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Aufsichtspflicht: Wann können Kinder allein zuhause bleiben?

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Selbstständigkeit  

Allein daheim - wann kann man Kinder unbeaufsichtigt lassen?

14.08.2015, 17:29 Uhr | Simone Blaß, dpa-tmn, t-online.de, dpa

Aufsichtspflicht: Wann können Kinder allein zuhause bleiben?. Allein zuhause: Ab wann können Kinder für eine begrenzte Zeit ohne Eltern zuhause bleiben? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Allein zuhause: Ab wann können Kinder für eine begrenzte Zeit ohne Eltern zuhause bleiben? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man seine Kinder auch mal alleine lässt – auf dem Bolzplatz, der Spielwiese oder zuhause. Doch ab welchem Alter kann und darf man ein Kind überhaupt alleine lassen? Wie ist es mit der Aufsichtspflicht? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort, aber Anhaltspunkte, nach denen Eltern sich richten können.

Grundsätzlich kann man sagen, dass Eltern im Rahmen ihrer Aufsichtspflicht dafür zu sorgen haben, dass das Kind vor Schaden bewahrt wird, aber auch selbst niemandem Schaden zufügt. Die Vorstellung, was einem Kind alles passieren könnte, wenn es unbeaufsichtigt ist oder aber auch, was es alles anstellen könnte, wenn kein Erwachsener in der Nähe ist, treibt so manchen Eltern die Schweißperlen auf die Stirn. Denn je kleiner die Kinder sind, desto mehr sind sie auf unseren Schutz angewiesen.

Aber es ist ebenso wichtig für die kindliche Entwicklung, selbstständig zu werden und dazu gehört eben auch das Erweitern des Radius. Immerhin hat jedes Kind sogar per Gesetz ein Recht darauf. In §1626 BGB heißt es nämlich wortwörtlich: "Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbstständigem verantwortungsbewusstem Handeln." Und dazu gehört eben auch, ihnen etwas zuzutrauen.

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Es kommt auf die Reife des Kindes an

Wann Eltern ein Kind alleinlassen können, ist ganz unterschiedlich und von der persönlichen Entwicklung abhängig, sagt Maria Große Perdekamp. Sie ist Leiterin der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Es zählen also Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, Gefahren abzuwägen.

Entscheidend ist aber auch, wie gut die Eltern während ihrer Abwesenheit erreichbar sind und wie schnell sie notfalls wieder beim Kind sein können. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man bei der Freundin zwei Häuser weiter einen Kaffee trinkt oder einen Theaterbesuch in der nächstgrößeren Stadt plant.

Richtwerte bieten einen Anhaltspunkt

Es gibt Richtwerte, die sich durch richterliche Entscheidungen ergeben: Demnach können Eltern ein Kind ab drei Jahren schon einmal für einen kurzen Moment alleine lassen, beispielsweise um etwas aus dem Keller zu holen. Voraussetzung ist, dass typische Gefahrenquellen wie heiße Herdplatten, brennende Kerzen oder geöffnete Fenster für das Kind unzugänglich sind.

Oft könnten Kinder schon im späten Kindergartenalter mal an einem Nachmittag allein bleiben. "Dann ist es wichtig, vorher Regeln zu vermitteln wie: die Tür nicht aufmachen und den Herd nicht einschalten", sagt Große Perdekamp. Außerdem sollten Mutter oder Vater erreichbar sein und am besten erst mal nicht zu weit weg gehen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Kind in diesem Alter auf einem Spielplatz, auf dem Gehweg vor dem Haus oder auf einem Sportplatz spielen darf, ohne auf Schritt und Tritt kontrolliert zu werden.

Jüngere Kindergartenkinder sollten nicht alleine zu Hause gelassen werden. Trennungen lösten bei Kleinkindern Angst und Unsicherheit aus, sie sind noch stark auf eine Bezugsperson angewiesen.

Ab dem Schulalter wird der Gesetzgeber großzügiger. Ein siebenjähriges Kind darf man sogar bis zu zwei Stunden alleine lassen - immer vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen. Lässt man das Kind allein zu Hause, ist es wichtig, dass man die angekündigte Rückkehrzeit zuverlässig einhält. Außerdem sollten Kinder wissen, wie sie ihre Eltern erreichen können.

