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Sinus-Jugendstudie 2015: "Mainstream" ist angesagt

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Sinus-Jugendstudie 2015  

Jugendliche sind heute angepasste Streber statt Revoluzzer

27.04.2016, 13:39 Uhr | dpa, t-online.de

Sinus-Jugendstudie 2015: "Mainstream" ist angesagt. Kids wollen einfach so sein "wie alle anderen". (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kids wollen einfach so sein "wie alle anderen". (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Ergebnis der Sinus-Jugendstudie 2015 überrascht: Noch nie seit der Nachkriegszeit waren Jugendliche so wenig rebellisch wie heute. Sie sind strebsam, pragmatisch und fast schon überangepasst. Somit unterscheiden sie sich kaum von ihren Eltern.

Für soziale Absicherung nähmen Teenager eine noch größere Nähe zur Welt der Erwachsenen in Kauf als die "Generation Golf" vor ihnen. So interpretiert Jugendforscher Klaus Hurrelmann das Ergebnis der heute vorgestellten Studie. "Das geht schon in Richtung Überanpassung."

Projektleiter Marc Calmbach sieht die Anpassung der Teenager auch als Reaktion auf Erwachsene, die sich immer jugendlicher geben. "Das ist die erste Generation, in der Eltern und Kinder die selbe Musik hören und Mütter ihre Töchter nach Mode-Blogs fragen", sagt er.

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Anpassung statt Revolution: Was halten Sie von den Ergebnissen der Sinus-Studie?

Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit

"Der Begriff 'Mainstream' ist bei den meisten Jugendlichen kein Schimpfwort mehr" bestätigt die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), die zu den Auftraggebern gehört.

Sozialwissenschaftler werten den ungewöhnlichen Kuschelkurs der Jugendlichen nicht als Bequemlichkeit. Sie deuten die spürbare Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit vielmehr als eine Reaktion auf Wirtschaftskrisen, Terrorgefahr und eine unübersichtlichere, globalisierte Welt. Doch der Kuschelkurs hat seine Schattenseiten. "Es ist eine Jugend mit verhältnismäßig wenig Freiraum", urteilt Hurrelmann.

Wertschätzung für das "gute Leben" in Deutschland

Es gebe kaum noch große Jugend-Subkulturen, die sich abgrenzen und provozieren. Viele Teenager, mit und ohne Migrationserfahrung, wollen sein "wie alle". Die Mehrheit sei überzeugt, dass nur ein Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten das "gute Leben" garantieren könne, das man in Deutschland habe, kommentiert die DKJS.

Auch die Ablehnung von Gewalt eint die befragten Jugendlichen aus allen Bildungsschichten. Besonders bei Muslimen sei die Distanzierung vom radikalem Islamismus zu spüren, sagt Projektleiter Marc Calmbach.

"Die Jugend" gibt es dennoch nicht: Es bleiben Gruppierungen von Konservativen über Ökos und der Spaßfraktion bis hin zu Frustrierten, die sich abgehängt fühlen.

Das sind die wichtigsten Werte der Jugend

Oben auf der Prioritätenliste stehen Gemeinschaft, Familie, Sicherheit und Wohlstand. Dazu kommen Freiheit, Toleranz und soziale Werte. Für die Planbarkeit von Leben und Karriere nehmen Jugendliche klassische preußische Tugenden wie Pflichterfüllung in Kauf. Was nicht heißt, dass sie auf Ich-Fixierung, Spannung, Spaß und Risiko bis zur Ekstase verzichten. "Hart feiern, aber gute Noten", lautet ein Credo.

Aufsteigen statt absteigen gehört zu den zentralen Motiven dieser ehrgeizigen jungen Generation. Die Überzeugung, abgehängt zu werden, wenn es in der Schule nicht rund läuft, hat sich weiter verstärkt. Mit der Konsequenz, dass sich eine Minderheit ausgegrenzt fühlt.

Pragmatische Einstellung zur Zuwanderung

Anders als in der Welt der Erwachsenen ist die Sorge vor Zuwanderung kein großes Thema. Teenager zeigen eher Mitgefühl mit Flüchtlingen. Dazu kommt ein Pragmatismus, den die Forscher der jungen Generation generell attestieren. Zuwanderung finden viele Jugendliche nur so lange akzeptabel, wie die Kapazitäten für eine gelungene Integration ausreichen. Ressentiments gegen Flüchtlinge fanden sich bei der Befragung auch - allerdings waren das häufig Stereotypen, die Teenager vom Hörensagen kannten.

Die Wissenschaftler erklären sich die Offenheit auch mit der multi-ethnischen Wirklichkeit, in der viele Jugendliche heute aufwachsen, vor allem in großen Städten.

