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PSA Wert zur Prostatakrebs-Vorsorge steht in der Kritik

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Umstrittener PSA-Test  

Wie Männer mit einem erhöhten PSA-Wert umgehen sollten

09.11.2015, 12:23 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

PSA Wert zur Prostatakrebs-Vorsorge steht in der Kritik. Die Prostatakrebs-Vorsorge mit einem PSA-Test ist umstritten.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Prostatakrebs-Vorsorge mit einem PSA-Test ist umstritten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der PSA-Test gerät immer häufiger in die Kritik: Überdiagnosen, geschürte Ängste und klingelnde Kassen – daran denken viele Männer, wenn ihr Urologe diese Früherkennungsmethode empfiehlt. Doch ist dieser Test wirklich so kritisch einzustufen? Zwei Experten erklären, warum der PSA-Wert eine so bedeutende Rolle bei der Prostatakrebs-Früherkennung spielen.

Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe erhalten jedes Jahr mehr als 67.000 Männer die Diagnose Prostatakrebs. Viele von ihnen landen auf dem Operationstisch: Laut dem Barmer GEK Krankenhausreport von 2012 wird bei Männern immer öfter zum Skalpell gegriffen. Unter allen Behandlungsmethoden im Krankenhaus sei es die operative Prostataentfernung, die am häufigsten durchgeführt werde.  

Die "radikale Prostataektomie" erfolge in jedem zweiten Fall. Und noch etwas zeigt der Bericht: 52 Prozent der Patienten sind mit dem Behandlungsergebnis zufrieden. Dennoch äußern sich 41 Prozent der Männer nur eingeschränkt zufrieden. Sieben Prozent sind mit dem Resultat gar nicht glücklich.

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Mittleres Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren

Doch sind diese stationären Eingriffe, deren Gesamtkosten sich im Jahr 2011 auf rund 364 Millionen Euro summierten, wirklich immer sinnvoll? Nein, so die Meinung der Barmer GEK. Prostatakrebs sei eine Erkrankung, die vor dem 40. Lebensjahr praktisch nicht auftrete. Das mittlere Erkrankungsalter liege bei 69 Jahren. Viele Männer könnten mit Prostatakrebs alt werden. Die meisten würden nicht an ihm, sondern an etwas anderem sterben. Zudem sei er weniger bedrohlich als andere Krebsarten, eben weil er erst im Alter auftrete und weil es neben den aggressiven Formen auch friedlichere gebe, so die Meinung der Krankenkasse.

Tastuntersuchung übersieht oft kleinere Tumore

Von diesen Argumenten ausgehend, verweigern alle gesetzlichen Krankenkassen die Übernahme der Kosten für den PSA-Test. Bei Männern ab 45 Jahren ist lediglich die jährliche Prostatauntersuchung durch rektales Abtasten im Rahmen der Krebsfrüherkennung enthalten. Doch reicht diese Intersuchung? Die Deutsche Krebshilfe weist in ihrem Ratgeber "Prostatakrebs erkennen" darauf hin, dass Tumore, die durch einen auffälligen Tastbefund der Prostata entdeckt werden, in aller Regel weiter fortgeschritten sind als die mittels PSA-Test entdeckten: "Mehr als zwei Drittel der gefundenen Tumore überschreiten bereits die Organgrenzen und haben dadurch eine deutlich schlechtere Heilungswahrscheinlichkeit."

Streut der Prostatakrebs, ist er nicht mehr heilbar

Auch Dr. Wolfgang Bühmann, Urologe und Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (BDU) warnt vor einer zu späten Diagnose des Krebses: Viele Tumore könnten über viele Jahre hinweg beobachtet werden, ohne dass ein Eingriff wirklich notwendig sei. Werde der Prostatakrebs aber nicht frühzeitig entdeckt und regelmäßig untersucht, könne das gefährlich werden. "Hat der Krebs erst einmal gestreut, ist er nicht mehr heilbar", betont der Urologe.

PSA-Test als verlässlicher Tumormarker?

Auf den PSA-Test verzichten, sollten Männer seiner Meinung nach auf keinen Fall: "Der PSA-Test ist der beste Tumormarker in der Medizin", betont Bühmann. "Seit der PSA-Messung konnte die Sterblichkeitsrate der Patienten mit Prostatakarzinom signifikant gesenkt werden. Dass Krankenkassen die Kosten generell nicht übernehmen, ist unsinnig."

