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ZDF-Doku zu ADS-Therapie: Melken statt Tabletten schlucken?

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Gesundheit: ADS-Therapie  

ZDF-Doku: Melken statt Tabletten-Schlucken?

10.03.2010, 08:23 Uhr | mmh, ZDF

ZDF-Doku zu ADS-Therapie: Melken statt Tabletten schlucken?. Bisher waren sie Außenseiter, hier auf der Alm sind Fabian und Nicola Freunde geworden. (Bild: ZDF)

Bisher waren sie Außenseiter, hier auf der Alm sind Fabian und Nicola Freunde geworden. (Bild: ZDF)

Sie sind aggressiv, unkonzentriert, schusselig, aber auch stark und kreativ: ADS-Kinder. Aber Kinder mit Tabletten ruhig stellen? Ein Horror für die meisten Eltern von ADS-Kindern. ADHS oder ADS ist die am häufigsten diagnostizierte psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen. Die Diagnose ist ein Stigma, das Kinder oft zum Außenseiter stempelt. Die Langzeitwirkungen von Medikamenten wie Ritalin sind heftig umstritten. Viele Familien suchen nach alternativen Therapien, die langfristigen Erfolg bringen. Die ZDF-Doku "37 Grad: Wo die wilden Kerle wohnen" hat ein ambitioniertes, wissenschaftliches  Experiment einer ADS-Therapie begleitet, das Alm-Projekt eines Hirnforschers: Kühe melken statt Tabletten schlucken.

Hirnforschung für ADHS-Therapie

"Die Kinder müssten mit einem etwas anderen Hirn von der Alm herunterkommen, als das, mit dem sie hinaufgegangen sind", so formuliert der Hirnforscher Gerald Hüther das Ziel seiner Therapie "Via Nova" für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen. Elf Kinder zwischen neun und 13 Jahren verbringen mit drei Betreuern acht Wochen ohne Medikamente auf einer Südtiroler Alm. Vielleicht brauchen Kinder solche Abenteuer, damit das Hirn nachreift? So könnte man Hüthers These zusammenfassen. "Mit Tabletten hätten die Kinder diese Lerneffekte nicht", so der Neurologe. Hüther ist überzeugt, dass Kinder nicht Medikamente brauchen, sondern Impulse, um sich, ihr Gehirn, ihre Gefühlswelt, also ihre Persönlichkeit zu entfalten. Mit seinen Ideen hat er sich in der Pharma-Industrie keine Freunde gemacht. "Man muss diese Kinder inspirieren, um neue Erfahrungen zu machen", meint Hüther. "Um den Kindern zu helfen, muss man sie aus dem ganzen System herausnehmen. Einen neuen Erfahrungsraum bieten, in dem sie sich selbst als jemanden erleben, der etwas bewirken kann."

Melken, schnitzen, Brücken bauen

Die Kinder erleben Natur, versorgen sich selbst, tragen Verantwortung, schlichten Streit, führen viele Gespräche. Die Kamera zeigt starke Kinder, die ihre Standpunkte klar formulieren können. Kinder, die in den acht Wochen „Ballast abwerfen“: Schul-Druck, Familien-Alltag, Außenseiter-Sein. Die Schilderungen der Eltern im heimischen Umfeld deuten die bisher täglichen Schwierigkeiten an, die Unkonzentriertheit, die Aggression, die schlechten Noten, mehrfache Schulwechsel, den belastenden Erwartungsdruck von Nachbarn oder Lehrern, dem Kind Tabletten zu geben.

Tablettenkonsum und Zahl der ADS-Diagnosen steigen

ADHS ist die am häufigsten diagnostizierte psychiatrische Störung bei Kindern und Jugendlichen, Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen. ADHS bezeichnet ein Aufmerksamkeitsdefizit beziehungsweise eine Hyperaktivitätsstörung. Oft wird auch die Abkürzung ADS verwendet, sie steht für Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom - mit oder ohne Hyperaktivität. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit sollen zwei bis sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen betroffen sein. Die Gabe von Medikamenten wird kontrovers diskutiert. Neu ist jedoch der enorme Anstieg des Verbrauchs von Medikamenten, die den Kindern verabreicht werden, nämlich um über das 20-fache zwischen 1993 bis 2001 von 34 Kilogramm auf 639 Kilogramm. In den beiden letzten Jahren hat sich die Menge laut Bundesministerium für Gesundheit jeweils verdoppelt. Der Wirkstoff der gängigen Medikamente, etwa Ritalin und Medikinet, heißt Methylphenidat, und er wird weltweit bei der Behandlung von AD(H)S eingesetzt.

Medikamente umstritten

Professor Gerald Hüther, spricht sich dagegen aus, ADHS-Kinder mit Tabletten zu behandeln: "Medikamente sind eine Notlösung, keine wirkungsvolle Therapie und bieten keine wirkliche Perspektive für diese Kinder", sagt er. Der Hirnforscher denkt, dass in heutigen Zeiten kreative Köpfe gefragt sind, die flexibel sind und eigenständig Entscheidungen treffen können.

