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Asthma bronchiale: Immer mehr Kinder leiden an der chronischen Erkrankung

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Asthma bronchiale  

Immer mehr Kinder leiden unter Asthma

31.08.2016, 14:39 Uhr | dos, t-online.de

Asthma bronchiale: Immer mehr Kinder leiden an der chronischen Erkrankung. Ein Lungenfunktionstest kann helfen das richtige Medikament bei Asthma bronchiale zu finden.  (Quelle: dpa)

Ein Lungenfunktionstest kann helfen das richtige Medikament bei Asthma bronchiale zu finden. (Quelle: dpa)

In Deutschland erkrankt fast jedes zehnte Kind an Asthma bronchiale - Tendenz steigend. Zwar verschwindet die Krankheit bei etwa der Hälfte der betroffenen Kinder im Verlauf der Pubertät, doch die Gefahr, irgendwann im Leben einen Rückfall zu erleiden, ist hoch.

Maike spielt gerne Handball - doch ohne ihr Asthmaspray traut sie sich nicht zum Training. Ohne das Medikament, das die Bronchien erweitert fühlt sich ihr Brustkasten unter Anstrengung an, als wäre er zusammengeschnürt. Seit ihrem zweiten Lebensjahr leidet Maike an Asthma bronchiale. "Wenn ich einen Anfall bekomme, ist es, als ob ich eine unheimliche Last auf der Brust hätte", sagt die 14-Jährige.

Vor allem die Ausatmung ist bei Asthma erschwert

Wer schon einmal ausprobiert hat, durch einen Strohhalm zu atmen, kann erahnen, was es heißt, an Asthma bronchiale zu leiden. Einatmen ist schon schwierig, aber die Luft durch den engen Halm hinauszupusten, scheint so gut wie unmöglich. Ähnlich ist das auch bei einem Asthma-Anfall: Die Bronchien verkrampfen sich und die Schleimhäute schwellen an. Außerdem bildet sich zäher Schleim, der zusätzlich die Atemwege verlegt. Vor allem das Ausatmen wird daher schwierig und mit jedem Atemzug bleibt ein bisschen mehr Luft in der Lunge zurück. Dadurch können die kleinen Lungenbläschen überblähen und die Lunge dauerhaft Schaden nehmen.

Nicht jede Verengung der Bronchien ist ein Asthma

Asthma bronchiale ist nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V. die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter, fast jedes zehnte Kind leide daran. Entzündungen, chemische Substanzen, Allergene aus der Natur, aber auch ein Rückfluss von Magensäure, Stress oder Kälte können eine anfallsartige Luftnot auslösen. Typischerweise haben Betroffene dann ein pfeifendes Atemgeräusch, vor allem in der Ausatmungsphase. Allerdings können solche Reaktionen auch im Rahmen von gewöhnlichen Infekten auftreten, erklärt Professor Theodor Zimmermann, der Leiter der "Abteilung für Kinder-Pneumologie, Allergologie und Umweltmedizin" am Universitätsklinikum Erlangen: "Gerade im Säuglingsalter können bestimmte Erreger eine Verengung der Bronchien auslösen, ohne dass sich daraus später ein Asthma entwickelt." Erst wenn diese Reaktion immer wieder mehrfach im Jahr auftrete, bezeichne man es als Asthma bronchiale, so Zimmermann.

Genetische Veranlagung und Umgebung spielen eine Rolle

Bis heute ist nicht genau geklärt, welche Mechanismen dazu führen, dass ein Kind die Krankheit entwickelt. Neue Erkenntnisse hat aber die europäische Gabriel-Studie in den vergangenen Jahren gebracht: Bei jedem dritten an Asthma erkrankten Kind spielen demnach bestimmte Erbanlagen eine Rolle. Laut einer Pressemitteilung der an der Studie beteiligten Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München können zum Beispiel Gene verändert sein, die normalerweise dabei helfen, das Immunsystem auf Schäden in den Schleimhäuten der Atemwege aufmerksam zu machen. Auch Maike hat ihr Asthma oder zumindest eine Veranlagung dazu wahrscheinlich "geerbt", denn auch ihre Mutter und andere weibliche Verwandte leiden unter der Krankheit. Maike leidet an einem allergischen Asthma. Bei ihr können unter anderem auch Pollen die Anfälle auslösen.

