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Mutter-Tochter-Beziehung  

Mutter-Tochter-Beziehung - zwischen Liebe und Konflikt

27.02.2015, 18:41 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Mutter-Tochter Beziehung- zwischen Liebe und Konflikt. Mutter und Tochter haben oft ein ganz besonderes Verhältnis. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mutter und Tochter haben oft ein ganz besonderes Verhältnis. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für ein Kind ist die Mutter immer die erste große Liebe. Die körperliche Verbundenheit durch die Schwangerschaft und die enge Bindung im Kleinkindalter legen den Grundstein zu einer großen Vertrautheit. Doch diese bedingungslose Nähe kann sich gerade zwischen Müttern und Töchtern drastisch verändern, wenn die süßen Kleinen beginnen flügge zu werden. Wie Mütter erreichen können, dass das Verhältnis zu ihren Töchtern trotz schmerzhafter Konflikte langfristig keinen Schaden nimmt, erläutert eine Expertin.

Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist etwas ganz Besonderes. Die Psychologie nennt sie auch die "Mutter aller Beziehungen" und charakterisiert sie als die komplexeste zwischenmenschliche Bindung überhaupt, die sich im Laufe des Lebens in einem großen Spannungsfeld zwischen Liebe, Fürsorge, Anerkennung, Stolz, Neid, Abhängigkeit und Eifersucht bewegt.

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In der frühen Kindheit ist die Mutter das große Ideal

Zunächst identifizieren sich Mädchen vollkommen mit ihrer Mutter. Sie ahmen ihre Mamas nach, schlüpfen in ihre viel zu großen Schuhe, probieren Mamas Schminke aus und machen Modenschau mit ihren Kleidern. Kleine Töchter möchten sein wie ihr großes Vorbild.

Im weiteren Verlauf der Kindheit sind dann allerdings Reibungspunkte möglich: "Ab dem Kindergartenalter kann es zum ersten Mal spannungsreicher zwischen Mutter und Tochter werden", erklärt die Sozialpädagogin und Erziehungswissenschaftlerin Professor Renate Zwicker-Pelzer von der Deutschen Gesellschaft für Systematische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF). "Das passiert vor allem dann, wenn die Töchter zu brav und schüchtern oder zu trotzig und penetrant sind und nicht dem Mädchen-Ideal ihrer Mütter entsprechen. Doch diese Konflikte sind sehr einseitig und werden noch nicht offen ausgetragen."

Pubertät: Suche nach der eigenen Identität

Das ändert sich drastisch in der Pubertät. Plötzlich beginnt die Tochter zu rebellieren, lehnt ihre Mutter ab und findet sie peinlich. Sie ist nun auf der Suche nach dem eigenen Ich, will sich um jeden Preis abgrenzen und kämpft um ihr Ansehen als unabhängige Persönlichkeit.

Gleichgültig wie liebevoll das Verhältnis vorher war, wollen Töchter in dieser Zeit meist nur eins, nämlich "nicht so wie Mama sein" - eine völlig natürliche Abnabelungsreaktion auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Da können schon beiläufige Fragen der Mutter zum Outfit wie "willst du dich nicht noch umziehen?" oder "müsstest du nicht mal wieder zum Friseur?" die Tochter zur Weißglut bringen, weil sie sich kritisiert und gegängelt fühlt und die mütterliche Fürsorge als Kontrolle missversteht.

"In der Pubertät", kommentiert Zwicker-Pelzer, "geht es ja eigentlich um das Ringen um Ebenbürtigkeit, um einen Konflikt auf Augenhöhe zwischen Mutter und Tochter." Und dieser Kampf werde in den letzten 15 bis 20 Jahren oftmals besonders intensiv geführt, da die Mütter heute häufig sehr jugendlich aussähen und sich äußerlich kaum noch von ihren Töchtern unterscheiden würden, ergänzt die Expertin: "Das ist ein Konkurrenzphänomen, das es den Töchtern sehr schwer macht, sich abzugrenzen, sich zu befreien und sich selbst zu finden. Irgendwie wird den Mädchen dadurch auch das Recht auf Pubertät geraubt."

Besonders Mütter leiden unter den Spannungen

Bei Auseinandersetzungen in dieser Phase sind meist die Töchter die Aktiveren, die unter Umständen massiv gegen die in ihren Augen erdrückende Dominanz und Fürsorge ihrer Mutter rebellieren. Ihre Gefühle wie etwa Wut oder Trauer äußern die jungen Frauen in solchen Situationen zwar sehr heftig, reagieren dabei aber sehr unspezifisch und wollen zumeist auch nicht die Konflikte reflektieren, geschweige denn mit ihrer Mutter darüber reden.

