Klein und gemein

Kriebelmücken beißen wieder zu

09.07.2017, 16:44 Uhr | vdb/hut, AM, dpa

Die Kriebelmücke sticht nicht, sondern raspelt.

Sie fliegt geräuschlos und beißt dann zu: die Kriebelmücke. Sie ist nur drei bis vier Millimeter groß und sieht auf den ersten Blick aus wie eine harmlose Fliege. Doch ihr giftiger Speichel verursacht Schwellungen und starken Juckreiz. t-online.de befragte Prof. Dr. Heinz Mehlhorn von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zu den fiesen Mücken.

Weibchen raspeln statt zu stechen

Die weibliche Kriebelmücke (latainisch: Simuliidae) sticht nicht, um an das Blut zu kommen, sondern raspelt mit einem säbelzahnartigen Mundwerkzeug. Das Insekt ritzt damit weiche Hautstellen an bis ein kleiner Pool aus Lymphflüssigkeit entsteht. Den saugt sie dann auf und injiziert einen Eiweißcocktail, der die Gerinnung lokal hemmt und die Nerven betäubt. Der giftige Mückenspeichel und das Gewebshormon Histamin, das beim Biss freigesetzt wird, führen zu starken Juckreiz und Schwellungen auf der Haut. Die Blutergüsse können wochenlang stark jucken. Von männlichen Kriebelmücken ist hingegen nichts zu befürchten. Sie ernähren sich ausschließlich von Pflanzensäften.

Im Unterschied zu den Stichen einer Stechmücke, spüren Sie die Attacke einer Kriebelmücke unmittelbar. An der Einstichstelle bildet sich ein kleiner roter Punkt, da nach dem Stich noch Blut nachfließen kann.

Die Zecke ist "das gefährlichste Tier Deutschlands".

Die Bremse ist leicht zu verwechseln mit der normalen Fliege, aber gefährlicher.

Die Wespe sticht nur, wenn sie sich bedroht fühlt.

Der Eichenprozessionsspinner bringt Menschen in bedrohliche Atemnot.

Die Grasmilbe - auch Herbstmilbe genannt - ist nicht gefährlich, aber verursacht unangenehme Stiche.

Die Kriebelmücke injiziert Gift, ein Biss ist sehr schmerzhaft.

Nach dem Stich: Bloß nicht kratzen!

Der direkt einsetzende Schmerz und Juckreiz, verleitet natürlich zum Kratzen. Doch das sollten Sie unbedingt unterlassen, da dadurch Erreger von den Händen leicht in die Wunde eindringen können. Mehlhorn empfiehlt eine Erstbehandlung mit dem eigenen Speichel. "Ein bisschen Spucke wirkt im ersten Moment kühlend. Normale Allergiemittel aus der Apotheke helfen gegen die entzündlichen Schwellungen", so der Mückenexperte.

Sie können die betroffene Stelle zudem mit einer Cortisoncreme behandeln. Auch ein Desinfektionsmittel hilft, das Risiko für Entzündungen zu senken. Treten jedoch besonders große Schwellungen auf, sollte man das Blut auf eine Allergie hin untersuchen lassen. Denn sie kann sich im schlimmsten Fall auf den Kreislauf auswirken und lebensbedrohlich werden. 

Schmerzhafte Mückenstiche, wie die der Kriebelmücke, können in seltenen Fällen zu Entzündungen führen. Die Beißwerkzeuge der Mücke enthalten mitunter Bakterien, die im menschlichen Körper Schmerzen und Fieber auslösen können. In diesen Fällen sollte mit Antibiotika behandelt werden. In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion laut Mehlhorn jedoch sehr gering. In afrikanischen Ländern können die Insekten unter Umständen die Flussblindheit übertragen.

Wen die Kriebelmücke gerne sticht

Die Kriebelmücke sticht wahllos Menschen und Tiere. Besonders Rinder und Pferde, die nahe Gewässern weiden, werden häufig von den Tieren geplagt. Das ein oder andere Tier schlägt mitunter auch aus, um die Peiniger zu vertreiben.

Ihre fiese Art zu beißen hat aber auch einen Vorteil für den Menschen: Kleidung mit langen Ärmeln und Hosen schützen vor den Mücken. Das ist ein Unterschied zu den Stechmücken mit Rüssel. Wer sich draußen in Regionen mit vielen Kriebelmücken aufhält – besonders zur Morgen- und Abenddämmerung, aber auch sonst während des Tages – bedeckt daher am besten möglichst viel Haut.

Wie Sie die Kriebelmücke vertreiben

Mittel mit ätherischen Ölen wie Zitrus oder Eukalyptus helfen eher nicht gegen die Mücken. Besser sind Insektenschutzmittel, die zum Beispiel die Stoffe DEET oder Icaridin enthalten. Sie wehren Mücken durch ihren Duft ab. Einen guten Schutz bieten Produkte, die etwa 30 Prozent DEET enthalten. Sie wirken vier bis fünf Stunden, danach sollte man sie erneuern. Im Haus braucht man keinen besonderen Schutz, denn die Kriebelmücke bleibt normalerweise im Freien.

Kriebelmücken-Alarm auch in Städten

Kriebelmücken fühlen sich hierzulande immer wohler. In Süddeutschland haben sie sich bereits angesiedelt, entlang des Rheins und der Oder breiten sie sich zunehmend aus. Auch in Berlin häufen sich in letzter Zeit die Fälle von Menschen, die gebissen wurden. Da die Kriebelmücken es feucht und warm lieben, bieten Hochwasser im Frühsommer und fließende Gewässer den Insekten optimale Bedingungen: Das Mückenweibchen legt bis zu tausend Eier ab. Pro Jahr können vier Generationen Kriebelmücken schlüpfen. Dadurch entstehen besonders große Populationen.

Weitere unliebsame Insekten, die einen den Sommer vermiesen und was Sie dagegen tun können, haben wir Ihnen hier aufgelistet.

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