Streit ums Erbe vermeiden

Ein Testamentsvollstrecker ist sinnvoll

20.09.2017, 08:36 Uhr | Sabine Meuter, dpa

Wer befürchtet, dass sich die Erben über den Nachlass in die Haare kriegen, kann im Testament einen Testamentsvollstrecker benennen, der das Erbe genau so verteilt, wie es der Erblasser wünscht.

Es kann viele Gründe dafür geben, einen Testamentsvollstrecker zu bestellen. Mit ihm geht der Erblasser auf Nummer sicher, dass nach seinem Tod sein letzter Wille tatsächlich beachtet und umgesetzt wird.

Beim Erben ist Streit oft vorprogrammiert. Wer damit rechnet, dass nach seinem Tod die Erben sich über den Nachlass in die Haare kriegen, kann im Testament einen Testamentsvollstrecker benennen. Dieser sorgt dafür, dass das Erbe genau so verteilt wird, wie es der Wille des Verstorbenen war.

Damit kann er auch dafür sorgen, dass bestimmte Vorgaben auch gegen den Willen der Erben durchgesetzt werden. "Das kann zum Beispiel die Auflage sein, dass ein Haus nicht verkauft wird, sondern im Familienbesitz bleibt", sagt der Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht, Anton Steiner.

Die reichsten Erben

Yang Huiyan ist 34 Jahre jung und Hauptaktionärin des chinesischen Immobilien-Imperiums Country Garden Holdings. Ihr Vater verstarb 2007 und vermachte ihr nach Angaben von "Forbes" 6,2 Milliarden Euro.

Tatiana Casiraghi ist die Enkelin des 2011 verstorbenen Julio Mario Santo Domingo aus Kolumbien. Er vermachte ihr nach Angaben des Magazins einen Anteil seines Vermögens. Zudem heiratete die 32-Jährige im Jahr 2013 den Sohn von Caroline von Monaco, Andrea. Geschätztes Vermögen: 2,2 Milliarden Euro.

Und dann gibt es in diesem Imperium noch einen weiteren Großerben: Alejandro Santo Domingo ist der Sohn des Bierbarons aus dessen zweiter Ehe. "Forbes" schätzt den 39-Jährigen auf 4,4 Milliarden Euro.

Sein 38-jähriger Bruder Andres Santo Domingo erbte ebenfalls – auch sein Vermögen dürfte bei 4,4 Milliarden Euro liegen.

Auch Deutsche sind unter den reichsten Erben: Otto Philipp Braun ist das erste Familienmitglied der sechsten Generation im Vorstand der B. Braun Melsungen AG., ein Multimilliarden-Konzern für medizinische Produkte. Mit 38 Jahren besitzt er bereits Schätzungen zufolge 2,5 Milliarden Euro.

Ein Jahr älter aber genauso vermögend ist vermutlich Yvonne Bauer. Sie ist die Tochter des Verlegers Heinz Bauer und leitet seit April 2007 das deutsche Medienunternehmen Bauer Media Group, seit 2010 ist sie auch Verlegerin.

Julia Oetkers Vermögen schätzt "Forbes" auf rund 2 Milliarden Euro. Sie ist Erbin des Oetker-Imperiums und ist gerade einmal 37 Jahre jung.

Robert Tönnies, dem 38-jährigen Sohn des verstorbenen Bernd Tönnies, gehören die Hälfte des familieneigenen Schlachtunternehmens. Geschätztes Vermögen: 1,7 Milliarden Euro. Die andere Hälfte gehört im Übrigen seinem Onkel, Clemens Tönnies, besser bekannt als Chef des Aufsichtsrat vom FC Schalke 04.

31 Jahre jung, geschätzt 1,3 Milliarden Euro schwer: Anton Kathrein III., übernahm nach dem Tod seines Vaters 2012 die Kathrein-Werke in dritter Generation. Das Unternehmen aus Rosenheim stellt Antennen und Satellitentechnik her.

