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Verstopfung bei Babys und Kindern: Ursachen, Tipps, Hausmittel

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 (Quelle: Archiv)

Wenn der Stuhlgang zur Qual wird  

Verstopfung bei Babys und Kindern: Ursachen und was hilft

09.01.2018, 11:39 Uhr | Simone Blaß, dpa-tmn, t-online.de

Verstopfung bei Babys und Kindern: Ursachen, Tipps, Hausmittel. Verstopfung bei Kindern: Hausmittel können helfen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Verstopfung ist nicht immer leicht zu erkennen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Verstopfung bei Kindern ist keine Seltenheit. Schätzungen zufolge haben rund 30 Prozent der Kleinen Probleme mit dem Stuhlgang. Wie sagen Ihnen, was die Ursachen für Verstopfungen sein können und welche Hausmittel die Beschwerden lindern

Bei Babys und Kleinkindern ist ein unregelmäßiger Stuhlgang nicht selten. Vier oder mehr Tage ohne Darmentleerung oder sehr harter Stuhl sind hingegen Anzeichen einer Verstopfung. Organische Ursachen, wie eine angeborene Darmerkrankung, sind sehr selten. In diesem Fall kommt es direkt nach der Geburt zur Verstopfung. In den meisten Fällen liegt es an ernährungsbedingten oder psychischen Faktoren. Dann können einige Hausmittel die Beschwerden lindern. 

Die häufigsten Ursachen für Verstopfung bei Kindern sind:

BabyKleinkindKind

- Unverträglichkeit der Milchnahrung
- Umstellung auf Breikost
- stopfende Lebensmittel (Banane, Karotte, Kartoffel)

- Trockenwerden
- Zurückhalten des Stuhls
- Stress, Veränderungen im Alltag, Reisen

- zu wenig Bewegung
- zu wenig Ballaststoffe
- zu wenig Flüssigkeit
- psychische Probleme (Stress, Angst)

Verstopfung bei Babys

Wenn das Baby auf die Welt kommt, ist der Magen-Darm-Trakt anatomisch voll entwickelt. Die Darmflora baut sich hingegen erst im Laufe der ersten Lebensjahre auf. Es ist deshalb ganz normal, wenn bei einem Säugling die Windel mehrere Tage leer bleibt. Auch mehr als zehn Tage ohne Stuhlgang sind erstmal kein Grund zur Sorge – vor allem, wenn es Ihrem Kind ansonsten gut geht. Schreit ein Baby allerdings anhaltend und/oder nimmt es nicht ausreichend zu, kann eine Verstopfung dahinter stecken. Deutliche Anzeichen sind auch Bauchschmerzen und ein harter, aufgeblähter Bauch.

Verstopfung gibt es bei einem gestillten Baby kaum, da die Muttermilch eine Zusammensetzung hat, die für die Verdauung des Säuglings optimal ist. Häufiger kommt es hingegen zu Verstopfung bei Babys, die Milchnahrung bekommen. Dann können die Verdauungsstörungen zum Beispiel ausgelöst werden, wenn die Säuglingsnahrung mit zu kalkhaltigem Wasser angerührt wurde. Das Kalk im Wasser kann sich im Darm mit Fettsäuren aus der Milch verbinden und verdicken. Der daraus resultierende so genannte Kalkseifenstuhl ist sehr trocken, fest und bröckelig. Manchmal ist aber auch eine Unverträglichkeit schuld. Testen Sie in diesem Fall, ob Ihr Baby Säuglingsnahrung anderer Hersteller besser verträgt.

Im Zuge der Umstellung auf Breikost ist es normal, dass sich die Frequenz des Stuhlgangs und Konsistenz des Stuhls verändern. Kommt es jedoch nur alle paar Tage zur Darmentleerung, ist der Stuhl sehr hart und hat Ihr Kind Schmerzen beim Stuhlgang, handelt es sich wahrscheinlich um Verstopfung. Achten Sie dann vor allem darauf, dass Ihr Kind genügend trinkt. Auch "stopfende" Lebensmittel, wie zum Beispiel Bananen, Karotte und Kartoffel, können die Verdauung beeinflussen. Zudem kann es sein, dass Ihr Kind bestimmte Inhaltsstoffe der Nahrung nicht verträgt. Gehen Sie am besten zum Kinderarzt, um eine Unverträglichkeit oder ernsthafte Erkrankung auszuschließen.

Generell gilt: Achten Sie eher auf das Befinden Ihres Kindes, als der Frequenz des Stuhlgangs zu viel Bedeutung beizumessen. Bauchschmerzen, Schmerzen beim Stuhlgang und harter Stuhl sind bei Babys eindeutigere Anzeichen für Verstopfung als ein unregelmäßiger Toilettengang. 

