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Nackenschmerzen: Ursachen, Tipps, Therapie

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Vielfältige Ursachen  

Nackenschmerzen: Das kann dahinter stecken

10.01.2018, 17:51 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, fsc

Nackenschmerzen: Ursachen, Tipps, Therapie. Nackenschmerzen können harmlos sein, doch bei Lähmungserscheinungen und deutlichen Bewegungseinschränkungen ist Vorsicht geboten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nackenschmerzen können harmlos sein, doch bei Lähmungserscheinungen und deutlichen Bewegungseinschränkungen ist Vorsicht geboten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Stundenlanges Sitzen am Schreibtisch, Starren aufs Smartphone, Stress, zu wenig Bewegung – Kommt Ihnen das bekannt vor? Nackenschmerzen sind oft die Folge unseres Lebensstils. Aber auch ernsthafte Erkrankungen oder psychische Probleme können dahinter stecken. Erfahren Sie mehr zu den Ursachen von Nackenschmerzen und was Sie dagegen tun können.

Meist treten Nackenschmerzen von einem Moment auf den anderen auf: Eine falsche Schlafposition oder Bewegung beim Sport, Zugluft aber auch Stress können zur Verkrampfung der Muskulatur und zu stechenden Schmerzen im Nacken führen, die zum Teil bis in Schultern, Kopf und Arme ausstrahlen.

Diese situativen Umstände sind allerdings nur Auslöser, aber keine Ursachen von Nackenschmerzen. "In den meisten Fällen sind Verspannungen und Überlastungen schuld an den Schmerzen im Nacken", erklärt Professor Bernd Kladny, Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie der m&i-Fachklinik Herzogenaurach und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). 

Ursachen im Überblick

  • Muskuläre Verspannungen
  • Überlastungen
  • Verschleiß der Wirbel und Bandscheiben
  • Gelenkblockaden
  • Rheuma
  • Stress


Arten von Nackenschmerzen

In der Medizin werden vier Arten von Nackenschmerzen unterschieden: mechanisch und nicht-mechanisch ausgelöste, sogenannte Übertragungssschmerzen und solche, die psychischer Natur sind. Wer die Ursachen für seine Schmerzen eingrenzen und Behandlungsmöglichkeiten ermitteln will, muss zunächst herausfinden, unter welcher der vier Arten von Nackenschmerzen er leidet. 

  • Mechanisch bedingte Nackenschmerzen

Befindet sich der Nacken- und Schulterbereich dauerhaft in einer Fehlhaltung, also einer unnatürlichen und unentspannten Position, verkürzt und verkrampft die Muskulatur. Typische Beispiele sind das lange angespannte Sitzen vor dem Computer oder die nach vorne geneigte Haltung bei der Nutzung von Smartphone oder Tablet. Dann reicht bereits eine geringfügige Zusatzbelastung aus, um Schmerzen hervorzurufen. 

Ebenso kann eine zu starke Belastung durch beispielsweise schwere körperliche Arbeit Verspannungen hervorrufen. Manchmal steckt aber auch eine schwache Muskulatur durch zu wenig Bewegung dahinter. In selteneren Fällen können auch der Verschleiß der Wirbel oder Bandscheiben zu Nackenschmerzen führen. 

"Machmal liegt es an einer Störung, die im Volksmund als Blockierung bezeichnet wird", sagt Kladny. Dann müssen die Wirbel wieder beweglich gemacht werden. Kommt es immer wieder zu Gelenkblockaden im Nacken, kann der Auslöser auch im unteren Körperbereich zu finden sein. Verkürzte Muskeln können ebenso Probleme bereiten wie Fehlstellungen der Füße oder gar der Hüfte.

Auch ein Schleudertrauma, das etwa durch einen Auffahrunfall ausgelöst wurde, kann zur Überdehnung der Muskeln und Bänder am Hals oder Verletzungen der Halswirbelsäule führen. Die Folge: Eine Art Muskelkater, der teilweise mehrere Monate anhalten kann. 

