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Großeltern: Gemeinsame Erlebnisse prägen Beziehung zu den Enkeln

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Großeltern  

Gemeinsame Erlebnisse prägen die Beziehung zu den Enkeln

26.08.2014, 14:45 Uhr | Vivien Leue, dpa

Großeltern: Gemeinsame Erlebnisse prägen Beziehung zu den Enkeln. Großeltern: Mit Opa die Welt entdecken - gemeinsame Erlebnisse stärken die Bindung zwischen Großeltern und Enkeln. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mit Opa die Welt entdecken - gemeinsame Erlebnisse stärken die Bindung zwischen Großeltern und Enkeln. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Großeltern haben manchmal einen volleren Terminkalender als ihre Kinder. Der Beziehung zu ihren Enkeln muss das aber keinen Abbruch tun. Denn die gemeinsamen Erlebnisse sind entscheidend - und nicht die Häufigkeit der Besuche.

Beim Gedanken an die Großeltern wird vielen Menschen warm ums Herz. Bilder von der Oma, mit der man zusammen einen Kuchen backt, oder vom Opa, der stundenlang die elektrische Eisenbahn aufbaut, tauchen in der Erinnerung auf. Die Großeltern schienen endlos Zeit zu haben für ihre Enkel. Und heute? Verwundert stellen viele Jung-Eltern fest: Die eigenen Eltern sind ganz schön aktiv. Teilweise arbeiten sie noch, haben Termine, Hobbys, sind auf Reisen oder abends im Theater. Nicht immer kann Oma als Babysitter einspringen oder unter der Woche die Kita ersetzen.

Gemeinsame Erlebnisse mit Enkeln

Die Beziehung zu den Enkeln muss darunter aber nicht leiden. Denn Pädagogen sagen: Hier geht es um Qualität und nicht um Quantität. Das Geschichtenerzählen, das gemeinsame "Mensch-Ärgere-Dich-Nicht"-Spielen oder die Bastelstunden zu Ostern und Weihnachten - diese gemeinsamen Erlebnisse schweißen zusammen, auch wenn sie nicht im wöchentlichen Rhythmus stattfänden, sagt Erziehungswissenschaftlerin Roswitha Sommer-Himmel von der Evangelischen Hochschule Nürnberg. "Etwas miteinander zu tun, was man nicht mit Mama oder Papa macht, das verbindet." Das könne das gemeinsame Kekse backen sein, wofür nur die Oma Zeit hat. "Man darf die Beziehung der Enkel zu ihren Großeltern nicht auf die Quantität reduzieren", sagt Sommer-Himmel. So könnten auch Großeltern, die viele Autostunden entfernt von ihren Enkeln leben, eine innige Beziehung zur jüngsten Generation aufbauen.

Gute Großeltern-Enkel-Beziehung

Schaut man in die Statistiken, zeichnet sich aber ohnehin ein recht positives Bild der heutigen Großeltern-Enkel-Beziehungen ab. Zwar sind einige Großeltern noch im Job aktiv, andere leben weit entfernt und wieder andere sind ständig auf Achse. Aber mit einem ähnlichen Engagement kümmern sich die sogenannten "Best Ager" auch um den Nachwuchs. "Aus der Sicht einiger Eltern scheint es wahrscheinlich so, als seien die Großeltern heute weniger da für ihre Enkel", sagt der Alterswissenschaftler Harald Künemund von der Universität Vechta. "Aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive sieht das aber anders aus." Großeltern lebten heute länger und hätten deshalb mehr Zeit mit ihren Enkeln, sagt Künemund. Außerdem steige die Anzahl an Patchwork-Familien mit mehr als zwei Großeltern-Paaren. Gleichzeitig nehme die Anzahl der Enkel ab.

Großeltern prägen das Leben der Enkel

Dass die heutigen Enkel sogar mehr von ihren Großeltern haben als frühere Generationen, zeigte 2010 das Generationen-Barometer des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Forums "Familie Stark Machen". Knapp zwei Drittel der 16- bis 29-Jährigen gaben an, die Großeltern hätten sie geprägt oder sie hätten etwas von ihnen gelernt. Bei den Über-60-Jährigen sagten das noch nicht einmal die Hälfte. 21 Prozent von ihnen hatten ihre Großeltern auch gar nicht mehr kennengelernt, während das nur bei fünf Prozent der 16- bis 29-Jährigen zutraf.

Mehr Familienharmonie

Der Pädagoge und Sozialwissenschaftler Walter Bien vom DJI ist überzeugt: "Das Verhältnis zwischen Großeltern und Enkeln ist heute inniger als jemals zuvor, auch weil die Beziehungen zwischen Alt und Jung weniger durch äußere Zwänge belastet sind." Dazu trage bei, dass nicht alle unter einem Dach leben: "Die Formel für die neue Familienharmonie lautet 'Intimität auf Distanz'", sagt Bien. Wichtig sei, jemanden zu haben, auf den man sich in potenziellen Notfällen verlassen kann. Gibt es dagegen Konflikte, könne sich jeder in sein eigenes Zuhause zurückziehen.

Das letzte Wort haben die Eltern

Da die Beziehung zu den Großeltern eine ganz Besondere ist, dürfen Oma und Opa ruhig auch weniger streng sein. In die Erziehung der Enkel sollten sie sich jedoch nicht einmischen. Da bleiben die Eltern hauptverantwortlich. "Dieses Problem gibt es in vielen Familien", sagt Diplom-Psychologe Ralf Martin aus Berlin. Auch wenn sie natürlich eigene Vorstellungen verfolgten, sollten Großeltern bestimmte Regeln beachten. "Sonst kann es im schlimmsten Fall zu einem Zerwürfnis kommen, und dann sieht man seine Enkelkinder gar nicht mehr."

Wichtig sei, dass Großeltern die Eltern als die Hauptverantwortlichen in der Erziehung der Enkel anerkennen. "Regeln, die die Eltern aufstellen, dürfen nicht bewusst unterlaufen werden." So müsse zwar nicht jede Kleinigkeit abgesprochen werden. "Dennoch kann es hilfreich sein, sich über die Regeln der Eltern zu informieren, damit in grundsätzlichen Fragen Klarheit herrscht."

Kompromisse gemeinsam finden

Großeltern, die mit den aufgestellten Regeln allerdings überhaupt nicht einverstanden sind, sollten die Eltern direkt - aber möglichst diplomatisch - darauf ansprechen und eventuell Ausnahmeregelungen aushandeln wie zum Beispiel: "Bei Euch darf das Kind gar kein Fernsehen schauen, bei uns maximal eine halbe Stunde'". Diese Regeln müssten von beiden Seiten akzeptiert werden. Und dem Kind muss klar sein, dass die unterschiedlichen Regeln an unterschiedlichen Orten gelten."

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