Verstopfung bei Kleinkindern (2-4 Jahre)

Auch bei Kleinkindern leidet nicht jedes Kind, das nur selten Stuhlgang hat, gleich unter Verstopfung. Vier Tage oder mehr ohne Stuhlentleerung können allerdings, selbst wenn das Kind keine weiteren Beschwerden zeigt, schon als Grund angesehen werden, einmal den Kinderarzt aufzusuchen.

Sobald Ihr Kind trocken wird und auf die Windel verzichtet, kann es durch die Umstellung kurzfristig zur Verstopfung kommen. Kinder, die gerade lernen sollen, die Toilette zu benutzen, sehen im Zurückhalten des Stuhlgangs oft auch ein kleines Machtmittel gegen die Eltern. Vor allem, wenn diese sich dadurch unter Druck setzen lassen. Strenge und Bestrafung sind hier aber wieder einmal fehl am Platz. Die Sache nicht so wichtig nehmen und die Sauberkeitserziehung für eine Weile nicht mehr zum Thema machen, kann da bereits Wunder wirken. Auch eine fremde Umgebung, unhygienische Kindergarten- beziehungsweise Schultoiletten oder Zeitdruck können sich negativ auf den Stuhlgang auswirken.

Daneben können auch sind psychische Faktoren, wie Stress, Angst, ein Umzug oder die ersten Tage im Kindergarten, die Verdauung beeinflussen. Einige Kinder halten den Stuhlgang zurück, weil sie mit Spielen beschäftigt sind oder keine fremde Toilette benutzen möchten. Das kann ebenfalls eine Obstipation auslösen.

In erster Linie ist wichtig, dass sich das Kind wohlfühlt und keine weiteren Anzeichen zeigt. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Kind dann unter Verstopfung leidet, wenn es einen harten Stuhl hat, der ihm ganz offensichtlich Probleme bereitet. Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Einrisse der Analschleimhaut und Schmerzen beim Klogang sind ebenfalls deutliche Zeichen.

Verstopfung bei Kindern (ab 5 Jahren)

Bei älteren Kindern ist die Ursache für lang anhaltende Beschwerden häufig die so genannte Gewohnheitsverstopfung. Sie entsteht beispielsweise, wenn Kinder dauerhaft zu wenig Gemüse und Obst essen, nicht genug trinken, sich zu wenig bewegen oder den Stuhlgang aufgrund schmerzhafter Risse am After (Analfissur) einhalten. Daneben können auch psychische Faktoren eine Rolle spielen, sie sind aber nur selten die alleinige Ursache.

Auch Kotspuren in der Unterwäsche können bei einem Vor- oder Grundschulkind auf eine Verstopfung hinweisen. Eltern sollten mit ihrem Nachwuchs unbedingt bald zum Arzt gehen, wenn sie regelmäßig Spuren in der Unterwäsche finden, rät Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Köln. Das sei wichtig, um die akuten Beschwerden zu beenden und andere Ursachen auszuschließen. Außerdem lässt sich so verhindern, dass sich das Kind zurückzieht und psychische Probleme bekommt.

Betroffen sind Fegeler zufolge vor allem Jungen. Die als Enkopresis bezeichneten Beschwerden entstehen meist bei Vierjährigen, die schon in ihren ersten zwei Lebensjahren Verstopfungen hatten. Bei den betroffenen Kinder sammeln sich große Mengen Kot im Enddarm, dadurch haben sie große Schmerzen beim Toilettengang. Sie vermeiden ihn daher, was zu noch mehr Beschwerden führt. Da sich der After stark dehnt, verlieren die Kinder unbemerkt dauernd kleine Kotmengen.

Wenn es ganz schlimm kommt, dann passiert das so genannte "Stuhlschmieren". Dabei sitzt der harte Stuhl wie ein Pfropfen im Mastdarm fest, der Stuhl davor beginnt zu vergären und sich zu verflüssigen. Meist unbemerkt vom Kind läuft er dann an dem Hindernis vorbei in die Hose. Was den Kindern verständlicherweise sehr peinlich ist und im schlimmsten Fall, wenn die Ursache nicht behoben wird, auch zu psychischen Folgen führen kann. In Betracht ziehen sollte man aber auch, ob eventuell psychische Gründe die Ursache für die Verstopfung sein könnten.

Außerdem haben die Kinder wegen des harten Stuhl Bauchschmerzen, sie sind körperlich kaum aktiv und essen wenig. Gelingt es ihnen irgendwann unter Schmerzen eine große Menge Stuhl loszuwerden, fühlen sie sich nur vorübergehend besser.