Daneben kann eine Hirnhautentzündung, auch Meningitis genannt, die zum Beispiel durch einen entzündeten Zeckenbiss ausgelöst wurde, mechanische Nackenschmerzen verursachen. Weil der Betroffene aufgrund der Schmerzen in der empfindlichen Hirnhaut eine Schonhaltung einnimmt, verspannen sich die Nackenmuskeln reflexartig, verkrampfen und werden steif. Gleiches gilt für eine Schwellung oder ein Abszess im hinteren Rachenraum.

  • Nicht-mechanisch bedingte Nackenschmerzen

Nicht-mechanische Arten von Nackenschmerzen entstehen häufig an den Wirbelgelenken der Halswirbelsäule. Außerdem zählen zu den nicht-mechanischen Arten von Nackenschmerzen Erkrankungen des Bewegungssystems oder innerer Organe sowie Infektionen. Wer unter Rheuma oder der entzündlich-rheumatischen Krankheit Morbus Bechterew leidet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Gelenk-, Rücken- und Nackenschmerzen ertragen müssen. In vielen Fällen entzünden sich in diesem Zusammenhang auch die Schultergelenke, die Verbindung zwischen Brust- und Schlüsselbein oder die Handgelenke. Wie auch bei anderen Arten von Nackenschmerzen sind Erwachsene hier häufiger betroffen als Kinder oder Jugendliche. 

Zwar wird die Volkskrankheit Nackenschmerzen in den meisten Fällen durch "harmlose" Verspannungen ausgelöst, in seltenen Fällen jedoch auch durch Hirntumore oder Schilddrüsenkrebs. Bei Letzterem vergrößert sich nicht nur die Schilddrüse, sondern es bilden sich auch harte Lymphknoten im Nacken, die Schmerzen bereiten können.

  • Übertragungsschmerzen 

Übertragungsschmerzen zählen zu den Arten von Nackenschmerzen, die nicht lokal entstehen, sondern innerhalb des Körpers wandern. Verspannen oder verhärten sich Muskeln im Rücken in der Nähe von Schmerzempfängern, sogenannten Nozizeptoren, wird der Schmerz weitergeleitet. 

  • Psychisch-bedingte Nackenschmerzen 

Auch wenn seelische Arten von Nackenschmerzen nur schwer eindeutig diagnostiziert werden können, psychische Probleme gehören zu den häufigsten Ursachen. Stress, Beziehungsprobleme, chronische Über- oder Unterforderung am Arbeitsplatz wirken sich leicht auf unser gesamtes Wohlbefinden, unsere Haltung und den Spannungsgrad in Kopf- und Nackenbereich aus. Achten Sie darauf, wann sich Ihre Nackenmuskeln besonders verkrampfen, und versuchen Sie, derartige Situationen durch Entspannungsübungen oder leichte Gymnastik auszugleichen.


Symptome: Nackenschmerzen und Kopfschmerzen gehören oft zusammen

  • Steifer Hals: Der Kopf lässt sich nur noch in eine Richtung drehen. Dabei handelt es sich um eine natürliche Schutzvorrichtung: Durch die Verkrampfung wird die normale Bewegungsfreiheit eingeschränkt und so Gelenkschäden vorgebeugt, da die kritische Bewegung nicht weiter fortgeführt wird. 
  • Kopfschmerzen: Betroffene berichten häufig auch von stechenden Kopfschmerzen, welche die Nackenschmerzen begleiten. Die Erklärung ist einfach: "Die Nackenmuskulatur und die Nervenstränge, die das Hinterhaupt versorgen, liegen eng beieinander. Verkrampfen die Muskeln, drücken sie auf die Nerven und der Schmerz im Kopf entsteht", erklärt Kladny.
  • Schwindel:
  • Übelkeit:

Behandlung: Was tun bei Nackenschmerzen?

