07.02.2013, 14:29 Uhr | rev; sca, t-online.de
Zeugnis: Geld als Belohnung für gute Schulnoten? Pädagogen raten davon ab. (Quelle: imago)
In diesen Wochen bekommen Kinder in Deutschland ihre Zeugnisse. Für viele Schüler mit guten Schulnoten bedeutet das ein kleines oder auch größeres zusätzliches Taschengeld - andere jedoch bekommen nichts. Geld als Belohnung ist in vielen Familien absolut üblich, aber es gibt auch Eltern, die das strikt ablehnen. Welcher Weg ist aus Erziehungssicht der bessere?
Ein Großteil der Erziehungsexperten steht Geldprämien zum Beispiel für besonders gute Noten auf dem Zeugnis skeptisch gegenüber. Ein Problem ist die Ungleichbehandlung der Schüler. Kinder mit schwächeren Noten werden gewissermaßen doppelt bestraft: Zu Hause setzt es in vielen Fällen nicht nur eine Standpauke, sondern sie gehen zudem auch noch leer aus, während Mitschüler womöglich schon bald mit ihren Anschaffungen prahlen, die sie mithilfe ihrer Zeugnis-Belohnung finanziert haben. Noch kritischer sieht es in Familien mit mehreren Kindern aus: Gelingt es einem Kind ohne große Schwierigkeiten Bestnoten zu erreichen und das andere muss sich bereits für durchschnittliche Noten gehörig anstrengen, stellt sich die Frage, ob es fair ist, das erste besser zu belohnen. Sinnvoller ist es stattdessen, die Anstrengungen beider Kinder - unabhängig von den konkreten Noten - beispielsweise mit einem gemeinsamen Ausflug oder einem Besuch in der Eisdiele zu honorieren.
Eltern greifen tiefer in die Tasche: 6- bis 13-Jährige erhalten durchschnittlich 27,18 Euro monatlich, wie aus einer Studie hervorgeht. zum Video
Doch das Bonus-Taschengeld wird von Pädagogen auch noch aus einem anderen Grund abgelehnt: "Kürzungen etwa als Bestrafung für schlechte schulische Leistungen oder kurzzeitige Erhöhungen als Belohnung verhindern den Lerneffekt des selbstverantwortlichen Umgangs mit Geld", erklärt dazu Helmut Popp vom Nürnberger Jugendamt gegenüber Welt Online. Für Kinder ist es wichtiger den regelmäßigen Umgang mit Geld zu verinnerlichen als das Prinzip, dass Leistung eine Belohnung mit sich bringen kann. Dabei übernimmt das Taschengeld eine ganz entscheidende Rolle.
Im Hinblick auf die Finanzen im späteren Leben kann der Umgang mit Taschengeld eine wichtige Lernlektion für Kinder sein. Sie lernen, was teuer und billig ist, machen die Erfahrung, dass Geld schnell ausgegeben sein kann, wenn man es sich nicht einteilt und lernt Entscheidungen zu treffen: Ist eine Anschaffung sinnvoll und nötig oder nicht? Frühes Taschengeld "garantiert zwar nicht, dass sie als Jugendliche nicht auch mal Fehler bei finanziellen Entscheidungen machen, aber die Anfälligkeit dafür sinkt durch den rechtzeitigen Umgang mit frei verfügbarem Geld enorm“, sagt Jörg Lampmann, Leiter einer Erziehungsberatungsstelle in Hamburg im Gespräch mit welt.de. Der Übungseffekt tritt aber nur ein, wenn Eltern wichtige Regeln einhalten.
Ältere Kindergartenkinder ab vier oder fünf Jahren sollten circa 50 Cent Taschengeld erhalten, mit dem sie zum Beispiel Süßes, ein Eis im Sommer oder kleine Spielsachen finanzieren. Die Beträge sollten dann langsam steigen. Bei der Einschulung sollten es dann bereits 1,50 Euro bis zwei Euro pro Woche sein. Mit zehn Jahren empfehlen Experten einen monatlichen Betrag von etwa 12,50 Euro festzulegen. Bei Jugendlichen kann man "beispielsweise eine bestimmte Summe im Monat in eine Dose stecken, von der es sich Hosen und Pullover kaufen darf. Im Geschäft kann das Kind dann frei entscheiden: Möchte ich lieber zwei günstige Hosen oder einen etwas teureren Pullover kaufen?", verdeutlicht König. Man müsse dann allerdings auch damit umgehen können, dass das Kind einen Winter lang in der Sommerjacke herumläuft, weil es sich im Herbst lieber eine Markenjeans leisten wollte. Die deutschen Jugendämter empfehlen folgende Beträge:
Alter | Taschengeld |
4 - 5 Jahre | 50 Cent wöchentlich |
6 - 7 Jahre | 1,50 bis 2 Euro wöchentlich |
8 - 9 Jahre | 2 bis 2,50 Euro wöchentlich |
10 -11 Jahre | 13 bis 15 Euro monatlich |
12 -13 Jahre | 18 bis 20 Euro monatlich |
14 -15 Jahre | 23 bis 26 Euro monatlich |
16 -17 Jahre | 32 bis 42 Euro monatlich |
18 Jahre | 62 Euro monatlich |
Unabhängig von der Höhe des Taschengeldes ist es wichtig, dass klare Regeln zum Verwendungszweck des Taschengelds vereinbart werden. "Man kann beispielsweise verabreden, dass man dem Kind Schulsachen wie Stifte und Blöcke kauft, dass es sie aber selbst ersetzen muss, wenn es sie verliert", schlägt König vor. Bei der Bemessung des Taschengelds sollte man ein bisschen großzügig sein. "Kosten die Klebebildchen, die ein Kind sich wöchentlich kauft, einen Euro, sollte man fünfzig Cent mehr geben. So haben die Kinder etwas Spielraum und können auch mal für größere Wünsche sparen", sagt König.
Für den Lerneffekt ist aber auch wichtig, dass Eltern immer an die Auszahlung des Taschengelds denken, ohne erinnert zu werden. Auch sollten die Kinder das Taschengeld pünktlich bekommen und zwar unabhängig davon, ob sie lieb oder böse waren, ob sie gute oder schlechte Noten in der Schule geschrieben haben und auch unabhängig von der Sorgfalt, mit der die Hausaufgaben erledigt wurden. Taschengeld ist keine Belohnung und auch keine Bestrafung. Ist das Taschengeld einmal verteilt, sollten Eltern sich zurücknehmen. "Wenn das Kind das Geld zu Hause vergessen hat oder schon ausgegeben hat, sollte man ihm nicht 'ausnahmsweise' wieder etwas finanzieren. Nur so lernt es auf Dauer, die Verantwortung für seine Ausgaben zu übernehmen", sagt Claudia König.
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Quelle: rev; sca, t-online.de
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