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Skoliose muss bei Kindern so früh wie möglich behandelt werden

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Verdrehte Wirbelsäule  

Skoliose muss bei Kindern so früh wie möglich behandelt werden

31.08.2016, 14:38 Uhr | dpa-tmn

Skoliose muss bei Kindern so früh wie möglich behandelt werden. Skoliose: Dieses Röntgenbild zeigt deutlich die verdrehte Wirbelsäule einer Skoliose-Patientin. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Dieses Röntgenbild zeigt deutlich die verdrehte Wirbelsäule einer Skoliose-Patientin. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein schiefer Rücken bei Kindern und Jugendlichen ist nicht harmlos. Möglicherweise handelt es sich um Skoliose. Bei dieser Fehlstellung verdreht sich die Wirbelsäule immer stärker. Am häufigsten erkranken Mädchen mit Beginn der Pubertät. Im Frühstadium hilft Physiotherapie, in schweren Fällen ein Korsett oder eine Operation.

Bei Skoliose wächst die Wirbelsäule nicht normal weiter, sondern biegt sich zur Seite, gleichzeitig verdrehen sich die Wirbel. Der Name der Krankheit stammt von dem griechischen Wort "skolios", das "krumm" bedeutet. "Meistens sind Mädchen betroffen", sagt der Arzt Kay Steffan von der Asklepios Katharina-Schroth-Klinik in Bad Sobernheim. Experten schätzen, dass vier Prozent der Bevölkerung Skoliose haben – Frauen wesentlich öfter als Männer.

Die Ursache ist unklar. Einige Mediziner meinen, dass das weibliche Hormon Östrogen eine Rolle spielt. Andere vermuten nervliche und muskuläre Störungen oder eine genetische Veranlagung.

Symptome von Skoliose

Ungleich stehende Schultern, ein schiefes Becken sind deutliche Anzeichen für Skoliose. Die Verkrümmung kann an mehreren Stellen der Wirbelsäule auftreten, meistens an der Brust- oder die Lendenwirbelsäule.

"Ein Problem ist, dass die Eltern davon meist gar nichts mitkriegen", sagt der Wirbelsäulen-Spezialist Christoph Eichhorn vom Deutschen Orthopäden-Verband in Saarbrücken. Die betroffenen Mädchen sind oft in der Pubertät und zeigen sich ihren Eltern nicht mehr mit nackten Oberkörpern. Von dem ungewöhnlichen Aussehen ihres Rückens erzählen sie lieber nichts. Da laut Steffan auch viele Ärzte bei den Vorsorgeuntersuchungen nicht sonderlich auf diese Krankheit achten, ist die Skoliose oft nur ein Zufallsbefund. "Sie ist das Stiefkind der Orthopädie."

Auch bei Hans-Theo Moog, dem Gründer und Geschäftsführer des Deutschen Skoliose Netzwerks (DSN), wurde der krumme Rücken nur zufällig erkannt: "Mit zwölf Jahren stand ich am Beckenrand im Schwimmbad und wollte ins Wasser springen. Mein Bruder stand genau hinter mir und bemerkte meine schiefstehenden Schulterblätter", erzählt er.

Einfache Übung zeigt die Verkrümmung

Eltern sollten die körperliche Entwicklung ihres Kindes in der Pubertät genau im Auge behalten, betont Frauke Mecher vom Verband für Physiotherapie (ZVK). Sie können Skoliose mit einer einfachen Übung erkennen: Das Kind beugt sich im Stand mit freien Oberkörper nach vorne und lässt die Arme hängen. Bei einer Skoliose zeigt sich - je nach betroffener Stelle - meist auf der rechten oberen Seite ein Buckel oder an der linken unteren Seite des Rückens ein Wulst.

Je früher Skoliose erkannt wird, desto effektiver kann sie behandelt werden. Johannes Flechtenmacher, Präsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie, fordert, dass bei Jugendliche zwischen elf und 13 Jahren die Wirbelsäule kontrolliert wird. Ersten Aufschluss gibt eine klinische Untersuchung. "Erst bei einem begründeten Verdacht wird geröntgt", sagt Flechtenmacher. Dabei wird dann die ganze Wirbelsäule samt Beckenkamm in den Fokus genommen.

Der Cobb-Winkel ist entscheidend

Wie stark die Skoliose ausgeprägt ist, misst der Cobb-Winkel. "Dafür ermittelt man im Röntgenbild die Winkel der am stärksten gekippten Wirbel", erläutert der Orthopäde. Die Größe des Cobb-Winkels liefert einen Richtwert für die Behandlung. Ist die Zahl sehr klein, wird die Entwicklung der Skoliose in regelmäßigen Abständen kontrolliert. "Ab circa zehn Grad kommen krankengymnastische Therapien hinzu, ab 25 Grad eine Korsetttherapie."