Zurück bleiben häufig verletzte Mütter, die sich abgewertet fühlen und durch die Streitereien mit ihren einstmals kleinen süßen Mädchen Emotionen wie Enttäuschung, Trauer, Zorn, aber auch Eifersucht durchleben. "Das Problem ist, dass viele Mütter zwar sehr leiden, jedoch nicht kämpfen", kommentiert Zwicker-Pelzer. "Sie sitzen dann auf einem riesigen Gefühlspolster, aber die eigene Tochter versteht sie nicht und will sich auch nicht kognitiv mit ihr auseinandersetzen, hat keinen Gesprächsbedarf. Das ist ein Wahnsinnsdilemma für eine Mutter." Die Folge: Viele Mütter ziehen sich in der spannungsgeladenen Phase unsäglich betrübt und resigniert zurück und laufen nicht selten auch Gefahr depressiv zu werden.

Väter können Mutter-Tochter-Konflikte oft abmildern

Besonders explosiv kann die Beziehung zwischen Mutter und Tochter werden, wenn der Vater nicht in der Familie präsent ist. Dann fehle, erklärt die Erziehungswissenschaftlerin, eine wichtige Projektionsfläche.

"Sobald ein Vater in dieser schwierigen Zeit parat ist, ist das oft eine riesige Erleichterung und das Ganze fährt erfahrungsgemäß in ein ruhigeres Fahrwasser", so die Expertin. "Die Umleitung über den anderen Elternteil ist dann sehr fruchtbar, vor allem wenn es um normative Themen wie etwa Ausgehen am Abend, Zuspätkommen oder Alkohol geht." Väter seien eben meist nicht so eng wie Mütter mit ihrem Nachwuchs vernabelt und könnten deshalb häufig mit Konflikten gelassener umgehen.

Gelassenheit und Fingerspitzengefühl helfen

Was aber kann man tun, damit ein über eine längere Phase schwieriges Mutter-Tochter-Verhältnis nicht auf Dauer großen Schaden nimmt? Hier sei es vor allem an den Müttern, die richtigen Weichen zu stellen und gerade in den Augenblicken, in denen mal wieder die Funken sprühen, den Ball flach zu halten und die Gelassenheit aufzubringen, Konfliktsituationen einfach auszuhalten, so der Rat von Sozialpädagogin Zwicker-Pelzer: "Außerdem sollen Mütter beim Streiten ruhig ihre Gefühle offen und genau ausdrücken, zum Beispiel 'ich bin auch traurig', 'ich bin ratlos' oder 'mir geht es nicht gut' sagen. Dann erreichen sie wahrscheinlich ihre Töchter."

Damit aber eine nachhaltige Annäherung möglich wird, auch wenn die pubertierenden Mädchen fast ständig auf Konfrontationskurs gehen und sich wegen jeder Kleinigkeit angegriffen fühlen, müssten gerade die Mütter an sich selbst arbeiten und mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen, rät die Expertin weiter: "Mütter sollten am besten die jeweilige Situation erst mal so entspannt wie möglich auf sich zukommen lassen, dabei aber auch alles sorgfältig beobachten und schon kleinste Signale wahrnehmen. Wenn die Kinder dann reden wollen, sollten ihre Mütter die Gelegenheit ergreifen und es als Einladung sehen, ins Gespräch zu kommen, ohne sich dabei allerdings gleich zu entschlacken oder ungefragt Ratschläge zu erteilen." Dann könne es nämlich passieren, dass der Nachwuchs wieder wütend reagiere und sich sofort zurückziehe.

Statt Worte: Verbundenheit leben

Doch Beziehungspflege zwischen Mutter und Tochter muss nicht immer nur über Kommunikation funktionieren: Gemütlich zusammen zu sitzen, vielleicht einen Film zusammen anzuschauen, spazieren zu gehen oder gemeinsam einzukaufen, kann schon erheblich Spannungen abbauen und mehr Nähe zwischen den Kontrahentinnen schaffen. "Man kann Beziehung auch über wenig Worte leben. Es gibt so viele andere Möglichkeiten, Verbundenheit zu leben. Um gut miteinander auszukommen, muss dabei auch nicht jeder Konflikt ausgeräumt sein", erläutert Zwicker-Pelzer.

Als Trost gibt die Erziehungswissenschaftlerin allen geplagten Müttern mit auf den Weg: "Miteinander zu kämpfen und sich zu reiben, ist ja eigentlich ein Liebesbeweis - man bleibt so verbunden. Ich kämpfe ja nur mit jemandem, der mir etwas wert ist und der mich nicht ignoriert. Und gerade Kinder in der Pubertät brauchen einen Resonanzboden, wo Spannungen und Konflikte eine natürliche Gelegenheit bieten, miteinander zu raufen und sich dabei aber trotzdem nicht zu verlieren."

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