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Genitalverstümmelung: In Deutschland leben rund 50.000 Opfer

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Schmerz statt Lust  

Die "Mädchenbeschneidung" hat Deutschland erreicht

07.02.2017, 10:38 Uhr | dpa

Genitalverstümmelung: In Deutschland leben rund 50.000 Opfer. Genitalverstümmelung: Eine 19-Jährige aus Somalia kämpft mit schweren Folgen von Genitalverstümmelung, die sie als kleines Kind erlitten hat (Quelle: dpa)

Eine 19-Jährige aus Somalia kämpft mit schweren Folgen von Genitalverstümmelung, die sie als kleines Kind erlitten hat (Quelle: dpa)

In Deutschland leben fast 50.000 Mädchen und Frauen, die Opfer von Genitalverstümmelung geworden sind. Das geht aus einer Studie des Bundesfamilienministeriums hervor. In Deutschland ist diese Praxis verboten, doch es besteht die Gefahr, dass Mädchen während der Ferien im Ausland dieser Tortur unterzogen werden.

Verbreitet ist Genitalverstümmelung unter anderem in Ägypten, Eritrea, Somalia, Äthiopien, Mali und dem Irak. Dabei wird die Klitoris ganz oder teilweise amputiert. In einigen Ländern werden auch die Schamlippen abgetrennt. Die Mythen, mit denen die Verstümmelung der weiblichen Sexualorgane gerechtfertigt werden, sind zahlreich. Die Frauen, so heißt es, seien dann "reiner" und "schöner". Dabei geht es vor allem darum, ihren Sexualtrieb zu beschneiden und ihnen das Lustempfinden zu rauben.

"Die weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Sie verursacht unfassbare körperliche Qualen und seelisches Leid", erklärt der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Ralf Kleindiek.

Schmerzen beim Urinieren, bei Geschlechtsverkehr und bei der Geburt

Wenn betroffene Frauen zu Cornelia Strunz in die Sprechstunde kommen, klagen sie oft über Schmerzen beim Wasserlassen. Einige von ihnen sind von der Beschneiderin so zugenäht, dass Geschlechtsverkehr kaum möglich ist, andere fürchten sich vor der Entbindung. "Manche Frauen möchten operiert werden, damit sie Kinder bekommen können, andere wollen einfach ihre Weiblichkeit zurückhaben", sagt die Ärztin. Im Berliner Krankenhaus Waldfriede berät die Generalsekretärin der Desert Flower Foundation Deutschland Opfer weiblicher Genitalverstümmelung. Ein Mal pro Monat treffen sich im Krankenhaus Frauen in einer Selbsthilfegruppe.

Zahl der Opfer in Deutschland steigt

Weibliche Genitalverstümmelung gilt in Deutschland seit 2013 als gefährliche Körperverletzung.  In der Regel wissen Zuwanderer aus Staaten, in denen diese brutale Tradition immer noch verbreitet ist, dass die "Mädchenbeschneidung" hierzulande verboten ist. Was viele aber nicht wissen, ist, dass jemand, der in Deutschland lebt, seine Tochter auch nicht im Ausland verstümmeln lassen darf.

"Sehr viele meinen, dass es, wenn sie es in ihrem Herkunftsland tun, nicht verboten ist", sagt Kleindiek. Der Studie zufolge sind hierzulande zwischen 1558 und 5684 Töchter von Migranten von Genitalverstümmelung bedroht. 

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes sagt, durch den Zuzug der Flüchtlinge in den vergangenen zwei Jahren sei nicht nur die Zahl der betroffenen Frauen hierzulande gestiegen. Auch das Risiko, dass Mädchen, die hier leben, diese Tortur erleiden müssen, sei gewachsen. Deshalb müsse jetzt mehr unternommen werden, um sie zu schützen.

Regierung setzt auf Aufklärung und Entzug des Reisepasses

Die Bundesregierung setzt auf den Dreiklang "Aufklärung, Prävention und Strafverfolgung". Um zu verhindern, dass Eltern ihre Töchter im Heimatland einer "Ferienbeschneidung" unterziehen, ist Dezember 2016 eine Änderung des Passgesetzes beschlossen worden. Künftig kann Menschen, die für eine Genitalverstümmelung mit einem Mädchen oder einer Frau ins Ausland reisen wollen, der Pass entzogen werden.

Außerdem sollen Ärzte und andere Fachkräfte, die beruflich mit Migranten zu tun haben, Informationen erhalten. Frauen, deren Familien selbst aus Ländern stammen, in denen die weibliche Genitalverstümmelung praktiziert wird, sollen in den Exilgemeinden über die körperlichen und seelischen Schäden sprechen.

Einfach ist das nicht. Genitalverstümmelung sei "ein absolutes Tabu-Thema", sagt Tiranko Diallo vom Verein Mama Afrika. Ihre Eltern stammen aus Guinea, wo etwa 97 Prozent der Frauen "beschnitten" sind. Oberärztin Strunz hat viele Patientinnen aus Somalia. In dem ostafrikanischen Land wird vor allem die sogenannte Typ-Drei-Verstümmelung praktiziert, bei der nur noch eine winzige Öffnung bleibt. Sie sagt: "Die Frauen haben keine Sexualerziehung gehabt." Deshalb wüssten sie oft gar nicht so genau, wie der Körper einer nicht verstümmelten erwachsenen Frau aussieht.

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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