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Restless-Legs-Syndrom: Darum zucken Ihre Beine vorm Schlafen

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Restless-Legs-Syndrom  

Was hinter zuckenden Beinen stecken kann

17.10.2017, 07:33 Uhr | Cynthia Böttger, t-online.de

Restless-Legs-Syndrom: Darum zucken Ihre Beine vorm Schlafen. "Restless legs", unruhige Beine, stören das Einschlafen und sind eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Restless legs", unruhige Beine, stören das Einschlafen und sind eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kurz vor dem Einschlafen zuckt es plötzlich in den Beinen. In der Regel ist das kein Grund zur Beunruhigung. Kommt es jedoch öfter vor, dass die Beine auch während der Nacht unruhig werden, ziehen oder kribbeln, sollten Sie die Symptome besser vom Arzt abklären lassen. Es könnte sich um das so genannte Restless-Legs-Syndrom (RLS) handeln. Wir erklären Ihnen, wie sich das RLS bemerkbar macht und was Sie dagegen tun können.

Was ist das Restless-Legs-Syndrom?

Sobald die Betroffenen im Bett liegen und versuchen zur Ruhe zu kommen, treten die Beschwerden auf wie ein enormer Bewegungsdrang. Zusätzlich verspüren die meisten Patienten ein quälendes Ziehen oder Kribbeln in den Beinen, manchmal auch in den Armen. Die Beschwerden treten in der Regel am Abend oder in der Nacht auf. Erst durch Bewegung gehen die Missempfindungen zurück. Der ständige Drang, sich zu bewegen, kann für Betroffene auf Dauer sehr belastend sein. Insbesondere die durch die Krankheit bedingten Ein- und Durchschlafstörungen können zu körperlicher und seelischer Erschöpfung führen und die Lebensqualität einschränken.

Wer ist von RLS betroffen?

In Deutschland leiden rund zehn Prozent der Bevölkerung an dieser neurologischen Krankheit. RLS ist damit eine der häufigsten Bewegungsstörungen in der Neurologie. Typischerweise tritt das Syndrom bei Menschen im mittleren bis höheren Lebensalter auf. Bei familiären Formen können auch jüngere Menschen betroffen sein. Frauen scheinen von den "unruhigen Beinen" doppelt so häufig wie Männer betroffen zu sein.

Wie entstehen "unruhige Beine"?

Bis heute ist nicht abschließend geklärt, was die Ursache für Restless Legs ist. Weil die Therapie mit dem Nervenbotenstoff Dopamin anschlägt, geht man davon aus, dass die Substanz eine wesentliche Rolle bei der Entstehung des Restless-Legs-Syndroms spielt. Es wird nach idiopathischer RLS und nach symptomatischer RLS unterschieden.

Das familiär gehäuft auftretende "idiopathische RLS" ist auf eine über Generationen hinweg stattfindende Weitervererbung zurückzuführen. Für die genetische Form des RLS konnten bis heute sechs Risiko-Gene identifiziert werden. Trifft das Syndrom der "unruhigen Beine" zudem familiär gehäuft auf, handelt es sich meist um schwerer zu behandelnde Fälle. Beim symptomatischen RLS, auch sekundäres RLS genannt, steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei der sekundären Erkrankung führen also unter Umständen folgende Faktoren zu dem Restless-Legs-Syndrom:

  • Schwangerschaft
  • Eisenmangel
  • Nierenerkrankungen
  • Rheumaerkrankungen
  • Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion
  • Medikamente (wie Antidepressiva & Neuroleptika)
  • andere Nervenleiden wie Polyneuropathie

Symptome zwingen zum Aufstehen

Allen Betroffenen gemeinsam ist eine gelegentliche bis permanente Unruhe, meist in den Beinen, seltener in Füßen und Armen. Aber auch ziehende Schmerzen in den Gliedmaßen gehören zu den Symptomen. Die Beschwerden treten vor allem fünf bis 30 Minuten nach dem Zubettgehen auf, machen das Einschlafen fast unmöglich und zwingen Betroffene meist zum Aufstehen, erläutert Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte in Krefeld. Bis zu eine Stunde könne es dauern, bis die Symptome wieder weg sind.

Die meisten Betroffenen leiden außerdem beim Schlafen an Muskelzuckungen. Diese verursachen kurze Weckreaktionen, wodurch die Patienten nur oberflächlich und unruhig schlafen. Am nächsten Tag sind Betroffene oft müde und weniger belastbar, da die Symptome ihnen nachts die benötigte Entspannung rauben. Da das Restless-Legs-Syndrom auch in erzwungenen Ruhesituationen, wie einer langen Busreise auftreten kann, fühlen sich viele Betroffene ebenfalls in ihrem Freizeitverhalten eingeschränkt.

Bei Verdacht einen Arzt aufsuchen

Die richtige Anlaufstelle beim Verdacht auf RLS ist ein Neurologe oder Schlafmediziner. Da die Symptome der Betroffenen oft mit Nervosität, innerer Anspannung und Verunsicherung einhergehen, führen sie ihre Beschwerden anfangs auf psychische Anspannung zurück. Weitere Symptome sind Antriebslosigkeit, Vergesslichkeit oder Konzentrationsstörungen, die den Symptomen einer Depression ähneln. Daher kann es leicht zu einer falschen Diagnose kommen, wenn kein Arzt aufgesucht wird. Der Neurologe oder Schlafmediziner schließt zunächst andere Erkrankungen wie Eisenmangel oder bestimmte Medikamente, die Symptome verursachen können aus.

