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Prostatakrebs: Mediziner zweifeln am Nutzwert des PSA-Tests

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Prostata-Früherkennung  

PSA-Test allein lässt Ärzte zu schnell zum Skalpell greifen

11.11.2014, 16:06 Uhr | ag/akl/bri

Prostatakrebs: Mediziner zweifeln am Nutzwert des PSA-Tests. Prostatakrebs wird mit der Zeit nicht automatisch aggressiver. Einige Ärzte raten daher von einer sofortigen Behandlung ab. (Quelle: imago)

Prostatakrebs wird mit der Zeit nicht automatisch aggressiver. Einige Ärzte raten daher von einer sofortigen Behandlung ab. (Quelle: imago)

Schon seit längerer Zeit ist der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs in die Kritik geraten. Während die einen vor zu späten Diagnosen und der damit verbundenen Gefahr der Streuung des Krebses warnen, sehen andere das Risiko von Überdiagnosen, die zu unnötigen OPs und Therapien mit häufigen Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Impotenz führen können. In dieser Diskussion liefert eine Studie aus Kanada neuen Zündstoff: Nach Auswertung bisheriger Studien kommen die Forscher zum Schluss, dass der Test bei Vorsorgeuntersuchungen nicht routinemäßig eingesetzt werden sollte. Für bestimmte Zielgruppen jedoch kann er durchaus sinnvoll sein.

Die Empfehlungen, die im "Canadian Medical Association Journal" (CMAJ) veröffentlicht wurden, sprachen Präventionsmediziner der unabhängigen Institution "Canadian Task Force on Preventive Health Care" aus. Im Wesentlichen stützen sich die Autoren auf die Ergebnisse zweier großer Studien zum PSA-Screening, nämlich der US-Studie PLCO und der europäischen Studie ERSPC.

PSA-Screening senkt nicht die Sterblichkeitsrate

Die Analyse der Daten aus beiden Studien habe ergeben, dass keine wissenschaftlichen Belege dafür gebe, dass das PSA-Screening die Sterblichkeitsrate der Männer senke. Allerdings sei erwiesen, dass das Verfahren den Männern Schaden zufüge, etwa durch eine Überdiagnose.

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Zwei Altersgruppen sollten besonders vorsichtig sein

Aus diesem Grund sprechen sich die Wissenschaftler gegen ein standardmäßiges PSA-Screening aus. Besonders Männer, die unter 55 sind, sollten vorsichtig sein. Bei ihnen sei der Nutzwert des Tests am geringsten. Das Gleiche gelte für die über 70-Jährigen. Auch für sie solle der PSA-Test nicht routinemäßig angeboten werden.

Für Männer zwischen 55 und 69 Jahren, so die Studie, kann das Screening jedoch unter Umständen sinnvoll sein. Die Entscheidung jedoch sei individuell und sollte erst nach intensiver Aufklärung gefällt werden. Hierbei spielen unter anderem Faktoren wie genetische Vorbelastungen eine wichtige Rolle.

Screening ist auch in Deutschland umstritten

Auch in Deutschland setzen Ärzte mehr auf die klassische Früherkennung als auf ein generelles Screening mittels PSA-Test. Grundsätzlich verweigern alle gesetzlichen Krankenkassen die Übernahme der Kosten (ca. 35 Euro) für den PSA-Test. Bei Männern ab 45 Jahren ist lediglich die jährliche digital-rektale Tastuntersuchung im Zuge der Krebsfrüherkennung enthalten.

Doch reicht das? Die Deutsche Krebshilfe weist in ihrem Ratgeber "Prostatakrebs erkennen" darauf hin, dass Tumore, die durch einen auffälligen Tastbefund der Prostata entdeckt werden, in aller Regel weiter fortgeschritten sind, als die mittels PSA-Test entdeckten: "Mehr als zwei Drittel der gefundenen Tumore überschreiten bereits die Organgrenzen und haben dadurch eine deutlich schlechtere Heilungswahrscheinlichkeit."

Urologen plädieren für den PSA-Test

Die Gefahr, dass Tumore zu spät entdeckt werden, sehen auch Urologen. Mittels PSA-Test könne man das vermeiden und entscheiden, ob wirklich eine OP nötig sei. Denn bei Prostatakrebs wachsen Tumore häufig nicht so schnell und können über einen längeren Zeitraum hin beobachtet werden, ohne das man gleich operiert. Urologen plädieren auch dafür, mehrere Tests durchzuführen, um individuell beurteilen zu können, wann ein erhöhter Wert überhaupt Anlass zur Sorge bietet. Der Wert kann von Patient zu Patient verschieden sein.

Hohe Werte bedeuten nicht automatisch Krebs

Erhöhte PSA-Werte sind nicht zwangsläufig ein Grund zur Sorge. Wichtig ist aber, die Ursache herauszufinden. Die Deutsche Krebshilfe betont, dass ein erhöhter PSA-Wert dem Patienten lediglich einen Hinweis darauf gibt, dass er zu einer Risikogruppe gehört, für die sich eine weitergehende Abklärung durch eine Gewebeprobe lohnen könnte. "Von 1000 meist mehrfach getesteten Männern im Alter von 50 bis 70 Jahren liegen die PSA-Werte bei etwa 200 Männern im abklärungspflichtigen Bereich. Bei rund 50 dieser Männer, die zur Abklärungsdiagnostik gehen, findet sich in der Gewebeprobe ein Prostatakarzinom", heißt es im Ratgeber.

Fazit: Ob sich ein Mann sich entschließt, im Rahmen der Prostata-Krebsvorsorge an einem PSA-Screening teilzunehmen, ist eine individuelle Entscheidung. Sie sollte grundsätzlich in Absprache mit dem Arzt, nach genauem Abwägen der Vor- und Nachteile, getroffen werden. Hierbei Spielen Faktoren wie das Lebensalter, die Krankheitsvorgeschichte und eventuelle genetische Vorbelastungen eine wichtige Rolle. Dabei sollte sich der Patient bewusst sein, dass eine einmalige Bestimmung des Wertes keine absolute Aussagekraft hat. Aufschlussreicher sind die Messungen über einen längeren Zeitraum hinweg. Auch ersetzt das Screening nicht die klassische Tastuntersuchung.

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