Akute, plötzlich auftretende Nackenschmerzen verschwinden in vielen Fällen nach wenigen Tagen oder Wochen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die Schmerzen zu lindern: 

Wer Nackenschmerzen behandeln lassen muss, hat die Wahl zwischen verschiedenen Therapieformen. Die klassische Halskrause sollten Sie nur tragen, wenn Ihre Halswirbelsäule nach einem Schleudertrauma instabil ist oder Sie akut unter sehr starken Schmerzen leiden. Laut der "Apotheken Umschau" raten Experten mittlerweile davon ab, die Muskeln stillzulegen. Anstatt die Muskulatur weiter zu schwächen, sollte sie besser durch ganzheitliche Krankengymnastik oder Physiotherapie gestärkt werden. Das Ziel: verspannte und verkürzte Muskeln dehnen und kräftigen, sodass die Wirbelsäule besser stabilisiert wird. Gleichzeitig lockert sich der ganze Bewegungsapparat.

Einen ähnlichen Effekt haben Massagen an Nacken, Schultern und Rücken. Aber Vorsicht: Manuelle Therapien dürfen nur dann durchgeführt werden, wenn Verletzungen an der Wirbelsäule ausgeschlossen wurden. Bevor Sie Nackenschmerzen behandeln lassen, sollten Sie deshalb zunächst von einem Arzt die genauen Ursachen diagnostizieren lassen. 

  • Wärme: Um verspannte Muskeln zu lockern, kann Wärme, etwa in Form eines Kirschkernkissens oder Umschlags, gut tun: Dank der Wärme weiten sich die Gefäße, die Blutzirkulation wird angeregt und der Muskel mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Auch Wärmepflaster oder Wärmelampen können dafür sorgen, dass sich der Betroffene entspannt und die Muskulatur entkrampft. 
  • Massagen: Sind der Nacken und die Schultern verspannt, kann auch eine vorsichtige Massage die Muskulatur lockern. Wenden Sie sich am besten an einen Physiotherapeuten.
  • Medikamente: Bestimmt der Schmerz jede Bewegung, können Schmerzmittel kurzzeitig Abhilfe schaffen. Gegen akute Schmerzen helfen entzündungshemmende Medikamente mit dem Wirkstoff Ibuprofen. 

Anstatt Nackenschmerzen behandeln zu lassen, greifen manche Patienten lieber zu Schmerzmitteln. Zwar können die Wirkstoffe Paracetamol, Ibuprofen und Diclofenac kurzfristig Linderung verschaffen, sie bekämpfen jedoch nicht die Ursache. Auch schmerzstillende Salben oder sogenannte Muskel-Relaxantien, welche die Muskeln auf chemischem Weg entspannen, sollten nicht über einen längeren Zeitraum verwendet werden. Dr. Gerd Müller, ärztlicher Leiter eines orthopädischen Zentrums in Hamburg, gibt gegenüber dem "Stern" folgenden Tipp: Besprechen Sie Medikation im Zweifel immer mit einem Experten, anstatt sich selbst ohne ausreichende Kenntnisse zu therapieren.

Leidet ein Patient unter chronischen Schmerzen, die durch einen Bandscheibenvorfall oder eine abgenutzte Wirbelsäule hervorgerufen werden, greifen Ärzte häufig zur Cortison-Spritze. Bei besonders schwerwiegenden Fällen kann eine Operation notwendig sein. Weil hierbei jedoch das Risiko einer Verletzung der Nerven, des Gewebes und des Rückenmarks besteht, sollten Sie vorher alle anderen Therapiemöglichkeiten ausreizen.

  • Krankengymnastik:

"Das beste Mittel gegen bestehende Verspannungen ist leichte Bewegung", betont Professor Herbert Löllgen von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Durch ein vorsichtiges Drehen und Kreisen des Kopfes sollen die verhärteten Muskeln gelockert werden. "Wärme unterstützt den Lockerungsprozess, beispielsweise in Form von Wärmepflastern oder einem aufgeheizten Kirschkernkissen", ergänzt der Sportmediziner aus Remscheid. Auch eine selbst durchgeführte Streichmassage könne dazu beitragen, die volle Beweglichkeit schnell wieder zurückzuerlangen.