Kein Leben ohne Internet und Smartphone

Für Teenager gilt: Leben heißt "online sein". Ohne soziale Medien fühlen sie sich ausgegrenzt. Die bedingungslose Faszination beginnt allerdings zu bröckeln: Der Umgang mit neuen Medien ist zunehmend kritisch und selbstbestimmt. Das gilt insbesondere für die Herausgabe persönlicher Daten.

Die Jugend ist wunschlos glücklich mit Smartphones und Tablets. Damit ist aber auch ein Sättigungseffekt eingetreten: Die ersten sehnen sich bereits nach Entschleunigung. Aus der digitalen Dynamik flüchten sie zeitweise in eine Offline-Sozialromantik, entdecken beispielsweise das Gärtnern und Kochen für sich. Das heißt aber nicht, dass sie sich bei Facebook abmelden.

Liebe fürs Leben finden und Familie gründen

Es gibt einen breiten Konsens, dass Vertrauen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit zentrale Voraussetzungen für eine Partnerschaft sind. Der große Wunsch ist eine stabile Beziehung bis spätestens Mitte 30. Auch der Wunsch nach einer eigenen Familie ist früh da. Viele Jugendliche koppeln die Idee aber an einen sicheren Job und guten Lebensstandard.

72 Jugendliche interviewt

Zum dritten Mal seit 2008 haben Jugendforscher 14- bis 17-Jährige im vergangenen Jahr nach ihren Meinungen und Gefühlen gefragt.

Die Ergebnisse der Sinus-Studie basieren auf langen und persönlichen Interviews mit 72 Teenagern aus verschiedenen Milieus, wie Projektleiter Calmbach erläuterte. Die Forschung schätzt diese Methode wegen ihrer Tiefenschärfe als seriös ein. Für die repräsentative Befragungen der Shell-Jugendstudie werden weit mehr Jugendliche interviewt.

Jugend in sieben Kategorien unterteilt

Die Jugend als homogene Gruppe gibt es in der Sinus-Studie nicht. Die Forscher unterscheiden zwischen verschiedenen Milieus:

  • konservativ-bürgerlich: Diese Jugendlichen sind bodenständig und traditionsbewusst, familien- und heimatorientiert. Ihre wichtigsten Werte sind Gemeinschaft, Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, Familie, Geselligkeit und - insbesondere bei muslimischen Jugendlichen - religiöse Tugenden.
  • sozial-ökologisch: Die Maximen, nach denen diese Jugendlichen ihr Leben ausrichten wollen, sind Demokratie, Freiheit, Pazifi smus, Toleranz, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung aller Lebensweisen, Sorgsamkeit gegenüber Mensch, Tier und Umwelt sowie Nachhaltigkeit.
  • erfolgs- und lifestyle-orientiert: Diese Gruppe ist einerseits getrieben vom Wunsch nach Selbstverwiklichung und Selbstentfaltung, strebt aber auch ehrgeizig und zielstrebig nach Karriere und Erfolg.
  • adaptiv-pragmatisch: Diese Gruppe zeigt die höchste Anpassungsbereitschaft. Es ist der leistungs- und familienorientierte Mainstream. Die Jugendlichen schätzen bürgerlichen Grundwerte
    und Tugenden wie Ehrlichkeit, Respekt, Vertrauen, Pünktlichkeit
    und Fleiß, aber auch Freiheit, Offenheit, Unvoreingenommenheit, Spaß und Humor.
  • experimentalistische Nonkonformisten: Sie sind spaß- und szeneorientiert. Ihre Werte sind Freiheit, Individualität, Selbstverwirklichung, Spontaneität, Kreativität, Risikobereitschaft, Spaß, Genuss und Abenteuer. Diese Gruppe von Jugendlichen setzt sich am stärksten von den bürgerlichen Werten ab.
  • freizeit- und konsumorientierte Unterschicht: Für sie sind Materielle Dinge wie Shopping, Party, Geld und Urlaub "die coolsten Sachen der Welt". Gleichzeitig dient vielen das häufig traditionelle Familienmodell der Eltern als Vorbild. Die Familie gibt Sicherheit, mit den Freunden wird das Bedürfnis nach "Fun und Action" ausgelebt.
  • Jugendliche aus prekären Verhältnissen: Sie erleben früh die erste Brüche im Leben, beispielweise zerrüttete Familienverhältnisse, Armut, Kriminalität oder Schulverweis. Sie sind um Orientierung und Teilhabe bemüht und entwickeln oft eine Durchbeißermentalität.

Zu den Partnern der Studie gehören unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung.

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