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So wichtig ist der Mittagsschlaf für Kinder

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So wichtig ist der Mittagsschlaf für Kinder

12.11.2012, 12:46 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

So wichtig ist der Mittagsschlaf für Kinder. Nicht nur die Kinder brauchen ihren Mittagsschlaf - auch für den Familienfrieden ist er oft unverzichtbar. (Quelle: imago)

Nicht nur die Kinder brauchen ihren Mittagsschlaf - auch für den Familienfrieden ist er oft unverzichtbar. (Quelle: imago)

Ein Mittagsschläfchen soll ja Wunder wirken. Stress wird abgebaut, das Gedächtnis gestärkt, das Gewicht langfristig reduziert und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen massiv gesenkt. Es gibt zahlreiche Studien, die das mittägliche Nickerchen befürworten. Das alles gilt in erster Linie für Erwachsene. Doch wie wichtig ist der Mittagsschlaf für Kinder? Und wie wichtig für den Familienfrieden?

Schlafmangel kann schlimme Folgen haben

Der Biorhythmus des Menschen hat mittags ein kleines Tief, das sich ganz wunderbar durch ein Schläfchen wieder ausgleichen lässt. Gerade für kleine Kinder kann diese Pause sehr wichtig sein, um sie vor Überreizung zu schützen. Denn wenn ein Kind zu wenig Schlaf bekommt beziehungsweise dieser nicht ausreichend erholsam ist, dann kann das zu einem Familien-Albtraum werden. Entwicklungs- und Verhaltensstörungen können die Folge sein. Oder positiv formuliert: Der kindliche Schlaf ist eine wichtige und notwendige Voraussetzung für die Ausgeglichenheit und Fröhlichkeit eines Kindes.

Bandbreite ist riesig

Im Grunde sind sich alle Experten auf diesem Gebiet einig: Im Schlaf kann der Input an neuen Eindrücken verarbeitet und sortiert werden. Das heißt, dass das Kind, wenn es mittags ein Nickerchen gemacht hat, danach wieder offen ist für Neues. Die Durchschnittswerte für einen Mittagsschlaf liegen übrigens bei dreieinhalb Stunden für Kinder mit etwa sechs Monaten, zweieinhalb Stunden für Einjährige und eineinhalb Stunden für ein Kind mit etwa zwei Jahren. Wohlgemerkt, die Durchschnittswerte. Denn es gibt Kinder, die sind bereits mit zwei Jahren weit von einem Mittagsschlaf entfernt, es gibt Spezialisten im Powernapping und es gibt die, die sich nach der Schule noch hinlegen. Und alle diese Kinder sind völlig normal.

Der Biorhythmus ist entscheidend

Die Diplom-Psychologin Barbara Schwerdtle ist sozusagen Fachfrau für Kinderschlaf und sie weist deutlich darauf hin, dass immer wieder angegebene Richtwerte gar um Stunden schwanken können. "Klar, der Schlaf ist sehr wichtig für die Entwicklung eines Kindes. Wachstumshormone werden ausgeschüttet und Lerninhalte verarbeitet. Aber man muss das individuell sehen. Die einen Kinder brauchen mehr, die anderen weniger. Und das gilt auch für den Mittagsschlaf", erklärt sie. "Im Durchschnitt halten Kinder bis zum dritten, vierten Lebensjahr einen Mittagsschlaf und wenn man merkt, sie brauchen das, dann sollte man es ihnen auch nicht nehmen. Zum Schlafen zwingen aber kann man niemanden. Das funktioniert nicht, denn auch Kinder haben einen biologischen Rhythmus, auch bei ihnen gibt es, wie bei uns Erwachsenen, Kurz- und Langschläfer."

Manchmal kann man ein bisschen tricksen

Hat ein Kleinkind den Mittagsschlaf mal abgeschafft - und das passiert oft ohne große Vorwarnung - dann kann man da wenig machen. Zumindest dann, wenn man den Nachwuchs gerne abends um die gleiche Zeit im Bett haben möchte. Wenn man aber zu den Familien gehört, denen es vielleicht sogar ganz gelegen kommt, wenn das Kleine abends noch ein bisschen länger wach ist - zum Beispiel, weil es dann noch etwas vom Papa hat - dann kann man es mal mit der "Zeitverschiebung" versuchen. "Es schadet einem Kind nicht, wenn man es mal weckt. Wenn man aber eine längerfristige Änderung herbeiführen möchte, dann sollte man sehr behutsam vorgehen. In Viertelstundenschritten ist es aber bis zu einem gewissen Grad durchaus möglich, das Schlafverhalten dauerhaft ein wenig zu beeinflussen."