Um die Diagnose vom Arzt gestellt zu bekommen, müssen in erster Linie vier Kriterien erfüllt sein.

KriteriumBeschreibung der Symptome
BewegungsdrangDie Betroffenen verspüren ein unangenehmes manchmal auch schmerzhaftes Unruhegfühl in den Beinen. Dadurch wird es unmöglich ruhig zu sitzen oder zu liegen.
Beschwerden bei RuheDas Kribbeln, Ziehen und die Unruhe treten besonders in Ruhepausen auf und verhindern die Entspannungsphasen von Betroffenen.
Gestörter SchlafDie Beschwerden verstärken sich gegen Abend und behindern das Ein- und Durchschlafverhalten.
Aktivität hilft kurzfristigDie Symptome verbessern sich vorübergehend durch Aktivitäten wie aufstehen und umhergehen.

Zusätzlich kann mit dem L-Dopa-Test die Verdachtsdiagnose Restless Legs relativ sicher bestätigt werden. Dabei wird dem Patienten eine Test-Dosis des Medikaments L-Dopa verabreicht. Verbessern sich daraufhin die Beschwerden, ist ein Restless-Legs-Syndrom wahrscheinlich. Andererseits kann ein RLS-Syndrom auch nicht ausgeschlossen werden, wenn sich die Beschwerden nicht verringern.

Restless-Legs-Syndrom ist nicht heilbar

Die Behandlung erfolgt individuell und nach dem subjektiven Leidensdruck des Patienten. Heilbar ist das Syndrom jedoch nicht – es sei denn, es wurde von einer anderen Erkrankung verursacht. Denn hinter dem Restless-Legs-Syndrom kann neben einer genetischen Veranlagung eine chronische Erkrankung wie eine Nierenschwäche oder eine Schilddrüsenstörung stecken. Auch ein Eisen-, Vitamin-B12- oder Folsäure-Mangel spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle.

Dennoch sind die Symptome gut zu behandeln. Bei dem Syndrom ist die Produktion des für Bewegungen und Emotionen wichtigen Botenstoffs Dopamin gestört. Eine Behandlungsmöglichkeit ist daher das Verabreichen von Dopaminvorstufen oder Dopaminersatzstoffen wie L-Dopa und Decarboxylasehemmer. Die Präparate werden etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen eingenommen, da zu Beginn der Erkrankung die Beschwerden nachts am schlimmsten sind. Bei vielen Menschen mit RLS bringen solche Wirkstoffe eine deutliche Besserung, die in höherer Dosierung auch gegen die Parkinson-Krankheit eingesetzt werden.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Restless-Legs-Syndrom Therapie zählen Benommenheit, Übelkeit und Kreislaufprobleme. Daher ist es wichtig, die richtige Dosis zu finden und mit einer möglichst geringen Menge an Wirkstoff zu beginnen. Manchmal verstärken die Dopamin-Präparate allerdings die Beschwerden, medizinisch Augmentation genannt. In diesem Fall muss auf ein anderes Medikament umgestellt werden.

Kaffee, Alkohol und Stress vermeiden

Leichte Fälle des RLS müssen nicht unbedingt mit Medikamenten behandelt werden. Hilfreich sind hier zum Beispiel Beinmassagen, kalte Fußbäder oder Kniebeugen. Entspannungstechniken wie Progressive Muskelrelaxation oder Autogenes Training dagegen können die Symptome sogar verschlimmern. Betroffene sollten zudem auf Kaffee, Alkohol, Stress oder schwere körperliche Arbeit verzichten.

Implantat-Akupunktur kann RLS-Patienten helfen

Der Mediziner Dr. Rolf Wlasak hat sich auf dieses Gebiet der Akupunktur spezialisiert, als er davon erfuhr, dass die Implantat-Akupunktur auch bei Parkinson eingesetzt wird. Dieses wirft nämlich Parallelen zum RLS auf. Nach seiner persönlichen Erfahrung kann die Implantat-Akupunktur beachtliche Erfolge erzielen: "55 Prozent der RLS-Patienten, die dabei waren, konnten dank der Implantate nach einigen Wochen bis zu 50 Prozent weniger Medikamente einnehmen", so Wlasak laut einem Bericht der "Rheinischen Post" (RP). Das Fortschreiten der Krankheit könne zudem hinausgezögert und die Schlafqualität verbessert werden.

Wie funktioniert die Implantat-Akupunktur?

Die Implantat-Akupunktur ist eine Weiterentwicklung der Ohr-Akupunktur. Den Patienten werden dauerhaft wenige Millimeter lange Titannadeln an bis zu 15 verschiedenen Stellen des Ohres implantiert. Die Nadeln wachsen nach einigen Tagen in das Gewebe ein und sind dann nicht mehr sichtbar und nicht mehr zu spüren. Dies führt im Idealfall dazu, dass die Beschwerden deutlich zurückgehen. Offizielle Studien zur Wirksamkeit von Implantat-Akupunktur gegen RLS gibt es bisher nicht.

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