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NDR "Unter Lehrern": Viele Lehrer gehen täglich an ihre Grenzen

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NDR "Unter Lehrern":  

Viele Lehrer gehen täglich an ihre Grenzen

05.06.2013, 13:07 Uhr | rev, t-online.de

NDR "Unter Lehrern": Viele Lehrer gehen täglich an ihre Grenzen. "Unter Lehrern": NDR-Moderatorin Anja Reschke als Aushilfslehrerin in Hamburg. (Quelle: NDR)

NDR-Moderatorin Anja Reschke als Aushilfslehrerin in Hamburg. (Quelle: NDR)

"Lehrer? Sind das nicht die, die zwölf Wochen Ferien haben, nachmittags frei und immer nur jammern?" Diesen Vorurteilen setzt die NDR-Dokumentation "Unter Lehrern" aus der Reihe "Panorama - die Reporter" ein erschreckendes Bild entgegen. Über fünf Wochen besuchte Moderatorin Anja Reschke als assistierende Lehrerin eine Hamburger Stadtteilschule. Was sie dort erlebte, veränderte ihre Vorstellung von Schule grundlegend.

Unterricht in einer Problemklasse

Der Lautstärkepegel ist riesig. In der Klasse 6b geht es gerade um bestimmte und unbestimmte Artikel. Man könnte meinen, ein leichtes Thema für eine sechste Klasse. Doch in dieser Klasse befinden sich 22 Schüler aus mindestens zehn unterschiedlichen Nationen - darunter sechs Inklusionsschüler. Die sind nicht körperlich oder geistig behindert, sie haben Lern- und Aufmerksamkeitsschwächen oder sozial-emotionale Defizite.

Während der eine nicht mal die einfachsten grammatikalischen Grundlagen beherrscht, ist der nächste nicht in der Lage, sich drei Minuten am Stück zu konzentrieren. Während ein leistungsstarker Schüler in kürzester Zeit die Aufgaben bearbeitet hat, sitzt ein anderer vor seinem Arbeitsblatt ohne eine Ahnung, was er damit machen soll. Obendrein befinden sich die Kinder alle in der Pubertät. Anja Reschke, die als Hilfslehrerin die zuständigen Pädagogen mehrere Wochen unterstützt, merkt schnell, dass es für die Lehrer eigentlich unmöglich ist, die Klassen in den Griff zu bekommen und jedem Schüler ausreichend zu helfen.

Die Lehrer können niemals allen Schülern gerecht werden

Seit 2010 ist Inklusion in Deutschland Gesetz. Sonderschüler sollen nicht mehr ausgegrenzt werden, sondern an normalen Schulen mit unterrichtet werden. Sieht man, wie in der Klasse 6b gute Schüler schwächere Klassenkameraden unterstützen, gewinnt man einen Eindruck, wie es erfolgreich in der Praxis aussehen könnte. Allerdings ist die Zahl der starken Schüler gering und die Leistungsunterschiede innerhalb der Klasse sind enorm. Zudem wurden die Lehrer in ihrer Ausbildung nie auf Schüler mit sozialen Störungen oder Aufmerksamkeitsdefiziten vorbereitet.

In einer Stadtteilschule wie jener in Hamburg-Wilhelmsburg müssen die Kinder genommen werden - mit allen ihren Defiziten. Gerade darum soll es gehen: Die Schüler so zu nehmen, wie sie sind, sich Zeit für jeden einzelnen zu nehmen. Ein realitätsfremdes Ideal, glaubt auch der Direktor der Gesamtschule: "Ich habe große Zweifel, dass wir allen Schülern gerecht werden."

"Mein Sohn hat doch niemanden ermordet"

Die Lehrer schwieriger Schulklassen wie der 6b haben nicht nur mit Leistungsdefiziten und schlechten Noten zu kämpfen. Ein Großteil ihrer Arbeit ist Erziehungsarbeit. In vielen Fällen müssen sie jene Aufgaben erledigen, die von den Eltern der Schüler versäumt wurden. Eine Lehrerin der Schule berichtet: "Ich hatte ein Elterngespräch, in dem uns der Vater angemotzt hat, was uns einfiele ihn herzuholen. Der Sohn habe doch niemanden ermordet, niemanden geschlagen und nichts beschädigt."

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In einer Englischstunde erlebt Reschke erstmals, wie es ist, wenn die Unruhe in der Klasse so sehr eskaliert, dass überhaupt kein Unterricht mehr möglich ist. Sie gibt zu: "Ich bin zum ersten Mal wirklich genervt von diesen Kindern." Und gesteht sich selbst ein: "Ich fühle mich wie ein Versager, ich habe nichts in der Hand, ich bin nicht mehr Herr der Lage." Die Moderatorin erlebt eine Situation, der Lehrer regelmäßig ausgesetzt sind, ohne die Möglichkeit etwas dagegen zu unternehmen. Denn: Druckmittel wie das "Sitzenbleiben" wurden in Hamburg abgeschafft.

Frust herrscht auf beiden Seiten

Dass Lehrer zwischen schleppender Wissensvermittlung und aufreibender Erziehungsarbeit - die sogar Hausbesuche bei Eltern einschließt - an ihre Grenzen gelangen, ist verständlich. "Lehrer sind nicht deshalb schlecht, weil sie Schülern Übles wollen, sondern weil sie es einfach nicht besser können", springt ihnen Reschke bei. "Pädagogik nimmt in der Lehrerausbildung einfach einen zu kleinen Teil ein."

Die Frage, ob sie nach ihren bisherigen Erfahrungen noch diesen Beruf wählen würde, verneint eine der Lehrerinnen ohne zu zögern: "Ich liebe die Arbeit mit den Kindern, aber ich würde keine Lehrerin mehr werden." Damit ist sie keine Ausnahme. Doch Frust und Resignation herrschen nicht nur unter den Lehrern. "Die Schule ist scheiße!" ist der Tenor unter vielen Schülern, die mit den Anforderungen überfordert sind und denen Voraussetzungen fehlen, die eigentlich im Elternhaus geschaffen werden müssten.

Neue Ideen, altes System

Am Ende ihrer "Schulzeit" hat Anja Reschke nicht den Glauben an die Idee der Inklusion verloren, weil sie gesehen hat, wie Schüler dadurch voneinander lernen können. Doch die Journalistin ist sich sicher, dass Schule sich weiter verändern muss. Man versuche immer nur, neue Herausforderungen in ein altes System zu pressen - die Schüler profitierten viel zu wenig davon und die Lehrer reibe es ganz offensichtlich auf.

Hier lässt sich die Sendung nachträglich anschauen.

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