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Medienkompetenz  

Smartphones an Schulen - verbieten oder sinnvoll nutzen?

27.02.2015, 10:44 Uhr | dpa, t-online.de

Schüler: Smartphones an Schulen - verbieten oder sinnvoll nutzen?. In den meisten Schulen herrscht Handyverbot - dabei können Smartphones und Tablet-PCs sinnvoll in den Unterricht einbezogen werden. (Quelle: imago)

In den meisten Schulen herrscht Handyverbot - dabei können Smartphones und Tablet-PCs sinnvoll in den Unterricht einbezogen werden. (Quelle: imago)

Handys, beziehungsweise Smartphones sind ständige Begleiter von Jugendlichen - klar, dass sie sich in der Schule nicht davon trennen wollen. Handyverbot auf dem Schulgelände ist deshalb immer wieder ein Streitthema. Medienexperten raten dazu, die neuen Medien generell stärker in den Unterricht einzubeziehen - auch für Smartphones gebe es sinnvolle Einsatzmöglichkeiten im Schulalltag.

Schon in der fünften Klasse packen Schüler ihr Smartphone so selbstverständlich in den Ranzen wie das Pausenbrot und die Trinkflasche. Laut der KIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest - KIM steht dabei für Kinder und Medien, Computer und Internet - gibt es immer mehr Smartphones in Kinderhänden. Demnach besitzt inzwischen jeder vierte Schüler zwischen sechs und 13 Jahren ein Smartphone. Bei den Zwölfjährigen ist es schon jeder zweite. Für die repräsentative Studie sind 1200 Kinder und deren Eltern befragt worden.

Der Branchenverbande Bitkom hat in einer Umfrage die Handy-Nutzung älterer Schüler ermittelt. Demnach haben 92 Prozent der 14- bis 19-Jährigen ihr Handy in der Schule dabei. Sie hören Musik und chatten, recherchieren aber auch Lösungen oder fotografieren Tafelbilder.

UMFRAGE
Smartphones an Schulen - verbieten oder in dern Unterricht einbeziehen?

Offiziell allerdings ist 66 Prozent der Jugendlichen die Nutzung von Mobiltelefonen im Unterricht untersagt. 18 Prozent berichten gar von einem generellen Handyverbot in ihrer Schule. Aber: Langfristig kann das Smartphone nicht von den Schulfluren verbannt werden, darüber sind sich Experten einig.

So bereichern neue Medien den Unterricht

Auf der Bildungsmesse Didacta in Hannover demonstrieren zahlreiche Aussteller derzeit, welche Vorteile neue Medien für Unterricht und Schulorganisation haben können.

Das "Digitale Schwarze Brett" zum Beispiel wird nach Angaben des Unternehmens Heinekingmedia bereits in etwa 6500 Schulen genutzt, rund 700.000 Mal wurde die dazugehörige App heruntergeladen. "Die Schüler können so morgens auf ihrem Smartphone den Vertretungsplan anschauen und erfahren nicht erst in der Schule, dass die erste Stunde ausfällt", sagt Geschäftsführer Andreas Noack.

Auch die Schulbuch-Verlage haben längst Apps für das virtuelle Klassenzimmer entwickelt. Die digitalen Inhalte könnten den Unterricht erweitern und Schülern wenigstens teilweise das Schleppen von Büchern ersparen. Voraussetzung ist allerdings, dass die entsprechenden Geräte zur Verfügung stehen und sie von den Lehrern bedient werden können.

Beim Einsatz digitaler Medien in Schulen ist Deutschland noch ein Entwicklungsland. Laut der KIM-Studie 2014 nutzen gerade einmal 30 Prozent der sechs- bis 13-jährigen Schüler einen Computer oder ein Laptop in der Schule. Und dies auch nur gelegentlich.

"Das Thema Smartphones gehört in den Unterricht hinein"

Der Kölner Lehrer André Spang koordiniert das Tablet-Projekt seiner Schule und stellt Entwürfe für einen papierfreien Unterricht ins Netz. Er kritisiert, dass Lehrer bei der Nutzung Neuer Medien alleingelassen würden und fordert eine bessere Grundausstattung an den Schulen. "Das Thema Smartphones gehört unaufgeregt in den Unterricht hinein. Die neuen Medien sind im Alltag überall, nur die Schule fällt da raus", kritisiert Spang.

Schülervertretungen wollen Handyverbot kippen

Dieses Missverhältnis macht viele Jugendliche wütend. Der Landesschülerrat Sachsen etwa liefert Argumentationshilfen unter der Überschrift "Generelles Handyverbot an Schulen?! Nicht mit uns!". Die Schüler der Theodor-Storm-Schule in Husum an der Nordsee haben mit monatelangen Protesten eine Lockerung der "Mediennutzungsregelung" erzielt. "Ein Verbot ist überflüssig. Man sollte eher durch Prävention vor Cybermobbing und ähnlichem schützen und den Umgang mit neuen Medien erlernen", sagt Schülersprecher Jan Perner.

Es ist ein Vorurteil, dass Schüler ihre Smartphones nur dazu nutzen, Nachrichten und Fotos an Freunde zu verschicken und Beiträge auf Facebook zu "liken" und zu kommentieren. Genauso gibt es gut organisierte Hausaufgaben- und Nachhilfe-Netzwerke von Schülern, die sich gegenseitig per What'sApp Physikformeln und Grammatikregeln erklären.

Über Risiken aufklären, statt Smartphones verbieten

Das Handy hilft beim Schummeln, Gewaltvideos werden auf dem Schulhof gemeinsam angeschaut, Nacktfotos von Schülerinnen sind im Umlauf: Häufig kommen nur die negativen Aspekte in die Schlagzeilen. Kinder müssen informiert und aufgeklärt werden über das Recht am eigenen Bild, die Vertraulichkeit des Wortes und Urheberrechtsfragen. Viele wissen nicht, wann sie in einen strafbaren Bereich kommen", sagt Birgit Kimmel, pädagogische Leiterin der EU-Initiative Klicksafe. Nicht alle Eltern seien dazu in der Lage, ihre Kinder zu beraten.

Ältere Schüler als Medienscouts

Die Expertin sieht daher die Schulen in der Verantwortung, Präventionsprojekte zu etablieren. Besonders gut funktioniere dies, wenn Jugendliche als Medienscouts Gleichaltrige und Jüngere beraten, sagt Kimmel: "Die Älteren sind dann Ansprechpartner bei der Nutzung von Handys, aber auch bei Problemen wie Mobbing oder Sexting."

Fakten aus der Bitkom-Umfrage zur Handynutzug an Schulen

  • Neun von zehn Schülern zwischen 14 und 19 Jahren nehmen ihr Smartphone mit in die Schule.
  • 87 Prozent nutzen das Smartphone vor allem zum Musikhören.
  • 74 Prozent fotografieren Tafelbilder vom Unterricht.
  • 70 Prozent chatten mit anderen Schülern oder lesen Nachrichten in sozialen Netzwerken.
  • 56 Prozent suchen während des Unterrichts Informationen zum Lerninhalt.

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