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Jesper Juul: Was Eltern von Wölfen lernen können

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Neuer Erziehungsratgeber von Jesper Juul  

Was Eltern von Wölfen lernen können

08.02.2016, 18:37 Uhr | Tanja Zech, t-online.de

Jesper Juul: Was Eltern von Wölfen lernen können. Jesper Juul motiviert Eltern dazu, Leitwölfe für ihre Kinder zu sein. (Quelle: Cover: Beltz Verlag/Porträt: imago/Future Image)

Jesper Juul motiviert Eltern dazu, Leitwölfe für ihre Kinder zu sein. (Quelle: Cover: Beltz Verlag/Porträt: imago/Future Image)

Eltern stecken heutzutage in einer Führungskrise, findet Jesper Juul. In seinem neuen Buch regt der dänische Familientherapeut Eltern an, sich bei der Erziehung an tierischen Vorbildern zu orientieren – und das ist gar nicht so abwegig. 

"Kinder brauchen Eltern als Leitwölfe, damit sie sich im Dickicht des Lebens zurechtfinden", schreibt Juul. Er rechnet sowohl mit dem autoritären Patriarch als auch mit der überfürsorglichen Helikopter-Mutter ab. Beide taugen nicht, um Kinder für die Anforderungen der heutigen Gesellschaft stark zu machen und sie zu Persönlichkeiten mit Selbstwertgefühl heranreifen zu lassen. 

Doch was können Eltern von Wölfen lernen? Für Rudeltiere ist  ein verlässliches Leittier und Zusammenhalt der Gruppe überlebenswichtig. Sobald das Leittier schwächelt, unklare Signale sendet und keine Sicherheit mehr bieten kann, entstehen Konflikte. Schließlich werden andere Rudelmitglieder ihm die Führung streitig machen. Das ist – stark vereinfacht ausgedrückt – was passiert, wenn Kinder beginnen, ihren Eltern auf der Nase herumzutanzen. 

Tägliche Machtkämpfe um Zähneputzen, Anziehen, pünktlich Fertigwerden oder Schlafengehen sind für Juul klare Zeichen elterlicher Führungsschwäche.

Wie Eltern zu Leitwölfen werden

Leitwölfe zu sein, fordert Müttern und Vätern einiges ab. Juuls neues Buch liefert keine Erziehungsmethode, die sich Eltern Schritt für Schritt aneignen können, bis das Kind "funktioniert". Der Weg zur "liebevollen Führung in der Familie" erforder eine intensive, garantiert oft anstrengende, wenn nicht schmerzhafte Selbstreflexion. 

Juuls Grundprinzip ist aus seinen früheren Büchern bekannt: Eltern sollten eine "gleichwürdige" Beziehung zu ihren Kindern pflegen. Nicht zu verwechseln mit "gleichberechtigt", denn das könnten Kinder mangels Lebenserfahrung nie sein. 

Die Basis für eine gute Führung und eine, gesunde, vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern und Kindern sind laut Jesper Juul:

  • persönliche Autorität
  • persönliche Verantwortung
  • Authentizität
  • Selbstwertgefühl
  • Bereitschaft von den Kindern zu lernen

Keine Rolle spielen, sondern authentisch sein

Wie wollen wir als Eltern sein? Diese Frage beschäftigt viele junge Elternpaare, insbesondere jene, die am eigenen Leib einen bevormundenden Erziehungsstil erlebt haben und es nun anders machen wollen. Aber auch konfliktscheue, nachgiebige Eltern schaden ihren Kindern.

Der Familientherapeut beklagt, dass viele Männer und Frauen beginnen, eine Rolle zu spielen, sobald sie Kinder bekommen. Das reicht von übermäßiger Strenge bis zum säuselnden Tonfall, den Eltern weit über das Babyalter ihres Sprösslings beibehalten. Zum einen verstellt dieser Filter den Blick auf die Persönlichkeit des Kindes, zum anderen wird dieses die Rolle schnell durchschauen. Für Juul ist Authentizität die Voraussetzung für jede respekt- und vertrauensvolle Beziehung.

