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Reden ohne Worte: Umgang mit Demenz-Patienten

07.12.2011, 14:13 Uhr | dpa-tmn

Reden ohne Worte: Umgang mit Demenz-Patienten. Musik kann bei Demenzkranken positive Gefühle wecken. (Quelle: dpa)

Musik kann bei Demenzkranken positive Gefühle wecken. (Quelle: dpa)

Die Hose liegt in der Spülmaschine, die Arbeitsplatte in der Küche ist schon viermal abgewischt, ständig wird Geld verlegt: Das Zusammenleben mit Demenzkranken kostet Angehörige viel Kraft. Können sich Betroffene zudem nur noch schwer sprachlich ausdrücken, fällt der Zugang zu ihnen schwer. Mit einigen Hilfsmitteln können es Angehörige aber schaffen, den Umgang mit den Erkrankten zu verbessern.

Eine Robbe soll Gefühle wecken

Einige Länder setzen dazu auf technische Hilfsmittel. In Japan wurde beispielsweise eine therapeutische Robbe entwickelt, die in Altenheimen eingesetzt wird. Sie soll bei Bewohnern Emotionen wecken. Einer Studie der Fachhochschule Frankfurt am Main zufolge regte die Robbe die Konversation zwischen den Bewohnern an und brachte sie dazu, über ihre Krankheit zu reflektieren. Viele reagierten beim Streicheln des Plüschtieres mit positiven Gefühlsausdrücken wie Lächeln. Aus Schweden kommt die Idee der "Empathy Dolls", lebensgroße Puppen, die so viel wie kleine Kinder wiegen, sitzen und stehen können. Sie werden ebenfalls bei Demenzpatienten eingesetzt und sollen einen entspannenden Effekt haben.

Erinnerungen für mehr Wohlbefinden

Grundsätzlich ist es sehr schwierig zu beurteilen, welche Mittel bei Demenzpatienten Glücksgefühle hervorrufen: "Die Betroffenen können oft keine Auskunft mehr darüber geben", sagt Philipp Stude, Oberarzt an der Neurologische Klinik Bergmannsheil in Bochum. Ob es einem Patienten gut geht, ist letztlich eine Frage der Interpretation. Für Wohlbefinden sprechen aber zum Beispiel ein zugewandter Blick, eine friedliche Stimmung oder dass der Erkrankte auf Ansprache reagiert. Auslösen lässt sich dieser Zustand bei vielen Demenzpatienten über alte Hobbys, Musik, Kunst oder Tiere. "Die Angehörigen wissen meist, was dem Erkrankten Freude macht." Eine allgemeingültige Strategie gibt es aber nicht: "Es muss individuell angepasst werden." Auf der Suche nach Dingen, die der Person vor Ausbruch der Demenz wichtig waren, sind Verwandte hilfreich sein: "Fragen Sie nach: 'Wie war der Mensch vor seiner Krankheit?'", rät Professor Sabine Bartholomeyczik vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Standort Witten.

Demenzkranke ernst nehmen

Viele Demenzkranke entwickeln im Laufe ihrer Krankheit geradezu phobische Ängste, etwa, dass jemand Fremdes im Zimmer sei oder Geld gestohlen wurde. "Erkrankte brauchen dann das Gefühl, ernst genommen zu werden", sagt Professor Bartholomeyczik. Angehörige sollten deshalb versuchen, die Ängste nicht abzutun, sondern ihnen auf den Grund zu gehen. Gudrun Piechotta-Henze, Pflegewissenschaftlerin an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, rät, auf Aussagen wie "Ich bin bestohlen worden" zum Beispiel mit "Das ist sicher belastend für dich" zu antworten. Auch mit offensichtlich falsch wahrgenommenen Tatsachen oder Äußerungen werden Demenzkranke besser nicht direkt konfrontiert. Stattdessen kann es Angehörigen helfen, sich klarzumachen: "Es gibt nicht nur die eine Wahrheit, sondern verschiedene."

Andere Kommunikationsformen finden

Verlieren Demenzkranke die Fähigkeit, sich sprachlich auszudrücken, erschwert das den täglichen Umgang gehörig. Angehörige können den Verlust der Sprache aber durch andere Sinnesreize zumindest teilweise kompensieren: "Es ist wichtig, Erinnerungsinseln zu schaffen. Das geht zum Beispiel durch Berührung oder bestimmte Speisen", sagt Piechotta-Henze. Dabei greifen Sie am besten auf Dinge zurück, die der Pflegebedürftige in früheren Jahren gern hatte oder die in der Kindheit wichtig für ihn waren. Die Pflegewissenschaftlerin hat in einem Projekt beispielsweise gute Erfahrungen mit dem Vorlesen von Gedichten gemacht, die Demenzkranke noch aus der Schule kannten. "Selbst die, die sich nicht mehr verbal ausdrücken konnten, konnten die Gedichte am Schluss auswendig."

Betroffenen auf Augenhöhe begegnen

Wichtig ist auch, in Anwesenheit des Demenzkranken nicht über ihn mit anderen zu sprechen: "Man sollte nie sagen: 'Das kriegt der andere nicht mehr mit'", warnt Piechotta-Henze. Die Patienten seien ihrer Erfahrung nach sehr sensibel und bekämen auf der nonverbalen Ebene noch viel mit. Besser ist, sich auf Augenhöhe des Erkrankten zu beugen und zu versuchen, ihn direkt anzusprechen. "Damit signalisiert man ihm: 'Ich habe Zeit für dich'." Bei aller Fürsorge für die Demenzerkrankten dürften Angehörige nicht sich selbst vergessen: "Ein Entlastungstag in der Woche ist wichtig", sagt Neurologe Stude. In dieser Zeit sollte der Erkrankte von jemand anderem gepflegt werden.

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