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Smart-Meter: Strom-Revolution oder Überwachungsinstrument?

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Ab 2020 werden sie Pflicht  

Wie smarte Stromzähler Kunden überwachen

20.09.2017, 16:47 Uhr | Robert Kern, t-online.de

Smart-Meter: Strom-Revolution oder Überwachungsinstrument?. Der Smart Meter von Fresh Energy liefert die Stromverbrauchswerte über das Internet. (Quelle: t-online.de/rk)

Der Smart Meter von Fresh Energy liefert die Stromverbrauchswerte über das Internet. (Quelle: rk/t-online.de)

Das Berliner Startup "Fresh Energy" verspricht smarten Ökostrom. Die Kunden zahlen jeden Monat nur das, was sie verbrauchen, ohne Abschlag und Nachzahlung. Doch mit den Daten, die sich mit smarten Systemen auslesen lassen, werden Kunden gläsern. 

Fresh Energy ist der erste Stromanbieter, der sich laut eigener Aussage freut, wenn die Kunden möglichst wenig Strom verbrauchen. Dafür reicht das junge Unternehmen Ökostrom aus Wasserkraft vom Lieferanten „eprimo“ an Nutzer weiter.

Das eigentliche Produkt von "Fresh Energie" ist die Transparenz des Verbrauchs, dieser wird mit einem intelligentem Stromzähler ("Smart Meter") gemessen. Auf der Homepage von Fresh Energy können Interessenten ihre Postleitzahl und den Jahresverbrauch angeben und sie erhalten einen durchschnittlichen monatlichen Abschlag als Schätzung. So weit, so bekannt.

Nur bezahlen was man tatsächlich verbraucht

Der Ökostrom von eprimo über Fresh Energy ist nicht viel günstiger als anderer Anbieter. Es gibt keine Garantie, dass es Preiserhöhungen nicht geben wird, versprochen werden aber kostendeckende Tarife.

Die Fresh-Energy-Gründer Daniel von Gärtner und Dr.-Ing. Christian Bogatu (Quelle: t-online.de/rk)Die Fresh-Energy-Gründer Daniel von Gärtner und Dr.-Ing. Christian Bogatu (Quelle: rk/t-online.de)

In einem Interview Anfang  2017 dachte Gründer Daniel von Gärtner laut darüber nach, Strom in Zukunft gratis anzubieten. „Durch einen immer größeren Anteil an erneuerbaren Energien im Netz, werden die Strompreise weiter sinken. Zurzeit werden diese niedrigen Strompreise jedoch nicht an Stromkunden weitergegeben.“

Kunden wird bis jetzt jeden Monat eine verbrauchsabhängige Rechnung. Dafür wird ein smarter Stromzähler („Smart Meter“) installiert, der sich mit dem Router und dem Internet verbindet. Die erfassten Daten werden in einer App und auf einer Webseite gespeichert und angezeigt.

Laut Fresh Energy lassen sich damit „zuverlässig die großen Verbraucher eines Haushalts erkennen. Dazu gehören starke Stromverbraucher, wie Durchlauferhitzer, Kühlschrank, Herd, Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine und Beleuchtung.“

Große Probleme mit dem Datenschutz

Das Problem dieses Angebots ist der Datenschutz: Jede Sekunde werden Verbrauchswerte aufgenommen und gespeichert, vom Messstellenbetreiber „Discovergy“, von eprimo als Lieferant und "Fresh Energy". Die Analyse der anonymisierten Daten, die keine Rückschlüsse auf Personen möglich machen soll, macht das US-Unternehmen Bidgely.

Haushaltsgeräte haben ein bestimmtes "Verbrauchsmuster", mit dem ihr Stromverbrauch festgestellt werden kann. In der App können Kunden in Echtzeit verfolgen, wann der Kühlschrank anspringt oder das Waschprogramm beim Schleudern angekommen ist. Das Verhalten gleichen Algorithmen mit anderen Haushaltsgeräten ab und können so den Verbraucher markieren. Die Genauigkeit nimmt dabei mit der Zeit zu.

Wenn ein alter Kühlschrank besonders viel Strom frisst, schlägt die App vor, das Gerät durch ein sparsameres auszutauschen. Dieses Wissen über den Kaufbedarf eines Kunden sind sehr wertvoll.

Verbrauchsgüter im Spar-Abo

Über Fresh Energy sollen in Zukunft auch Abos von Verbrauchsgütern abgeschlossen werden können. Zum Beispiel liegt damit nachdem die Spülmaschine 28 mal lief, automatisch die nächste 30er Packung Tabs in der Post – wahrscheinlich günstiger als im Einzelhandel. Für Kaffee und Waschmittel sind ebenfalls Abos denkbar. Dafür führt Fresh Energy bereits Gespräche, erklären die Gründer im Gespräch mit t-online.de.  

Stromkunden werden "gläsern"

Fresh Energy verspricht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen volle Transparanz, Gesetzmäßigkeit und Sorgfalt im Umgang mit den erhobenen Daten. Diese sind sehr sensibel, denn aus dem Verhalten der Kunden lassen sich umfangreiche Profile und Abläufe rekonstruieren.

Einer Studie von 2011 zufolge lösen Smart Meter so fein auf, dass aus dem schwankenden Verbrauch die Einschaltzeit des Fernsehers und sogar das Programm herausgelesen werden kann. Wann ist jemand zuhause? Wie viel Kaffee trinken Sie täglich? Das lässt sich mit einem Smart Meter mühelos messen.

Per Gesetz zum "Smart Meter" verpflichtet

Ab 2017 sind gewerbliche Großkunden, die mehr als 10 000 Kilowatstunden (kWh) Strom pro Jahr verbrauchen, per Gesetz zum Einbau von Smart Metern verpflichtet. Für Privathaushalte folgt der Zwang zur Umrüstung erst 2020. Privatkunden mit einem Verbrauch zwischen 6 000 und 10 000 kWh sind ab dann zum Einbau verpflichtet.

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