Das soziale Netz aktivieren

Am besten ist es, wenn man Nachbarn hat, die man informiert und die für das Kind erreichbar sind, wenn es Hilfe in irgendeiner Form braucht. Gleiches gilt auch für die elterliche Erreichbarkeit per Handy. Das gibt dem alleingelassenen Kind die Sicherheit, dass es sofort Kontakt zu den Eltern herstellen kann, wenn es etwas braucht oder eine Frage hat. Das Kind sollte nicht nur wissen, wo es Rat und Hilfe findet, es sollte ihm auch klar sein, dass es Fremden nicht die Tür öffnen darf und am besten nur dann ans Telefon geht, wenn ihm die Nummer bekannt ist. Alle anderen Gespräche können warten. Zusätzlich sollte man geklärt haben, was gegebenenfalls im Fernsehen angesehen werden darf, um auch hier unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

So können Eltern das Alleinsein mit dem Kind üben

Ein guter Tipp ist es, zu testen, wie sich das Kind in bestimmten Situationen verhält: Macht es sofort die Tür auf, wenn es klingelt, oder guckt es zuerst durch den Spion? Kann es die Nachbarn um Hilfe bitten? Wie reagiert es, wenn in der Küche etwas überkocht und sich Rauch entwickelt? Eltern sollten ihre Kind auch fragen, wie es sich fühlt, wenn es alleine ist. Erst wenn ein Kind mit solchen Situation sicher umgeht, kann man es ein Weilchen alleine lassen.

Darf man Kinder mit älteren Geschwistern allein lassen?

Ob es einfacher ist, Geschwister alleine zu lassen, darüber streiten sich die Geister und es kommt sehr auf die jeweiligen Charaktere und den Altersunterschied an. Es kann für kleinere Geschwister sehr tröstlich sein, nicht ganz alleine zu sein und wenn man jemanden zum Spielen und Reden hat, dann geht die Zeit, bis Mama oder Papa wieder da sind, auch schneller vorbei.

"Gut geht es in der Regel mit einem Altersabstand von mindestens fünf Jahren", meint Große Perdekamp. Die Kinder sollten besser nicht gemeinsam ohne Betreuung bleiben, wenn sie fast gleich alt oder Zwillinge sind, und wenn sie dazu neigen, sich gegenseitig anzustacheln, Unsinn zu machen. Schließlich liegt die Entscheidung, was man den eigenen Kinder zutrauen kann beziehungsweise was ihnen zuzutrauen ist, grundsätzlich in der Verantwortung der Eltern.

Kinder niemals einsperren

Selbstverständlich wird man, bevor man geht, alle Gefahrenquellen nach bestem Wissen und Gewissen ausschließen, die Handynummer zum Beispiel auf Kurzwahl einspeichern und Elektrogeräte wie den Backofen ausschalten. Was man aber nicht machen sollte, ist abschließen, denn diese vermeintliche Schutzmaßnahme kann sich bei einem Feuer zu einer tödlichen Falle entwickeln. In der Regel signalisiert ein Kind übrigens sehr genau, wann es bereit ist und sich zutraut, mal für ein paar Minuten allein daheim zu bleiben. Trotzdem liegt die Hauptgefahr in der Überschätzung der kindlichen Fähigkeiten. Was nicht bedeuten muss, dass unbedingt gleich etwas passiert.

Ängste nicht unterschätzen

Schon allein die Angst, die ein Kind ausstehen muss, das von seinen Eltern allein gelassen wurde, obwohl es noch nicht soweit war, ist Grund genug, sehr behutsam vorzugehen. Zweifelsohne ist es schön, wenn man kleine Erledigungen mal schnell ohne die Kinder machen kann oder auch als Alleinerziehender einen Elternabend in der Schule besucht, ohne dafür extra einen Babysitter bemühen zu müssen. Und es ist auch wichtig für das kindliche Selbstbewusstsein, solche Erfahrungen der Selbstständigkeit zu machen und sich selbst dabei etwas zuzutrauen. Aber man sollte behutsam vorgehen und das Kind langsam daran gewöhnen.

Wichtig ist immer mitzuteilen, dass man geht, wohin man geht, wie man zu erreichen ist und wann man wieder nach Hause kommt.

Der Abend ist für viele Kinder emotionaler. Dann sollten sie am besten erst im späten Grundschulalter alleine zu Hause bleiben. Wichtig ist: Auf keinen Fall dürfen Eltern heimlich rausgehen, wenn das Kind schon schläft. Wacht es auf, sucht es die Eltern und wird vielleicht panisch.

Sagt ein Kind, dass es nicht alleine bleiben möchte, sollten Eltern überlegen, was die Gründe dafür sind. Manchmal machen sich Kinder beispielsweise Sorgen und entwickeln dann Trennungsängste. "Und in schwierigen Situationen, beispielsweise nach der Trennung der Eltern oder wenn Oma oder Opa gestorben sind, ist das Kind vielleicht nicht so stabil" sagt Große Perdekamp. "Eltern sollten dann nicht zu streng oder fordernd sein, das normalisiert sich mit der Zeit wieder."

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