Nicht jedes Schlafproblem ist eine Schlafstörung

Barbara Schwerdtle erforscht an der Uni Würzburg Schlafstörungen bei Kindern. Denn immerhin sind fast 40 Prozent irgendwann im Laufe ihrer Kindheit davon betroffen. Zu ihr und ihren Kollegen kommen Eltern vor allem dann, wenn Kinder Ein- und Durchschlafstörungen haben, wenn sie sich gar ganz weigern, ins Bett zu gehen oder gar nicht alleine einschlafen können. Wobei es sich hier oft um Antrainiertes handelt und man nur dann Hilfe suchen muss, wenn dadurch auch Probleme entstehen, man die Situation wirklich ändern will. "Störung impliziert nämlich in diesem Fall, dass es auch tatsächlich jemanden stört." Wer sich also gerne mit hinlegt und die gemeinsame Zeit der Nähe genauso genießt wie das Kind, der darf das auch weiterhin tun. Dem Kinderschlaf schadet es jedenfalls nicht.

Ein Schlaftagebuch kann hilfreich sein

Bei manchen Kindern hat man das Gefühl, sie hätten Angst etwas zu verpassen, wenn sie mitten am Tag ins Bett gehen. Dem kann man ein wenig entgegenarbeiten, indem man für eine gewisse "Langeweile" um die Schlafenszeit herum sorgt. Zum Beispiel nach dem Mittagessen grundsätzlich Ruhe einkehren lässt. Möchte ein Kind trotzdem keinen Mittagsschlaf mehr machen, leidet es noch lange nicht an einer Schlafstörung. "Man muss den Tag- und Nachtschlaf additiv sehen, die Schlafstunden also zusammengezählt betrachten", erklärt die Schlafforscherin. Im Umkehrschluss heißt das: Nimmt man einen Teil des Schlafes in der Nacht weg, dann wird das Kind sich die Erholung tagsüber wieder zurückholen - über kurz oder lang. Es kann nämlich durchaus ein paar Tage dauern, bis sich alles neu eingespielt hat. Was häufig mit einer ganzen Menge Gequengel einhergeht. "Man sollte einfach möglichst genau darauf achten, wie viel Schlaf das Kind braucht, um ausgeglichen zu sein und wann es ausgeschlafen ist. Eltern, die unsicher sind, ob ihr Kind genug schläft, würde ich empfehlen, den Schlaf und die entsprechende Stimmung mal eine Woche lang aufzuschreiben und so mehr Überblick zu bekommen."

Kinder lieben feste Rhythmen

Besonders gelegen kommt Kindern ein geregelter Tagesablauf. Er macht es ihnen einfacher, auch mittags zur Ruhe zu kommen und zu akzeptieren, dass jetzt Schlafenszeit ist. Allerdings sollte man das mit dem geregelten Tagesablauf nicht allzu ernst und verbissen sehen. "Wir Menschen brauchen gewisse Rhythmen, aber ein bisschen flexibel darf man ruhig sein", beruhigt Barbara Schwerdtle besorgte Eltern. "Den Kinderschlaf muss man nicht mit der Stoppuhr messen." Denn wenn man sich selbst beziehungsweise die ganze Familie einschränkt, nur weil jetzt und zwar genau jetzt Schlafenszeit des kleinsten Familienmitglieds ist, dann verliert man viel an Flexibilität. "Eine Stunde Abweichung kann ein Kind ganz gut verkraften."

Verschiebt sich alles mal etwas mehr, zum Beispiel aufgrund einer längeren Reise, eines Besuches, einer Erledigung oder einer außergewöhnlichen Unternehmung, dann verzeiht auch das der Kinderschlaf schnell und pendelt sich oft bereits am nächsten Tag wieder ein. "Wenn man weiß, dass man ein Kind hat, das auf solche Zeitverschiebungen sehr sensibel reagiert, dann sollte man einfach darauf achten, dass an den nächsten Tagen alles wieder seinen geregelten Gang geht." Eltern, die gerne viel unternehmen, können das Kind auch von Anfang an daran gewöhnen, mittags im Kinderwagen zu schlafen. Wenn man aber bei einem Regentag lieber den Haushalt machen möchte, während das Kind ruht, dann wird man sich etwas einfallen lassen müssen.

Die Ruhepause für sich nutzen

Viele Frauen haben, vor allem wenn sie mehrere Kinder haben und möglicherweise zusätzlich arbeiten, wenig innere Ruhe. Schließlich ist so ein Tag immer zu kurz. Schläft ein Kind über Mittag ein, dann verführt das also regelrecht dazu, schnell noch dies oder das zu machen statt sich ebenfalls ein wenig hinzulegen und von den Vorteilen eines Mittagsschlafs zu profitieren. Das geht nicht immer, aber immerhin manchmal. Und genau dann sollte man nicht noch schnell die Steuer machen oder den Boden wischen, denn das kann warten. Ab aufs Sofa! Das dankt nicht nur die Gesundheit, das danken auch die Nerven.

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