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Schlaganfall bei Kindern: Das sind Ursachen und Symptome

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Oft erst spät erkannt  

Schlaganfall mit sieben - auch Kinder kann es treffen

31.08.2016, 15:14 Uhr | dpa-tmn, dapd

Schlaganfall bei Kindern: Das sind Ursachen und Symptome. Schlaganfall bei Kindern: Sehstörungen, einseitige Lähmungen und Zuckungen sind Warnsignale. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sehstörungen, einseitige Lähmungen und Zuckungen können bei Kindern auf einen Schlaganfall hindeuten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auch Kinder und Jugendliche können einen Schlaganfall bekommen. Jährlich werden etwa 300 Fälle in Deutschland registriert - das ist zwar wenig, doch Experten vermuten, dass die Dunkelziffer höher liegt, weil ein Schlaganfall bei Kindern selten vermutet wird. Umso wichtiger ist es, die Warnsignale zu kennen.

Eric traf es mit elf Jahren auf dem Fußballplatz. Der siebenjährige Marc erhielt die Diagnose, nachdem die Ärzte drei Tage nach der Ursache seiner heftigen Kopfschmerzen gesucht hatten. Emma und Max erlitten schon im Mutterleib einen Schlaganfall

Oft haben die Kinder ihr ganzes Leben unter den Folgen zu leiden. "Die frühzeitige Erkennung von Schlaganfällen bei Kindern ist von großer Bedeutung, um Einschränkungen in der motorischen und geistigen Entwicklung soweit wie möglich zu verhindern", betont Hans-Jürgen Nentwich vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Das sind die Warnzeichen für einen Schlaganfall

Ein Schlaganfall wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn hervorgerufen, beispielsweise wegen Blutgerinnseln in Arterien, die zum Gehirn führen. Wenn es nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird, fallen wichtige Funktionen schlagartig aus und Zellen sterben ab.

Anzeichen für einen Schlaganfall können Lähmungen, Schwäche oder Zuckungen bei einer Körperhälfte sein. Auch starke Kopfschmerzen, eventuell mit Erbrechen, eine undeutliche Sprache oder Schluckbeschwerden sind Warnsignale. Außerdem sollten Eltern alarmiert sein, wenn Kinder über Sehstörungen wie Doppelbilder oder verschwommene Sicht klagen oder ihr Gang unsicher wirkt.

Schlaganfall während der Geburt

Ein Drittel aller registrierten Schlaganfälle bei Kindern tritt während der Geburt auf, ausgelöst durch den Geburtsstress. Tückisch ist, dass solche Schlaganfälle oft erst spät diagnostiziert werden, weil die Kinder erst nach mehreren Monaten Symptome entwickeln. Den Eltern fällt dann zum Beispiel auf, dass das Kind eine Hand nicht beziehungsweise weniger zum Greifen einsetzt oder beim Krabbeln eine Seite weniger benutzt als die andere.

Welche Kinder besonders gefährdet sind

Bei den Ursachen für einen Schlaganfall gibt es deutliche Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern. Während bei Erwachsenen Zivilisationskrankheiten wie Arteriosklerose, Bluthochdruck oder Übergewicht die Hauptursachen seien, müssten bei Kindern mehrere Faktoren zusammenkommen, sagt der Neurologe Matthias Spranger aus Bremen. Dazu gehören genetisch bedingte Blutgerinnungsstörungen, Herzfehler oder Verengungen der Gefäße. Kinder mit Krebs haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko.

Erhöhtes Risiko durch Infekte wie Windpocken

Gefährdet sind auch Kinder, die gerade eine Infektion überstanden haben. So ereigne sich ein Schlaganfall bei Vorschulkindern häufig infolge eines Infekts, vor allem mit Windpocken, erklärt Kinderarzt Netwich. In Ländern ohne routinemäßige Windpockenimpfung ließen sich bis zu einem Drittel aller Schlaganfälle im Kindesalter auf diese Virusinfektion zurückführen.

Auch zu Beginn der Pubertät ist die Gefahr eines Schlaganfalls nach Angaben des "Fördervereins Schlaganfall und Thrombosen im Kindesalter" groß. Das hängt mit der Hormonumstellung zusammen, aber auch mit dem Rauchen und der Einnahme der Antibabypille.

Blutgefäße können durch ruckartige Bewegungen verletzt werden

Ein weiterer Risikofaktor sind Gefäßverletzungen, die bei insbesondere bei Jugendlichen beim Sport passieren können. Auch durch ruckartige Halsbewegungen in rasanten Fahrgeschäften auf Volksfesten kann unter Umständen die Halsschlagader reißen.

Kinder verkraften Schlaganfall besser als Erwachsene

Im Unterschied zu Erwachsenen würden Kinder nach einem Schlaganfall schneller wieder gesund, sagt Spranger. Die neurologischen Ausfälle könne das kindliche Gehirn gut ausgleichen, legt eine Langzeitstudie der Universität Münster, die bundesweite Daten von Schlaganfällen bei Kindern sammelt. Es gibt allerdings auch Hinweise, dass sich langfristig etliche Probleme für die Kinder und damit auch für die Familien entwickeln. In der Schule können Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Lernstörungen auftreten, die wiederum komplexe psychosoziale Probleme verursachen. Das zeigt sich in Verhaltensstörungen, Depressionen, Angst und Aggressionen. "Die Folgen eines Schlaganfalls zeigen sich oft erst viele Jahre später", sagt der Schlaganfallexperte Spranger. Wichtig sei deshalb, betroffene Kinder langfristig zu fördern.

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender.
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Kinderkrankheitenlexikon liefern Anhaltspunkte, können aber keinesfalls die Diagnose eines Kinderarztes ersetzen. Sicherheitshalber sollten Eltern auffällige Symptome bei ihrem Kind vom Arzt abklären lassen.

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