So wird der PSA-Test durchgeführt

Für den PSA-Test wird mittels einer Blutprobe der Wert des Prostataspezifischen Antigens gemessen. Dabei handelt es sich um einen Eiweißstoff, der nur von der Prostata gebildet wird und der in verschiedenen Situationen vermehrt im Blut zu finden ist. Das ist zum Beispiel bei einer benignen (gutartigen) Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie) oder einer harmlosen Entzündung der Prostata, auch Prostatitis genannt, der Fall.

Auch intensives Fahrradfahren vor der Blutabnahme kann die Werte beeinflussen. Doch auch ein aggressives behandlungspflichtiges Prostatakarzinom zeichne sich durch einen erhöhten PSA-Wert aus, erklärt die Deutsche Krebshilfe in ihrem Präventionsratgeber und empfiehlt Männern ab 40 Jahren, sich umfassend über die Prostatakrebs Früherkennung zu informieren.

Ein PSA-Wert allein hat keine Aussagekraft

Das sieht auch Bühmann so. Auch wenn Männern im Alter von 40 Jahren in den meisten Fällen noch kein Prostatakarzinom droht, rät der Experte seinen Patienten dennoch, ab diesem Alter mit dem PSA-Test zu beginnen. Aus einem einfachen Grund: "Ein Messwert allein sagt noch nichts über das Krebsrisiko des Patienten aus", weiß der Urologe. "Es ist daher sinnvoll, einen Basiswert zu ermitteln und diesen in den kommenden Jahren mit weiteren Ergebnissen zu ergänzen."

Es seien der Verlauf und die Anstiegsgeschwindigkeit, die zählten. Nicht der Wert an sich. "Es kann durchaus sein, dass ein Mann mit einem Wert von 15 keinen Prostatakrebs hat, ein Mann mit einem Wert von drei aber schon - das ist individuell verschieden." Wichtig sei die richtige Interpretation dieser Werte.

Finger weg von Selbsttests aus der Apotheke

Aus diesem Grund rät der Experte auch strikt von PSA-Selbsttests aus der Apotheke ab. "Dem Patienten fehlt das Wissen, um die Ergebnisse richtig auszuwerten. Und er sieht diese auch nicht im Zusammenhang mit weiteren Testergebnissen. Der Selbsttest führt also entweder dazu, dass der Mann bei einem erhöhten Wert tagelang mit Ängsten herumläuft, bevor er einen Arzttermin bekommt, oder dass er aufgrund eines niedrigen Messwertes annimmt, alles sei in Ordnung und gar nicht erst zum Arzt geht." Doch auch das könne ein Trugschluss sein und die Therapieaussichten verschlechtern.

Ein hoher Wert bedeutet nicht automatisch Krebs

Erhöhte PSA-Werte sind nicht zwangsläufig ein Grund zur Sorge. Wichtig ist aber, die Ursache herauszufinden. Die Deutsche Krebshilfe betont, dass ein erhöhter PSA-Wert dem Patienten lediglich einen Hinweis darauf gibt, dass er zu einer Risikogruppe gehört, für die sich eine weitergehende Abklärung durch eine Biopsie (Gewebeprobe) lohnen könnte.

"Von 1.000 meist mehrfach getesteten Männern im Alter von 50 bis 70 Jahren liegen die PSA-Werte bei etwa 200 Männern im abklärungspflichtigen Bereich. Bei rund 50 dieser Männer, die zur Abklärungsdiagnostik gehen, findet sich in der Prostatabiopsie ein Karzinom", steht im Ratgeber geschrieben.

"Wichtig ist, dass man Ruhe bewahrt und Entscheidungen nicht überstürzt", rät Bühmann. Viele Männer könnten durchaus auch mit einem Tumor gut leben. Das Ziel bestehe darin, herauszufinden, welche Männer sich einer Behandlung unterziehen müssen und welche nicht.

