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Sexueller Missbrauch: Von den eigenen Eltern als Ware angeboten

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Sexueller Missbrauch  

Von den eigenen Eltern wie eine Ware angeboten

27.03.2015, 13:14 Uhr | Claudia Kornmeier, t-online.de, dpa

Sexueller Missbrauch: Von den eigenen Eltern als Ware angeboten. Missbrauchte Kinder haben Angst, sich anderen anzuvertrauen und Hilfe zu suchen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Missbrauchte Kinder haben oft Angst, sich anderen anzuvertrauen und Hilfe zu suchen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Mutter bietet ihre Tochter gegen Geld für Sex an. Schon die Vorstellung ist kaum erträglich, und das betroffene Kind muss ein ganzes Leben lang mit der seelischen Verletzung leben. So ein Fall wird derzeit vor dem Landgericht Magdeburg verhandelt. Was geht in Eltern vor, die dazu in der Lage sind? Experten von Kinderschutzverbänden und von der Polizei liefern Erklärungsansätze.

Angeklagt ist eine 35-Jährige, die ihre minderjährige Tochter und ihre damals 15-jährige Schwester gegen Geld für Sex-Dienste angeboten haben soll. Solche Fälle sind selten und für Ermittler besonders schwierig aufzudecken.

"Gestörte Beziehung zum Kind"

Wenn Eltern so etwas tun, müssen natürliche Schutzinstinkte versagt haben. "Für so ein Verhalten gibt es nicht den einen Grund", sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Cordula Lasner-Tietze. Es passiere beispielsweise, wenn die Mutter oder der Vater selbst labil oder psychisch krank sind und deshalb die Folgen ihres Verhaltens nicht durchschauten. Sofern Eltern selbst als Kind in einer ähnlichen Situation gewesen seien, könnten sie eventuell gar nichts Verwerfliches darin finden.

Eltern, die zu so etwas in der Lage sind, hätten eine gestörte Beziehung zu ihrem Kind, urteilt Julia von Weiler vom Kinderschutzverein "Innocence in Danger" und fügt hinzu: "Das schließt nicht aus, dass es liebevolle Momente gibt."

Missbrauch geschieht oft im Bekanntenkreis

Meist geschehe Missbrauch unentgeltlich und ohne Vermittler, sagt Holger Kind vom Bundeskriminalamt. In den vergangenen 20 Jahren sei ihm nur wenige Male etwas Vergleichbares bekannt geworden. In einem Fall sei ein Kind über einen Online-Handelsplatz angeboten worden, dahinter steckten manchmal aber auch Betrüger. Von Weiler kennt auch Fälle, in denen Kinder innerhalb eines Freundeskreises herumgereicht wurden. Die Verwandtschaft zwischen Täter und Opfer macht es für die Ermittler nicht einfacher.

Dass Eltern ihren Nachwuchs wie eine Ware anbieten, sei sehr degradierend und erhöhe für die Kinder die Hemmschwelle, über den Missbrauch zu reden, erklärt Psychologin Weiler. "Außerdem schwingt die Angst mit, auch in den Augen des Menschen, dem man von dem Missbrauch erzählt, zur Ware zu werden." Dem Kriminalisten zufolge zieht sich der Missbrauch dann meist über mehrere Jahre hin und wird oft erst von Dritten angezeigt.

Auch auf die Mutter, die vor dem Landgericht Magdeburg angeklagt ist, sind die Ermittler zufällig gestoßen: Zwei Freier, an die die Frau die Mädchen verkauft haben soll, waren anlässlich einer Hausdurchsuchung bei einem anderen Mann aufgefallen. Die Beamten hätten dort Videos gefunden, die den Missbrauch der beiden Mädchen vor laufender Kamera zeigten, sagte der Leipziger Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz.

Der Prozess gegen die beiden Männer hat bereits vergangene Woche in Leipzig begonnen. Die Angeklagten kündigten vor Gericht an, sich zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Anfang April wird das Verfahren gegen sie fortgesetzt.

Hinschauen und Kindern Hilfe anbieten

Damit eine Strafverfolgung überhaupt möglich wird, brauchten Kinder ein waches soziales Umfeld, sagt Lasner-Tietze. Sie müssten erst lernen, Grenzüberschreitungen von Erwachsenen zu erkennen, und sie müssten wissen, an wen sie sich wenden können. Selbst Hilfe zu holen, erfordere Selbstbewusstsein. "Es setzt voraus, dass das Kind noch nicht zerbrochen ist."

Die Bandbreite sexuellen Missbrauchs ist groß. Er beginnt manchmal schon, wenn ein Kind immer wieder gegen seinen Willen vom Nachbarn geküsst wird - und reicht bis zur Vergewaltigung. Eindeutige Hinweise gibt es selten. Insbesondere kleine Kinder haben oft nicht die Sprache für das, was sie erleben - erst recht nicht, wenn der Täter aus dem Familien- oder Freundeskreis stammt. Meistens signalisieren sie auf andere Art und Weise, dass etwas nicht stimmt.

Umso wichtiger, dass andere Familienmitglieder, Nachbarn, Lehrer und Ärzte reagieren, wenn sie das Gefühl haben, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt und es sich beispielsweise immer weiter zurückzieht. Professionelle Hilfe bieten Beratungsstellen und Kinderschutzzentren im vertraulichen Rahmen an. Bei einem massiven Verdacht sollte niemand zögern, die Polizei zu informieren.

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