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Die wahren Hürden der Elektromobilität

18.05.2017, 12:48 Uhr | Jan Schmidt, t-online.de

Kommentar: Die wahren Hürden der Elektromobilität. Tesla hat mit dem Roadster schon vor rund zehn Jahren gezeigt, wie viel Fahrspaß ein Elektroauto bieten kann. (Quelle: Hersteller)

Tesla hat mit dem Roadster schon vor rund zehn Jahren gezeigt, wie viel Fahrspaß ein Elektroauto bieten kann. (Quelle: Hersteller)

Eigentlich ist es ganz einfach: Benzinmotoren verfügen über einen Wirkungsgrad von rund 30 Prozent, Dieselmotoren kommen auf etwa 40 Prozent. Von der zugeführten Energiemenge wird also weniger als die Hälfte in Kraft umgesetzt, der Rest verpufft als Wärme. Zum Vergleich: Elektromotoren kommen selbst in der niedrigsten Effizienzklasse IE1 auf mindestens 90 Prozent.

Ein Kommentar von Jan Schmidt

Sicherlich haben die Verbrennungsmotoren einen spürbaren Fortschritt erfahren und die Effizienz konnte deutlich gesteigert werden. Die Verbrauchswerte sind stetig gesunken. Nach wie vor verbrauchen Motoren allerdings fossile Brennstoffe. Um genau zu sein: Erdöl. Diesen Energieträger verdanken wir der über Millionen von Jahren stattgefundenen Entwicklung unseres Planeten.

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Spätestens seit der Industrialisierung betreibt die Menschheit einen Raubbau an der eigenen Lebensgrundlage. Innerhalb von wenigen hundert Jahren verbrennen wir nahezu alles, was unsere Erde zu bieten hat. 

Wie stark ist das Interesse an der Energiewende?

Die Energiewende ist überfällig. Doch das Tempo mit dem diese in Angriff genommen wird, ist nur dann verständlich, wenn man die Machtverhältnisse berücksichtigt. Die Lobby für Gesundheit und Umwelt erscheint chancenlos gegen die der Öl-, Gas-, Kohle- und Atomindustrie. Einzelne Personen und Konzerne profitieren davon, dass wir uns weiterhin in Abhängigkeit von fossilen Energieträgern befinden. Solange das Öl und mit ihm die Gewinne sprudeln, wird sich daran wenig ändern.

Das zeigt sich exemplarisch beim Abgasskandal, der seinen Anfang bei Volkswagen nahm und der mit der Zeit immer mehr Hersteller betrifft. Die Autobauer konzentrierten sich bei der Erfüllung der vereinbarten Emissionsziele auf theoretische Werte. Seitdem diese Werte mit der Praxis verglichen werden, offenbart sich der Betrug an der Menschheit und der Umwelt.

Wer ist stärker – die Politik oder die Industrie?

Nun kann man sich fragen, wie der Abgasskandal derart ausufern konnte. Die Antwort darauf liegt in den komplexen Machtstrukturen unserer Gesellschaft. Wer – wie Herr Ferdinand Dudenhöffer – glaubt, dass allein die Politik dafür verantwortlich sei, der irrt. Vielmehr ist es die relative Machtlosigkeit der Politik. Angela Merkel hat auch noch in jüngster Zeit auf die Vorteile des Dieselmotors hingewiesen, um die gesteckten Klimaziele zu erreichen. Wenn eine promovierte Naturwissenschaftlerin – wie unsere Bundeskanzlerin – dies tut, dann ist die Nähe zur Realität scheinbar nicht sonderlich hoch. 

Dagegen scheint die Nähe zu einer der stärksten Lobbys offensichtlich zu sein. Gerade im Autoland Deutschland ist die Macht der Autoindustrie groß. Wie stark die deutsche Autolobby auch in der Europäischen Union ist, zeigt die Einflussnahme der Bundesregierung bei diversen Gesetzesvorhaben.

Die Lobby der regenerativen Energien ist zu schwach

Zwar macht die Elektromobilität selbst beim derzeitigen Energiemix Sinn, doch das eigentliche Potential der elektrischen Fortbewegung liegt in der Nutzung regenerativer Energien. Schließlich wird die Sonne noch eine Weile scheinen, Wind wehen, Flüsse fließen und auch die Gezeiten werden uns und weitere Generationen begleiten.

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Das Problem liegt wohl darin, dass es der dezentrale (keine Ölquellen, Pipelines oder riesigen Kraftwerke) Betrieb schwer macht, eine Lobby zu formen, die diese Interessen annähernd so stark vertreten könnte, wie es den etablierten Lobbyisten möglich ist. Statt großer Gewinne stehen nämlich zunächst große Investitionen an.

Der Mehrwert für unsere Gesellschaft und nachfolgende Generationen liegt darin, dass wir endlich nachhaltig Energie gewinnen würden. Das würde allerdings die bestehenden Machtverhältnisse sprengen. Sicherlich hätte die gesamte Menschheit etwas davon, doch die Profitgier einzelner Eliten wäre damit nur schwer zu stillen.

Stromspeicher sind das kleinste Problem

Dagegen sind die Herausforderungen, die die Speicherung der Energie mit sich bringen, überschaubar. Schließlich hat etwa der Elektroauto-Pionier Tesla schon vor fast zehn Jahren sein erstes Serienmodell vorgestellt. Mit 6831 handelsüblichen Lithium-Ionen-Zellen, wie sie auch für Laptops verwendet werden, kam der Tesla Roadster schon damals bis zu 500 Kilometer weit.

Doch auch andere Möglichkeiten der Energiespeicherung bieten sich an und werden sich in absehbarer Zeit ergeben. Selbst wenn zunächst noch Verbrennungsmotoren in die Mobilität einbezogen werden, so lässt sich die Effizienz mithilfe von Elektromotoren deutlich steigern.

Hybridmodelle wie der Prius von Toyota zeigen seit nunmehr zwanzig Jahren, welches Potenzial in der Elektrifizierung der Antriebstechnik schlummert. Das beste Beispiel ist die negative Beschleunigung, also das Bremsen. Während konventionell angetriebene Fahrzeuge dabei lediglich Bremsbeläge und -scheiben abnutzen, können elektrifizierte Fahrzeuge diese Energie nutzen, die Batterie auffüllen und damit die Reichweite verlängern.

Fällt der Industrie die eigene Macht bald auf die Füße?

Bleibt zu hoffen, dass die Energiewende und mit ihr die Elektromobilität endlich an Fahrt aufnehmen. Sie muss sich gegen die bestehenden Widerstände durchsetzen. Die Autoindustrie muss sich endlich auf die Entwicklung der Elektromobilität konzentrieren. Stattdessen hat beispielsweise VW jüngst verlauten lassen, dass in den nächsten fünf Jahren mehr Geld in Verbrennungsmotoren investiert wird, als in den Elektroantrieb.

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Durch den Wegfall der aufwendigen Verbrennungstechnik sinken auch die Markteintrittsbarrieren für neue Akteure auf der Autobühne. Wenn die Industrie nicht bald umschaltet, ist der Ast – an dem sie längst sägt – bald nicht mehr tragfähig. Dann hat sie sich selbst überflüssig gemacht.

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