Bei schweren Skoliosen - ab einem Cobb-Winkel von 35 Grad - kommt eine Operation infrage. Dabei wird der betroffene Abschnitt der Wirbelsäule versteift. Die Grad-Zahlen seien nur sehr grobe Richtwerte, betont der Orthopäde. "Die Wahl der Therapie hängt auch davon ab, wo die Skoliose liegt und ob die Krümmung weiter voranschreitet."

Probleme kommen mit fortschreitendem Alter

Anfangs verursacht die Verkrümmung der Wirbelsäule kaum Schmerzen, die Folgen können jedoch heftig werden. Unbehandelt wird eine Skoliose meist immer schlimmer. Es kann sich sogar der Brustkorb deformieren, so dass Herz und Lunge nur noch eingeschränkt arbeiten können. Außerdem werden durch die Fehlstellung andere Gelenke über Gebühr belastet - es droht Arthrose.

Im höherem Alter kommt es vor allem bei einseitigen Belastungen immer öfter zu Schmerzen und Reizungen, meist in den Muskeln und Gelenken der Wirbelsäule. "Sitzt man den ganzen Tag nur im Büro, ist es umso wichtiger, dass man seine Muskeln auf und nach der Arbeit bewusst fordert", betont Mecher.

Verschiedene Therapien können helfen

Im frühen Stadium ist eine Skoliose gut zu behandeln. Verordnet wird meist Gerätetraining und Krankengymnastik. Über Jahre hinweg muss der Patient mehrfach in der Woche diszipliniert seine Übungen absolvieren und sich behandeln lassen. Eine Behandlungsmethode ist die Schroth-Therapie. Der Name geht auf Katharina Schroth zurück - eine Lehrerin, die selbst schwer an Skoliose erkrankt war. Sie behandelte ihre Wirbelsäulenverkrümmung selbst und entwickelte so ein neues Konzept der Physiotherapie.

Bei der Dorn-Therapie werden Gelenke und Wirbel sanft bewegt, damit sie möglichst wieder in ihre richtige Position gelangen. Diese alternative Heilmethode sollten Betroffene aber unbedingt vorher mit einem Orthopäden abklären.

Bei einer Physiotherapie trainieren Skoliose-Patienten die Muskeln, die den Rumpf umgeben. Mit einem guten Muskelkorsett bleibe die Wirbelsäule besser aufrecht, erklärt Physiotherapeutin Mecher. Neben der Krankengymnastik gehört Sport zum Pflichtprogramm für Betroffene. Am besten eignen sich Sportarten, bei denen der Körper im Wechsel belastet wird, etwa Klettern oder Inlineskaten. Auch Schwimmen ist gut. "Am besten Kraulen oder Brustschwimmen, aber kein Schmetterling", rät Mecher. Ungünstig sind Sportarten, die den Körper einseitig beanspruchen, beispielsweise Hockey.

Bei Operation wird ein Gestänge im Rücken verankert

In schlimmeren Fällen müssen die Patienten fast rund um die Uhr ein Korsett tragen - manchmal sogar über mehrere Jahre. Das Korsett fängt unter den Achseln an, umschließt das Becken und besteht aus festem Kunststoff. Es darf nur zur Körperpflege abgenommen werden

Das Korsett ist unbequem, aber immer noch besser als eine Operation. Bei einer Skoliose-OP wird die Haut am Rücken geöffnet, an geeigneten Stellen werden Haken oder Schrauben angebracht. Daran wird ein Gestänge befestigt, das dort ein Menschenleben lang bleiben kann.

"Dieses Gestänge drückt die Wirbelsäule in die gewünschte Position", erläutert Wirbelsäulen-Spezialist Eichhorn. In die ideale Form wird sie auch so nicht kommen, aber immerhin in eine deutlich bessere als zuvor. Da sich der Rücken damit aufrichtet, sind die Kinder nach der Operation mehrere Zentimeter größer als zuvor.

Die Operation ist jedoch eine heikle Angelegenheit - wichtige Nerven können verletzt werden. Hinzu kommt das übliche Risiko wie Infektionen oder Störungen bei der Wundheilung. "So etwas wird auch nur an Spezialzentren gemacht", erklärt Eichhorn. Nach der Operation seien die Patienten jedoch erstaunlich schnell schmerzfrei. Sie steht allerdings stets an letzter Stelle im Behandlungsplan.

Wirbelsäule wird nicht wieder gerade

Allgemein gilt: Mit den richtigen Behandlungen lässt sich das Fortschreiten des Skoliose aufhalten. Eine Heilung gibt es nicht. "Der Zustand der Wirbelsäule ist nicht mehr zu verbessern", sagt der Orthopäde Flechtenmacher. Umso wichtiger sind Früherkennung und Vorsorge.

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Kinderkrankheitenlexikon liefern Anhaltspunkte, können aber keinesfalls die Diagnose eines Kinderarztes ersetzen. Sicherheitshalber sollten Eltern auffällige Symptome bei ihrem Kind vom Arzt abklären lassen.

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