Viele Männer entscheiden sich für den Eingriff

Die Entscheidung, ob der Tumor operiert wird oder nicht, liegt in vielen Fällen sogar beim Mann selbst. Denn das Wissen, den Krebs in sich zu tragen, auch wenn er nicht behandelt werden muss, macht vielen zu schaffen. "Viele Männer kommen seelisch nicht damit klar, dass sie einen bösartigen Tumor in sich haben – auch wenn dieser nicht behandlungsbedürftig ist. Zudem müssen sie alle drei Monate zur Untersuchung und auch die ist immer mit Ängsten verbunden. Viele entscheiden sich daher bewusst für eine Operation beziehungsweise für eine Strahlentherapie und nehmen so auch Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz in Kauf, die mit der Therapie einhergehen können“, erklärt Bühmann.

Sei der Betroffene allerdings seelisch stabil genug, sich mit der Erkrankung zu arrangieren, stelle die Form der "aktiven Überwachung" eine echte Alternative im Hinblick auf die erhaltenswerte Lebensqualität dar, betont der Urologe.

Vorsorge schafft Sicherheit

Je früher Männer um ihr Risiko wissen, desto besser ist es. Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen kann ein aggressiver Tumor rechtzeitig entdeckt und behandelt werden - bevor er lebensbedrohlich wird: "Die tumorfreien Zehn-Jahres-Überlebensraten nach Operation oder Strahlentherapie liegen für frühe Tumorstadien bei mehr als 80 Prozent“, schreibt die Deutsche Krebshilfe in ihrem Ratgeber. Operationen, in deren Folge es nicht zu Impotenz kommt, seien nur in frühen Tumorstadien möglich

Es lohnt sich für Männer also, sich frühzeitig  mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen.

Prostatakrebs merkt man nicht

Wie wichtig die Früherkennung ist, beweist zudem auch die Tatsache, dass sich der Prostatakrebs unbemerkt entwickelt: „Einen bösartigen Tumor spürt man zu Beginn nicht", warnt Bühmann. Inklusive Beratung koste der PSA-Test etwa 35 Euro. Jeder müsse selbst entscheiden, wie wichtig ihm das Thema Früherkennung ist und ob er bereit ist, die Kosten zu tragen.

Überdiagnosen vermeiden

Professor Oliver Hakenberg, Generalsekretär der DGU, spricht sich trotz des Risikos einer Überdiagnose oder Überbehandlung ebenfalls für den PSA-Test aus: "Diesen negativen Aspekten von Früherkennungsmaßnahmen beim Prostatakarzinom trägt die DGU schon lange Rechnung, indem sie in ihrer 'S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms' einen sorgsamen Umgang mit Früherkennungsuntersuchungen und Zurückhaltung bei der Behandlung von sogenannten 'Niedrig-Risiko-Prostatakarzinomen' empfiehlt“, erklärt Hakenberg. "Konkret wird für das Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom eine abwartende Strategie in Form der aktiven Überwachung empfohlen, bei der keine Operation oder Bestrahlung, sondern eine regelmäßige Kontrolle, ob überhaupt ein Tumorwachstum auftritt, durchgeführt wird."

Jeder fünfte Mann mit Prostatakrebs stirbt

Aufgrund der Tatsache, dass in Deutschland pro Jahr nach wie vor jeder fünfte betroffene Mann am Prostatakarzinom und nicht an Altersschwäche sterbe, müsse man mit Warnungen vor zu viel Früherkennung sorgfältig umgehen, warnt Hakenberg. "Die Schwierigkeit besteht darin, das Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom vom relevanten, 'potentiellen Killer’ zu unterscheiden. Die Methoden, die dazu vorhanden sind, sind nicht perfekt, aber um diese Unterscheidung überhaupt treffen zu können, braucht es erst mal die Diagnose des Prostatakarzinoms in einem frühen, heilbaren Stadium. Genau das ist der Sinn einer Früherkennungsuntersuchung."

Im Zweifel eine Zweitmeinung einholen

Und trotz aller Sorge vor dem Ergebnis des PSA-Tests: Männer sollten sich bewusst machen, dass sie einer Diagnose nicht hilflos ausgeliefert sind. Sie können jederzeit mehrere Meinungen von Ärzten einholen und sich gründlich über verschiedene Behandlungsmethoden informieren lassen. Ein guter Arzt wird die Ängste verstehen und sich ausreichend Zeit für seinen Patienten nehmen. 

Nur eines sollte man nicht tun: Das Thema Früherkennung ignorieren.

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