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Kinderhandel als ARD-Film und Diskussion bei "Maischberger"

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Themenschwerpunkt Kinderhandel  

Mit Kindesmissbrauch wird mehr Geld verdient als mit Waffen

20.01.2016, 10:04 Uhr | dpa

Kinderhandel als ARD-Film und Diskussion bei "Maischberger". Szenenbild aus "Operation Zucker. Jagdgesellschaft".  (Quelle:  BR/Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG/Stefan Erhard)

Szenenbild aus "Operation Zucker. Jagdgesellschaft". (Quelle: BR/Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG/Stefan Erhard)

Kinderhandel - dieses Thema macht Angst und verstört. Die ARD greift es in mehreren Formaten auf. Die Realität ist dabei noch grausamer als es der Film "OP Zucker. Jagdgesellschaft" sein kann. Eine der dunkelsten Seiten unserer Gesellschaft, denn Deutschland ist einer der Hauptabsatzmärkte für den Handel mit Kindern. 

Vor einigen Jahren erregte der Spielfilm "Operation Zucker" große Aufmerksamkeit. In dem Film ging es um Kinderhandel und Kinder, die zu Sex mit Erwachsenen gezwungen werden. Am Dienstagabend lief eine Wiederholung des Films von 2012. Die Fortsetzung "Operation Zucker. Jagdgesellschaft" war am Mittwoch im Ersten zu sehen. Direkt im Anschluss diskutierte Sandra Maischberger mit ihren Talkshowgästen über Kinderhandel.

Film über eine verschworene Herrengemeinschaft

Karin Wegemann (Nadja Uhl) hat sich versetzen lassen: Die einst engagierte, aber zunehmend desillusionierte LKA-Polizistin unterrichtet nun angehende Kollegen an der Berliner Polizeischule. Doch die dringend erhoffte innere Ruhe mag sich nicht so recht einstellen - erst recht nicht, als sie eines Abends in einer Kneipe dem investigativen Journalisten Maik Fellner (Andre Szymanski) begegnet. Er recherchiert seit Jahren zum Thema Kinderhandel, doch seine erschütternden Artikel zeigen keine Wirkung - teils wird er verleumdet oder gar bedroht.

Die beiden brauchen sich also gegenseitig, um endlich etwas in Bewegung zu bringen. Karin lässt sich nach Potsdam versetzen, wo sie nach anfänglichem Zögern gut mit ihrem Kollegen Ronald Krug (Misel Maticevic) zusammenarbeitet. Nach einem Tipp des Informanten Victor (Rick Okon) begegnen sie an einem Bahnsteig der sehr auffällig geschminkten Lucy (Carlotta von Falkenhayn) und wenig später dem Ehepaar Voss (Jördis Triebel, Sebastian Hülk), das offenbar neben seiner Nichte Lucy noch ein weiteres Mädchen bei sich wohnen lässt.

Ganz allmählich stoßen sie auf eine verschworene Herrengemeinschaft, die bis zum Innensenator (Matthias Matschke) reicht und die sich unter dem Decknamen "Jagdgesellschaft" in einer einsamen Waldhütte die kleinen Mädchen und Jungen zuführen lässt.

Drastische Sprache im Film

Der verstörende Film (Buch: Friedrich Ani und Ina Jung; Regie: Sherry Hormann) hat eine drastische Sprache und zeigt jede Menge kaputte Figuren. 

Ganz sicher bewegt sich der Film noch nicht nah genug an der Realität, die lässt sich wohl kaum zeigen. Aber die Ausstrahlung zur Primetime setzt ein wichtiges Signal: jeder kann aufmerksamer sein und auf kleine Zeichen (Schuh am Spielplatztor, Puppe im Kinderzimmerfenster) achten, die auf Kinderhandel hindeuten könnten. Eingesperrte Kinder im Kofferraum stellen schon eine gewisse visuelle Brutalität dar - schlimmere Bilder bleiben dem Zuschauer erspart. Man bleibt zurück ohne jeden Lichtblick - bei diesem Thema wird es nie ein Happy-End geben.

"Operation Zucker" basiert auf Tatsachen

Autorin und Produzentin Gabriela Sperl ("Die Flucht", "Tannbach") beschäftigt das Kindesmissbrauch nach wie vor. "Nach der Ausstrahlung des ersten Filmes hat sich einiges bewegt, weil das Thema plötzlich eine ganz andere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekam".

Auf der Basis aller Recherchen habe sich stetes das gleiche Muster herauskristallisiert: Die Täter fänden sich vorwiegend in akademischen und höchsten Kreisen, weil diese ihnen Schutz verliehen. "Sie sind miteinander vernetzt, was auch immer wieder geleugnet wird, weshalb sie sich aber in Sicherheit wiegen - zumal auch keiner aus ihrem Umfeld jemals hinschauen will."

Viele Täter in Deutschland

Sperls Ziel: Eine Anzeigepflicht für Ärzte, Anwälte, Therapeuten und Betreuer, die es beispielsweise in Österreich oder in Frankreich gibt. "Wir wollen weiterhin auf ein großes Unrecht und ein Verbrechen mitten unter uns aufmerksam machen." So lange es eine wachsende Milliardenindustrie rund um verschleppte, verkaufte und geschundene Kinder und junge Frauen gebe, werde sie weiter solche Filme machen. "Wir hoffen darauf, dass sich Gesetze dadurch verändern, dass Menschen wachsamer werden, wenn wir Licht in diese dunkle Ecke unserer Gesellschaft werfen. Und nicht länger gesagt werden kann: 'Das gibt es doch gar nicht'."

Laut der Kriminalstatistik der Polizei gab es 2014 in Deutschland bei 13.374 Kindern unter 14 Jahren einen vollendeten sexuellen Missbrauch, davon bei etwa 1500 Kindern bis sechs Jahren - die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Die meisten der vom Kinderhandel betroffenen Jungen und Mädchen kommen vom Balkan, der Ukraine und aus Weißrussland. Die "Abnehmer" sitzen vor allem in Deutschland, Belgien, Frankreich und England.

Kinderhandel ist größeres Geschäft als Waffenhandel

Volker Herres, Programmdiretor der ARD sagt über den Film: "Es passiert jeden Tag. Überall in Deutschland. Der Missbrauch von Kindern ist eins der schrecklichsten Verbrechen, weil es junge Menschen zerstört und lebenslang zeichnet. Und es ist ein lukratives Geschäft: UNICEF schätzt, dass weltweit mit Kinderhandel und Kinderprostitution bei stetig steigender Nachfrage mehr Geld verdient wird als mit Waffen."

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