Die Gabriel-Studie hat noch weitere Ursachen erforscht und gezeigt: Kinder, die in ländlichen Gegenden aufwachsen, leiden erheblich seltener an Asthma als Stadtkinder. Das Asthmarisiko sinke, je mehr Umweltkeime ein Kind umgäben, so die LMU. Die Wissenschaftler hatten den Staub aus Kinderzimmern verglichen. Je vielfältiger der "Mikrozoo" darin war, desto stärker sank das Asthmarisiko.

Die Krankheit an der Wurzel packen

Das von der EU geförderte Gabriel-Projekt zur Erforschung der Ursache von Asthma bronchiale bei Kindern ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Experten hoffen aber, dass dessen Ergebnisse in naher Zukunft helfen, Asthma an der Wurzel packen und ursächlich behandeln zu können. Schon heute stehen zwar wirksame Medikamente zur Verfügung. Diese können aber nur die Symptome lindern. So gibt es Wirkstoffe, die die entzündlichen Veränderungen in den Schleimhäuten lindern, andere können die Bronchien weit stellen und damit der Verkrampfung entgegen wirken. Auch schleimlösende Mittel kommen zum Einsatz. Spielt der Reflux von Magensäure eine Rolle, können sogenannte Säureblocker helfen. Häufig bringt aber vor allem Kortison die erwünschte Linderung der Beschwerden.

Kortison in niedrigen Dosen

"Kortikosteroide sind sehr wirksame Medikamente zur Behandlung von Asthma bronchiale, die eine Vielzahl von Krankheitsmechanismen günstig beeinflussen", sagt der Kinder-Pneumologe Zimmermann. Den Wirkstoff gibt es als Zäpfchen, Saft, Spritze, Tablette oder Inhalat. Das körpereigene Stresshormon kann aber auch Nebenwirkungen mit sich bringen, wie Veränderungen der Haut oder ein Anstieg der Blutzuckerwerte. Je höher die Dosis und je länger die Anwendung, desto wahrscheinlicher ist das. Deshalb verordnen Ärzte oft inhalierbare Kortikosteroide, denn sie sind bereits in sehr geringer Dosierung hochwirksam. "Hierdurch kann lokal in der Lunge eine gute Wirksamkeit erzielt werden, ohne dass im übrigen Körper Nebenwirkungen zu erwarten sind", erklärt Zimmermann. Auch Maike inhaliert täglich Kortison. Ihr Asthma ist darunter besser geworden. Aber verschwunden ist es nicht. Um Sport betreiben zu können, braucht sie weitere Medikamente. Und wenn jetzt im Frühjahr die Pollen fliegen, befürchtet sie, werden ihre Symptome wahrscheinlich wieder schlimmer.

Sport kann helfen

Neben der medikamentösen Therapie ist es aber auch wichtig, dass Eltern und Kinder wissen, wie sie am besten mit der Krankheit umgehen können. Viele Kliniken bieten spezielle Schulungen an, in denen zum Beispiel erläutert wird, wie Kinder und ihre Eltern sich in Notfallsituationen verhalten sollten. Generell gilt: Je besser alle Beteiligten informiert sind, desto besser ist die Aussicht, die Krankheit in den Griff zu bekommen. Wer will, kann ein Tagebuch führen. Dadurch lässt sich leichter feststellen, wodurch Anfälle ausgelöst werden und welche Medikamente gut helfen. Auch Sport kann dazu beitragen, die Krankheit positiv zu beeinflussen, wenn Betreuer und Kinder bestimmte Punkte beachten. So sollten sich die Kinder vorher unbedingt gründlich aufwärmen, um eine plötzliche Belastung der Atemwege zu vermeiden. Auch Kleine können schon autogenes Training und andere Entspannungsmethoden lernen, um psychischen Stress zu vermeiden.

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Kinderkrankheitenlexikon liefern Anhaltspunkte, können aber keinesfalls die Diagnose eines Kinderarztes ersetzen. Sicherheitshalber sollten Eltern auffällige Symptome bei ihrem Kind vom Arzt abklären lassen.

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