Mögliche Folgen einer Verstopfung

Auch wenn Verstopfung meist harmlos ist, auf die leichte Schulter nehmen sollte man sie nie. Vor allem wenn weitere Warnzeichen wie Krämpfe, Völlegefühl, ein aufgetriebener Bauch, Entzündungen in der Analregion, Schleim- beziehungsweise Blutabgang, Müdigkeit oder Erbrechen hinzukommen, sollte man auf jeden Fall so bald wie möglich einen Kinderarzt aufsuchen. Denn hinter den Beschwerden kann zum Beispiel auch eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Kuhmilchunverträglichkeit, eine Blinddarmentzündung oder gar ein Darmverschluss stecken. Manche kleinen Patienten nässen nachts auch ein, weil sich ihre Blase aufgrund des großen Stuhlvolumens wenig ausdehnen und wenig Flüssigkeit aufnehmen kann. 

Im Falle des Stuhlschmierens wird in der Regel ein auf kindliche Magen-Darm-Erkrankungen spezialisierter Gastroenterologe hinzugezogen, der zum Beispiel in der Lage ist, Störungen wie einen Morbus Hirschsprung auszuschließen. Es handelt sich dabei um eine angeborene Fehlbildung des Dickdarms. Dieser besitzt dann in einem bestimmten Abschnitt keine Nervenzellen, die die Muskeln zum Zusammenziehen und damit zum Weitertransport des Darminhaltes anregen können. Die Folge: Der Darminhalt bleibt stecken und der Darmabschnitt vor diesem Hindernis weitet sich auf. Dann kann die Entfernung des Darmabschnitts per Operation helfen. Anzeichen für die Krankheit sind unter anderem Blähungen, schlechter Appetit, Erbrechen von grüner Gallenflüssigkeit und gelegentlich auch zäher, übelriechender, stiftähnlich geformter Stuhl, sogenannter Bleistiftstuhl.

Hausmittel bei Verstopfung: Was hilft?

In der Regel aber handelt es sich bei Kindern eine so genannte "Gewohnheitsverstopfung", also eine chronische Erkrankung, deren Behandlung etwas langwieriger ist. Mit etwas Glück hat man mit einfachen Mitteln wie einer Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr Erfolg. 

  • Trinken: Ausreichend Flüssigkeit ist besonders wichtig, um die Verdauung anzukurbeln. Pflaumensaft kann den Prozess zusätzlich beschleunigen.  
  • Ballaststoffe: Generell ist eine ballaststoffreiche Kost dazu geeignet, Verstopfung bei Kindern zu behandeln. Geben Sie Ihrem Kind zum Beispiel etwas Joghurt und püriertes Obst mit einem Teelöffel Weizenkleie oder Leinsamen. Birnen und Äpfel sind besonders gut bei Verdauungsproblemen.
  • Milchzucker: Ab dem sechsten Monat können Sie Verstopfung bei Kindern mit Laktulose behandeln. Der Milchzucker fördert die Darmflora und regt die Verdauung an. Mischen Sie dafür einen Teelöffel Pulver mit Tee oder einer Flaschenmahlzeit und verabreichen Sie das Getränk einmal täglich. Bleibt die Wirkung aus, können Sie die Dosis verdoppeln. Reagiert Ihr Kind mit Durchfall, Blähungen oder Bauchschmerzen, reduzieren Sie die Dosis.
  • Bauchmassage: Eine träge Verdauung kann mit einer Bauchmassage in Schwung gebracht werden. Dabei streichen Sie Ihrem Kind mit sanften Kreisbewegungen über den Bauch, sodass die Darmtätigkeit angeregt wird. 
  • Entspannung: Schaffen Sie eine ruhige und angenehme Atmosphäre beim Toilettengang.
  • Bewegung: Bewegung bringt den Darm in Schwung. Bereits Fahrradfahren in der Luft kann Verstopfung bei Kindern lindern. Wenn Ihr Kind für die Bewegung zu klein ist, legen Sie es auf den Rücken und bewegen Sie die Beinchen von Hand. Größere Kinder sollten zum Toben angeregt werden.

Mehr zum Thema: Hausmittel bei Verstopfung 

Leiden Kinder unter Verstopfung sind die genannten Hausmittel immer erste Wahl. Bei einer chronischen Verstopfung reichen die Maßnahmen allerdings oft nicht aus. Langfristig spielt hier eine Umstellung des Speiseplans eine wesentliche Rolle. Zur Linderung der Beschwerden können Eltern zu so genannten Mini-Klistieren greifen, die wie ein Zäpfchen anzuwenden sind. Sie wirken ein Einlauf, weichen den Stuhl im Enddarm auf und fördern so die Ausscheidung. Eine ähnliche Wirkung haben Zäpfchen auf Glycerin-Basis oder Kümmelzäpfchen, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Bei schwereren Verläufen sind stuhlregulierende Medikamente und eventuell auch sanfte Abführmittel notwendig. Diese Maßnahmen müssen aber immer mit dem Kinderarzt abgesprochen werden. 

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender

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