Gerade einmal 25 Jahre alt ist der Duke of Westminster, Hugh Grosvenor. Er ist Sohn und Haupterbe des im August verstorbenen Gerald Cavendish Grosvenor und ganz nebenbei Patenonkel des royalen Lieblings, Prinz George. Das Erbe umfasst Schätzungen zufolge 10 Milliarden Euro.

Auf 10 Milliarden Euro wird auch Lukas Walton geschätzt, Enkel des Walmart-Gründers Sam Walton. 2005 starb Lukas Vater John bei einem Flugzeugabsturz.

Minderjährigen Erben einen Fachmann zur Seite stellen

Aber auch in anderen Fällen ist ein Testamentsvollstrecker mitunter sinnvoll. Etwa dann, wenn die Erben minderjährig sind oder wenn klar ist, dass sie zu unerfahren sind, die Nachlassabwicklung selbst in die Hand zu nehmen. "Ein Testamentsvollstrecker kann sich etwa auch darum kümmern, dass der Nachlass wie vom Verstorbenen gewünscht in eine Stiftung einfließt", erläutert Eberhard Rott von der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung und Vermögensvorsorge in Bonn. Ist einer der Erben zahlungsunfähig, dann kann mit einer richtig angeordneten Testamentsvollstreckung verhindert werden, dass das Geerbte an den Insolvenzverwalter fließt.

Behindertentestament aufsetzen

"Die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers bietet sich auch an, wenn eines der Kinder behindert ist", ergänzt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Um zu verhindern, dass das Erbteil des Kindes mit Handicap komplett an den Staat geht, weil dieser für die Heim- und Pflegekosten aufzukommen hat, muss der Erblasser ein sogenanntes Behindertentestament aufsetzen. Damit kann der Staat das Erbe nicht einfordern.

Jeder Erwachsene kann Testamentsvollstrecker werden

Prinzipiell kann jeder Erwachsene Testamentsvollstrecker werden. "Ganz wichtig ist natürlich, dass der Testamentsvollstrecker persönlich integer ist, weil er fremdes Vermögen verwaltet", betont Steiner. Weil für die Nachlassverwaltung meist steuerliche und juristische Kenntnisse nötig sind, bietet es sich an, auf ausgebildete Testamentsvollstrecker zu setzen.

In der Regel ist es Aufgabe des Testamentsvollstreckers, den Nachlass zu verwalten, die Formalien abzuwickeln und die Auseinandersetzung zwischen den Miterben durchzuführen. Teile des Nachlasses darf er gemäß Testament gegebenenfalls auch gegen den Willen der Erben verkaufen oder versteigern.

Erblasser sollte Aufgaben und Rechte des Testamentsvollstreckers genau festlegen

Welche Befugnisse der Testamentsvollstrecker im Einzelnen hat, kann der Erblasser im Testament festlegen. "Leider machen Erblasser von dieser Möglichkeit viel zu wenig Gebrauch", beklagt Rott. Das führt dann zu Unklarheiten und damit nicht selten zu Streit mit den Erben. Rott rät daher, Aufgaben und Rechte des Testamentsvollstreckers so detailliert wie möglich festzuschreiben und sich dabei auch von Fachleuten beraten zu lassen.

Der Testamentsvollstrecker ist verpflichtet, gegenüber den Erben Rechenschaft über sein Tun abzulegen. "Er darf mit dem Nachlass keine spekulativen Geschäfte betreiben oder gar Dinge verschenken", merkt Steiner an. Bei gravierenden Fehlgriffen können die Erben auch beantragen, dass der Testamentsvollstrecker abgesetzt wird. "Darüber muss aber immer das Nachlassgericht entscheiden", betont Rott.

Vergütung für Testamentsvollstrecker nach der Höhe des Nachlasses

Für die Vergütung des Testamentsvollstreckers gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. "Sinnvoll kann es daher sein, wenn die Vergütung gleich im Testament geregelt ist", so Rott. Maßstab ist in der Praxis häufig eine Richtlinie des Deutschen Notarvereins. Danach richtet sich die Vergütung einerseits nach der Höhe des Nachlasses und andererseits nach Umfang und Schwierigkeitsgrad der Testamentsvollstreckung.

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