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Schwul und trotzdem Vater: Ich habe meine Frau nie betrogen

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Andreas  

Ich habe meine Frau nie betrogen – weder mit einer Frau noch mit einem Mann

29.04.2015, 11:29 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Zunächst hielten Andreas und seine Ex-Frau es nur für das verflixte siebte Jahr ihrer Ehe. Aber im Laufe einer Eheberatung wurde dem damals 38-Jährigen bewusst, dass er sich eigentlich zu Männern hingezogen fühlt. Was seine Frau zunächst für einen Scherz hielt, hat sich heute zu einem modernen Modell entwickelt. Eine Patchworkfamilie der besonderen Art.

Wie sieht Ihr Leben heute aus?

Sowohl meine Ex-Frau als auch ich, wir haben beide wieder geheiratet - beide einen Mann. Inzwischen hat sich alles entspannt und wir sind mit der gefundenen Lösung sehr glücklich. Auch unsere Kinder, sowohl die beiden meines Mannes als auch meine Tochter, scheinen sich sehr wohl zu fühlen bei uns.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Ihnen bewusst wurde, dass Sie offen mit Ihrer Homosexualität umgehen möchten beziehungsweise umgehen müssen?

Zunächst hilflos, überfordert und einsam, weil ich dachte, ich wäre der einzige Mann, dem so etwas passiert. Trotzdem wusste ich, dass dies der einzige - für mich - richtige Weg ist. Dass es wichtig ist, ehrlich zu sich und anderen zu sein, auch wenn es schmerzt und dadurch vertraute Bande brechen. Ich musste mein Leben neu organisieren und mich vielen Herausforderungen stellen, die es in dem Modell "Vater-Mutter-Kind" nicht gegeben hätte.

Haben Sie versucht, sich Hilfe von außen zu holen?

Ich habe mehrere Beratungsstellen aufgesucht, aber die waren dort nahezu genauso hilflos wie ich. Über meinen Mann habe ich die Selbsthilfegruppen der "Schwulen Väter" kennengelernt. Dort zeigte sich dann, dass ich nicht alleine mit meinem Schicksal bin, sondern es viel mehr schwule Väter gibt, als man sich vorstellen würde.

Wie hat Ihre Frau reagiert auf Ihr Coming-out?

Mir wurde im Rahmen der Eheberatung bei der Sitzung mit der Therapeutin bewusst, dass unsere Beziehung keine Zukunft mehr hat und ich versuchen wollte, eine "Vater-Vater-Kind"-Beziehung mit einem Mann zu leben. Meine Ex-Frau konnte es zuerst nicht glauben und hielt das Ganze für einen Scherz. Als ihr klar wurde, dass es mein voller Ernst ist, da war sie wirklich geschockt. Innerhalb von sechs Wochen haben wir alles geregelt und sie zog mit unserer Tochter aus.

Wie haben Sie sich bei und nach dem entscheidenden Gespräch gefühlt?

Ich hatte das Gefühl, ich falle. Spürte eine Art Luftzug an meinen Beinen. Dann gab es noch ein weiteres Gefühl, das ich hatte, als wir von der Therapiesitzung nach Hause fuhren. Es war, als würde ich zerfallen in viele kleine Teile, die sich langsam wieder zusammensetzten. Dabei ist aber ein Teil nicht mehr in das Gesamtgebilde aufgenommen worden und das war das Puzzleteil für meine Ex-Frau.

Glauben Sie, es wäre für Ihre damalige Frau einfacher gewesen, wenn eine andere Frau im Spiel gewesen wäre?

Zum Zeitpunkt meines Outings hatte ich mich weder verliebt, noch war ich mit einem Mann zusammen. Ich hatte sie auch während unserer Ehe weder mit einem Mann noch mit einer Frau betrogen. Aber grundsätzlich glaube ich schon, dass es einen Unterschied gemacht hätte. Sie hat mir einmal gesagt, dass sie so ja gar keine Chance mehr gehabt habe, um mich zu kämpfen.

Ihre Tochter war damals drei Jahre alt. Wie hat sie reagiert?

Wenn die Kleine mir damals Fragen gestellt hat, dann habe ich ihr immer wahrheitsgemäß geantwortet. Sie wusste, dass wir uns trennen, weil ich mit einem Mann zusammenleben möchte. Letztendlich war sie genauso traurig wie jedes andere Kind bei einer Trennung seiner Eltern - aber ich habe ihr auch eine Erleichterung angemerkt, denn die Streitereien in der letzten Phase unserer Beziehung, vor der Eheberatung, die haben sie auch belastet. Sowohl meiner Ex-Frau als auch mir war sehr wichtig, dass unsere Tochter nicht leidet und das haben wir gut hinbekommen. Lena war seit der Trennung in regelmäßigen Abständen bei mir und hat 2008 sogar für mehrere Monate bei uns gelebt.

Wie geht das Mädchen heute, mit 18, mit der Situation um?

Natürlich ist die Welt meiner Ex-Frau eine andere als meine. Aber meine Tochter kommt gut damit klar. Bei der Hochzeit meines Mannes und mir hat sie sogar eine lustig-bewegende Rede gehalten, was uns sehr berührt hat. Wir werden zu ihrem Abiturball gehen, fahren gemeinsam mit ihr und ihrem Freund in den Urlaub und erst gestern haben die beiden in unserer Küche Spritzgebäck für Weihnachten zubereitet.

Wann haben Sie Ihr weiteres Umfeld eingeweiht?

Meiner Mutter habe ich es bereits kurz nach meiner Frau gesagt. Sie war entsetzt und sagte mir, dass ihr etwas Schlimmeres in ihrem Leben noch nicht passiert sei. Leider konnte ich ihr zu diesem Zeitpunkt keinen Trost spenden, denn es war mir wichtig, dass sie es wusste. Wir hatten circa sechs Monate ein etwas angespanntes Verhältnis und das Thema Männer in meinem Leben war kein Gesprächsthema.

Das änderte sich schlagartig, als mein jetziger Mann in mein Leben trat. Seitdem hat sich das Verhältnis wieder gebessert und er ist, so sagt sie, ihr Lieblingsschwiegersohn. Die Eltern meines Mannes haben sich aber leider seit seinem Outing von ihm abgewandt. Was die anderen Familienmitglieder angeht: Die habe ich immer dann eingeweiht, wenn der Zeitpunkt passend war. Das hat sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Aber unser Leben ist sowieso mehr über die Kontakte zu Freunden bestimmt.

Sie sind in leitender Funktion im öffentlichen Dienst tätig - wie hat ihr berufliches Umfeld reagiert?

Ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht. Sogar meine Chefs haben mich nach Kenntnis meiner Homosexualität weiter gefördert. Mein jetziger Chef, der übrigens gut katholisch ist, hat uns ein sehr schönes und großzügiges Hochzeitsgeschenk gemacht.

Wie geht es Ihnen heute mit Ihrer Entscheidung?

Die Entscheidung, diesen Weg einzuschlagen, war die beste Entscheidung meines Lebens. Mehr muss man, glaube ich, nicht dazu sagen.

Weiter geht es mit der Geschichte von Marion, deren Mann jahrelang ein Doppelleben führte.

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