Bloß nicht für die Kinder aufopfern

Ein guter Leitwolf wahre sowohl die Integrität der Geführten, als auch die eigene, sagt Juul und warnt insbesondere Mütter vor Selbstaufopferung. Die eigenen Bedürfnisse zu opfern, sei kein Liebesbeweis, sondern münde in Unzufriedenheit. Das beeinflusse die ganze Familie negativ. Außerdem vermittele dies sowohl Töchtern als auch Söhnen ein fragwürdiges Rollenvorbild. 

Ein wichtiger Denkanstoß ist, dass Eltern ihre eigenen Grenzen erkennen und formulieren sollten, statt ihren Kindern Grenzen zu setzen. "Als ob Regeln für Kinder persönliche Grenzen ersetzen könnten", gibt Juul zu bedenken. 

Eltern müssen Kinder auch mal zurückweisen

Er schildert das Beispiel einer Mutter, deren Tochter sich jeden Abend sträubte, ins Bett zu gehen. Die Mutter sehnte sich nach Zeit für sich, wollte aber nicht, dass sich das Kind abgelehnt fühlt. Ausweg aus dem Konflikt: Eltern müssen entscheiden, was ihnen in dieser Situation wichtiger ist – "Kinderzeit" oder "Erwachsenenzeit". Und dann eine deutliche Ansage machen, in der sie das wachsweiche "ich möchte" durch ein klares "ich will" ersetzen.

Noch eine Juulsche Lernaufgabe für Eltern: Es ist gut und wichtig, Kinder zu fragen, was sie wollen. Aber das bedeutet nicht, dass sie es deshalb auch bekommen müssen. Entweder grenzen die Eltern die Auswahlmöglichkeiten von vornherein ein, oder sie stellen unmissverständlich klar, warum der Wunsch nicht erfüllt werden kann.

Führung nicht mit Macht verwechseln 

Der Familientherapeut bettet seine Gedanken zur Führung in der Familie in einen breiten gesellschaftlichen Kontext ein. Er erklärt, wie das Bröckeln autoritärer Führungsstrukturen in Politik und Arbeitswelt, Emanzipation der Frauen und das neue Selbstverständnis der Väter die Erziehung verändert haben. Gleichwohl seien Eltern unsicher, zwischen "Zucht und Ordnung" und antiautoritärer Erziehung einen neuen Weg zu finden. 

Die größte Herausforderung besteht allerdings darin, bei Konflikten mit dem Kind nicht in alte Muster zurückzufallen, zum Beispiel Erziehung durch Belohnung und Bestrafung. Eine Methode, die Juul als Manipulation verurteilt.

Verwöhnte Söhne und zu nette Töchter

Ebenso legt er den Finger in die Wunde, dass moderne Väter und Mütter die alten Rollenmuster noch nicht abgeschüttelt haben. Das gilt sowohl in der Beziehung zueinander als als in der Erziehung der Kinder.

Durch Verwöhnen, Beschützen, Bedienen und Bewundern erziehen manche Mütter ihre Söhne "zu der Sorte Männer, die sie für ihre Töchter furchtbar fänden." Ihre Töchter wiederum sollten Mütter vor dem "Nette-Mädchen-Syndrom" bewahren. 

Vision für eine bessere Gesellschaft

Jesper Juul formuliert in seinem "Leitwölfe"-Buch eine Vision für die Gesellschaft: Wenn sich in den Familien eine bessere Führungskultur etabliert, lassen sich die Lebensbedingungen für alle verbessern. Für Eltern gelte wie für Manager und Politiker: Führung darf nicht mit Macht verwechselt werden. 

Buchtipp: Jesper Juul, "Leitwölfe sein. Liebevolle Führung in der Familie".

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