Konzentration lernen

Sie können sich konzentrieren, das steht fest, das zeigt sich, wenn die Jungs Holz hacken oder Brücken bauen. Die Organisatoren des Alm-Projekts um den Hirnforscher Professor Gerald Hüther wagen ein ambitioniertes Experiment: Sie setzen die Tabletten ab und hoffen darauf, dass die Erfahrungen auf der Alm den Kindern helfen werden, danach selbstbestimmt und ohne Medikamente in ihren Familien leben zu können. Die ersten Tage in der kleinen Holzhütte in Südtirol auf 2.400 Meter Höhe sind mühselig. Adrian stört häufig, Robin (8) hat Heimweh, sein Bruder Nikola (10) träumt vor sich hin und kriegt viele Dinge einfach nicht mit.

Auch Eltern lernen dazu

Einige Wochen später ist die Horde der wilden Kerle, die von drei Betreuern begleitet wird, ruhiger geworden. Aber ob dieser Zustand anhält? In der Zwischenzeit werden auch die Eltern geschult. Carola, die allein erziehende Mutter von Adrian, erfährt zum ersten Mal, dass auch andere Eltern nicht mehr weiter wissen. Auch deren Kinder schreien oder hauen einfach ab, wenn der Druck durch Hausaufgaben zu groß wird, wenn sie essen sollen oder einfach nur die Zähne putzen. Betreuer Rüdiger fasst die Aufgabe für die Eltern knapp zusammen: „Wenige Regeln, aber das Gesagte wirklich tun." 

Zwischen Skepsis und Hoffnung

Maru (46), die Mutter von Robin und Nicola, steht dem Almprojekt teilweise skeptisch gegenüber. Sie ist Kinderärztin und behandelt selbst viele Kinder mit ADS-Symptomatik. Zwar hofft auch sie, dass Robin und Nikola gefestigter zurück kehren, aber dass deren Probleme alleine durch die Alm-Erfahrungen verschwinden, glaubt sie nicht. Sie will sich offen halten, ob sie ihren Söhnen auch nach der Alm nicht doch wieder Tabletten gibt. Der Vater von Robin und Nikola lehnt das ab. Er setzt wie die meisten Eltern große Hoffnungen auf die Auszeit auf dem Berg.

Druck aus der Umgebung

"Da läuft doch etwas völlig falsch in unserer Gesellschaft, wenn wir von Schulen und Ärzten dazu angehalten werden, unsere Kinder mit Tabletten ruhig zu stellen", sagt Susanne, die Mutter von Malte (11), der auch mit auf die Alm gegangen ist. Früher habe es doch auch lebendige Kinder gegeben, und die wären auch ohne Tabletten klar gekommen. Aber heute, glaubt Susanne, hat die gesellschaftliche Toleranz für Kinder wie Malte stark abgenommen.

Dauererfolg oder nur Auszeit?

Nach knapp acht Wochen auf der Alm steht Adrian barfuß in einem Kuhfladen und strahlt. Er hat gelernt, beim Essen machen zu helfen, selbständig Aufgaben zu übernehmen, sich in die Gruppe einzuordnen. Er und seine Mutter haben wieder enger zueinander gefunden, die Fronten sind weniger verhärtet, die Gefühle echter, auch in der neuen Schule läuft es gut. Auch Malte wechselte die Schule, es ist die vierte, er fühlt sich wohl, aber seine Aggressionen hat er doch noch nicht immer unter Kontrolle.  Nicola ist auf einem Internat, seine Mutter ist unzufrieden mit dem Erfolg, der ihr letztendlich auch die Entscheidungsfreiheit genommen hat, den Kindern Tabletten zu verabreichen. Sie sieht es als einseitige Beeinflussung, Hüther würde das als starke Persönlichkeit werten. Doch vier der Kinder sind „rückfällig“ geworden, nehmen wieder Tabletten, nicht zuletzt aufgrund des Drucks aus den Schulen.

Fazit der Therapie

"Ich kann etwas, ich bin für die Gemeinschaft wichtig, die Gemeinschaft ist für mich wichtig, diese Erkenntnis ist das Gepäck, das für das Leben wichtig ist", so Hüther. Sicherlich ein wertvolles und nutzbringendes Gepäck, doch lässt auch der Film von Film von Katharina Gugel und Ulf Eberle vor allem die Frage nach der Nachhaltigkeit offen. Danach, ob das Gepäck im Alltag zum Einsatz kommen kann. Abgesehen davon, dass bei den so stark steigenden Zahlen der ADS-Patienten, derart personalintensive Therapien mit Schulung des Umfeldes zwar wünschenswert, aber wohl kaum umsetzbar oder finanzierbar wären.

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