es nicht lange und sie ernten die ersten erstaunten Blicke. Gassi gehen mit Pferd – das mag auf dem Land normal sein, in einer Millionenstadt wie Köln ist es aber eine Rarität. Eine Hundehalterin sieht Jenny und Nele schon von Weitem und knipst sofort ein Foto.

Daran hat sich Jenny gewöhnt. "Viele Leute wollen Bilder machen und Nele streicheln", sagt sie. Weil ihr linkes Hinterbein es nicht mehr mitmacht, kann die 24 Jahre alte Pferdeoma nicht mehr geritten werden. Deswegen musste ihre Halterin umsatteln. Seit einigen Jahren gehen Jenny und Nele deswegen spazieren – durch die Heide, aber auch mal durch Wohnsiedlungen und zum nahegelegenen Fußballstadion.

Kölnerin Jenny fand ihr Glück beim Pferdehändler

Ihre gemeinsame Geschichte begann vor 21 Jahren. Jenny wollte sich eigentlich einen großen Wallach holen. Doch als sie Nele bei einem Pferdehändler sah, war es Liebe auf den ersten Blick. "Sie stand ganz hinten in der Ecke und hat schon damals diesen Hypnotisierblick gemacht. Den hat sie immer noch. Den liebe ich so an ihr", sagt Jenny und lächelt.

Der Händler habe sie beim Preis total über den Tisch gezogen, erzählt sie. Doch das sei ihr egal gewesen. Jenny fährt nicht mehr in den Urlaub, um jeden Tag bei Nele sein zu können. Auch das Reiten musste sie ihrem Pferd noch beibringen, das hatte der Händler nämlich nicht getan.

Sohn und Stute wachsen gemeinsam auf

Die Stute wächst mit Jennys Sohn Tim auf. Die beiden sind gleich alt. "Nele ist so etwas wie meine Schwester", sagt er. "Meine Mutter und ich sehen Nele wirklich als Teil der Familie und es ist unglaublich, dass sie mich eigentlich schon mein ganzes Leben begleitet. Für mich war immer schon selbstverständlich, auch schon in jungen Jahren, dass Pferde treue Freunde sind."

Gemeinsam stehen Jenny und ihre Stute auch schwere Zeiten durch. Als die beiden eines Tages durch die Natur ritten, erschreckte sich Nele vor einem Vogel, sprang zur Seite und stürzte auf ihre Halterin. Jenny brach sich die Kniescheibe und kam ins Krankenhaus, zwei Wochen konnten sich die beiden nicht sehen.

An das emotionale Wiedersehen erinnert sich Jenny noch ganz genau. "Ich saß im Auto und war wirklich krank. Und sie kam zu mir an die Tür. Das war wirklich schön. Ich musste natürlich auch weinen, das war ja ganz klar. Und ich glaube, Nele war total froh, dass ich wieder da war."

Nele will beschäftigt werden

Kurz danach bemerkte Jenny, dass ihr Pferd körperlich abbaut. "Sie stand in einem Pensionsstall in Köln", erinnert sich die Halterin. "Morgens war sie so lahm, dass man sie fast hätte einschläfern wollen. Sie konnte wochenlang kaum laufen und hat Entzündungshemmer bekommen." Doch die machten es nicht besser. Drei Jahre habe sie gebraucht, um zu akzeptieren, dass sie ihr Pferd nicht mehr reiten könne, sagt Jenny.

Nele ohne Auslauf in einem Stall eingehen zu lassen, kam für ihre Halterin nicht infrage. "Viele verstehen nicht, dass auch ein Pferd immer beschäftigt werden muss. Nele ist klug. Wenn sie den ganzen Tag in der Box oder auf dem Paddock steht, ist sie nicht ausgefüllt", sagt Jenny.

"Sie war immer unter Menschen"

Abstecher zum benachbarten Sportpark Höhenberg. Dort hat Viktoria Köln an diesem Tag ein Heimspiel. Jenny und Nele schauen von außen, wie die Spieler sich auf dem Platz aufwärmen. Auch den Fußballfans, die gerade zum Eingang gehen, fällt das Duo auf. "Man wundert sich schon ein bisschen, aber ich finde Pferde cool. Tiere zu sehen, ist doch immer schön", sagt ein Fan. Ein anderer ergänzt: "Man kann ja auch mit einem Hund spazieren gehen, also wüsste ich nicht, warum man nicht auch mit einem Pferd spazieren gehen kann."

In einer Großstadt einen Stall zu finden, Nele so viel wie möglich zu bieten und das auch mit dem eigenen Alltag in Einklang zu bringen, war für Jenny eine Herausforderung. Pferde sind Fluchttiere. Deswegen achtet sie besonders darauf, was dem Pferd guttut und was nicht. Die zwei gemeinsam auf Achse – das soll noch so lange wie möglich funktionieren.

"Sie war immer unter Menschen, sie war immer mit mir zusammen, sie war immer draußen in der Stadt. Nele braucht aber auch ihre Box als Zufluchtsstätte, da wird sie jetzt freudestrahlend reinrennen", sagt Jenny zum Schluss des Spaziergangs

Verwendete Quellen
  • Reporter vor Ort
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