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Masern: 14-Jähriger stirbt an Spätfolgen von Masern

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Masern  

Im Wartezimmer angesteckt - 14-Jähriger stirbt an Folgen von Masern

13.06.2013, 18:08 Uhr | Matthias Benirschke, dpa

Masern: 14-Jähriger stirbt an Spätfolgen von Masern. Eine Impfung schützt vor Masern. (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)

Eine Impfung schützt vor Masern. (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa)

Ein Junge, der nicht gegen Masern geimpft war, steckte vor 14 Jahren im Wartezimmer eines Arztes andere kleine Patienten an. Nun ist in Nordrhein-Westfalen eins dieser Kinder an den Spätfolgen von Masern gestorben. Es ist schon der zweite Todesfall, der auf die Infektion von damals zurückgeht. Dies zeigt, wie wichtig die Masern-Impfung für Kinder ist.

Im Alter von fünf Monaten sei der Junge namens Michael im Wartezimmer eines Kinderarztes mit Masern infiziert worden, berichtete der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Zunächst habe er die Infektion scheinbar folgenlos überstanden, aber dann sei er vor neun Jahren an einer chronischen Maserngehirnentzündung erkrankt. Sie kann als Spätfolge von Masern auftreten und ist unheilbar. Der Junge habe nicht mehr laufen und sprechen können und sei in eine Art Wachkoma verfallen. Vor einigen Tagen sei der 14-jährige in Lage gestorben.

Wäre der Junge geimpft gewesen, könnten die anderen noch leben

Ein zweites damals infiziertes Kind, Natalie, war 2011 im Alter von 13 Jahren an den Folgen von Masern gestorben. Sie hatte sich zwölf Jahre zuvor in demselben Wartezimmer angesteckt. "Dort war ein Junge mit unklaren Symptomen, dessen Eltern eine Masern-Impfung abgelehnt hatten", sagt Martin Terhardt vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Der ältere Junge habe damals sechs Kinder angesteckt, darunter drei Säuglinge. "Wenn der Junge geimpft gewesen wäre, würden Natalie und Michael heute noch leben", ergänzte Terhardt.

Impfkalender 
Diese Impfungen werden für Kinder empfohlen

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Jahre nach Masern-Infektion können Gehirnentzündungen auftreten

Gehirnentzündungen sind eine gefürchtete Folge der Masern. Besonders gefährlich ist die SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis), die meist erst Jahre nach einer Infektion auftreten kann und Nervenzellen zerstört. "SSPE ist eine Zeitbombe", weiß Terhardt. "Der einzige Schutz davor ist die vorbeugende Impfung." Terhardt ist auch Mitglied der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (RKI), die in Deutschland Impfempfehlungen ausspricht.

Nach einer Studie der Universität Würzburg und des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist die Häufigkeit einer SSPE-Erkrankung deutlich höher als bislang angenommen. Die Studie ist aber noch nicht veröffentlicht. Nach alten Zahlen lag das Risiko, eine SSPE zu entwickeln, bei 1 zu 100.000, erläuterte Virologe Benedikt Weißbrich von der Uni Würzburg. Je jünger ein Mensch sei, desto größer sei wahrscheinlich auch das Risiko zu erkranken.

Ungewöhnliche Masern-Welle in Berlin

Der Berufsverband der Kinderärzte verweist auf zahlreiche aktuelle Masernausbrüche, zum Beispiel in Berlin. Nach Angaben des RKI wurden bis Ende Mai 2013 bundesweit fast 600 Masernfälle gemeldet. Die Zahl schwankt aber von Jahr zu Jahr sehr stark. 2012 gab es 165 gemeldete Fälle, 2011 waren es 1608. 2006 waren es sogar 2308. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sterben in Deutschland jährlich ein bis zwei Menschen an den Folgen der Masern.

Die neue Masern-Welle in Berlin ist ungewöhnlich. Mit 338 gemeldeten Erkrankungen seit Jahresbeginn seien es so viele Fälle wie noch nie seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes 2001, hieß es aus der Gesundheitsverwaltung. Während ansonsten zumeist Kinder erkranken, sind dieses Mal über die Hälfte der fast 340 Masern-Infizierten älter als 16 Jahre, ein Viertel sogar älter als 30 Jahre.

Impfschutz gegen Masern für Kinder und Erwachsene wichtig

Eine Impfung schützt vor Ansteckung. Auch Babys von immunisierten Müttern sind noch mehrere Monate nach der Geburt geschützt. Aber erst mit rund elf Monaten können die Kinder selbst gegen Masern geimpft werden, sagte Terhardt. Darum sollten Eltern und Betreuer immunisiert sein. Immer mehr Mütter seien allerdings nicht geimpft.

Der Impfexperte rät: "Alle nach 1970 Geborenen mit unklarem Impfstatus sollten sich unbedingt gegen Masern impfen lassen. In Orten, in denen die Masern grassieren, sollten die Eltern mit ihren Säuglingen am besten zu Hause bleiben."

National wie international wird die Ausrottung der Masern angestrebt. Das ist nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation aber nur mit Durchimpfungsraten über 95 Prozent bei den zwei notwendigen Masernimpfungen zu erreichen. Auch Deutschland schafft diese Quote nur bei der ersten Impfung. Ärzte warnen deshalb weiter davor, Masern nicht als harmlose Kinderkrankheit abzutun.

Welche Impfungen in Deutschland für Kinder empfohlen werden, zeigt der Impfkalender der Robert-Koch-Instituts.

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