Achtung: Schmerzmittel sollten nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Zum einen kann es zu Nebenwirkungen kommen, zum anderen ist wichtig, dass man der Ursache der Schmerzen auf den Grund geht. Denn: Haben die Nackenschmerzen ihren Ursprung im Gelenk und nicht im Muskel, macht die eingeschränkte Bewegungsfreiheit durchaus Sinn.


Hausmittel: Nackenschmerzen selbst behandeln

Therapie: Wann muss man mit Nackenschmerzen zum Arzt?

Treten die Beschwerden immer wieder auf oder bleiben länger als drei Monate, sprechen Mediziner von chronischen Nackenverspannungen. Laut der "Apotheken Umschau" leiden etwa zehn Prozent der Betroffenen unter chronischen Nackenschmerzen. In diesem Fall sollte man definitiv zum Arzt gehen. "Auch wenn zu den Schmerzen weitere Symptome wie etwa Lähmungserscheinungen, starke Bewegungseinschränkungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle hinzukommen, sollten Sie nicht länger zögern", warnt der Rückenexperte.

Um die Schutzvorrichtung des Körpers aufzulösen und das Gelenk wieder "einzurasten", kann etwa die Chirotherapie helfen. So werden mit gezielten Bewegungen die Blockaden gelöst. "Dabei ist meist ein deutliches Knacken im Gelenk zu vernehmen", erklärt Kladny. Physiotherapeuten können die Wirbelsäule mit bestimmten Handgriffen und über Dehnungsbehandlungen mobilisieren. Das Lösen der Blockierung über einen kurzen Impuls – das "Knacken" – dürfen in Deutschland aber nur Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin durchführen, warnt Kladny.

Komplizierter wird die Therapie, wenn die Nackenverspannungen chronisch geworden sind, also drei Monate und länger bestehen. "Bei der Chronifizierung wird der Schmerz oft selbst zur Krankheit, eine Ursache findet man dann häufig nicht mehr", erklärt Kladny. Meist spielen dabei psychische Faktoren eine wichtige Rolle.

Einerseits verursacht Stress Muskelverspannungen, andererseits machen dauerhafte körperliche Beschwerden ängstlich und depressiv, was zu noch mehr Stress führt. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen individuelle Therapiepläne erstellt werden, die auch die psychische Verfassung und das soziale Umfeld der Betroffenen in den Blick nehmen.

Die "Apotheken Umschau" nennt als mögliche Behandlungs- und Vorbeugungsmaßnahmen Strom- und Ultraschallbehandlungen, Chirotherapien, Krankengymnastik, Massagen, Akupunktur, Biofeedback und Entspannungstraining.  


Diagnose: Welcher Arzt bei Nackenschmerzen?

Eine sinnvolle Diagnose von Nackenschmerzen kann nur Ihr Hausarzt oder Orthopäde erstellen. Bei ungewöhnlichen Krankheitsbildern können Sie sich auch an einen Neurologen oder Chirurgen wenden. Um einzugrenzen, um welche Art von Beschwerden es sich genau handelt, sollten Sie ihre Symptome aufmerksam wahrnehmen und unter Umständen schriftlich festhalten. So beschleunigen Sie die Untersuchung und erleichtern die Entscheidung über Behandlungsmöglichkeiten.

Eine Röntgenuntersuchung ist in den meisten Fällen überflüssig. Nur, wenn Ihre Symptome chronischer Natur sind oder sich nachts verstärken, kann ein Röntgenbild der Halswirbelsäule sinnvoll Aufschluss darüber geben, ob Fehlbildungen oder Verletzungen vorliegen. Vermutet der Arzt einen Knochenbruch oder Bandscheibenvorfall, führt er zur weiterführenden Diagnose von Nackenschmerzen auch eine Computer- oder eine Magnet-Resonanz-Tomografie durch. 

Alternative Therapieformen

Alternative Therapien zur Behandlung von Nackenschmerzen gibt es mittlerweile viele. Patienten sollten je nach ihren individuellen Vorlieben und Bedürfnissen Kosten und Nutzen gegeneinander abwägen. Bei all diesen Verfahren sind Geduld und Vertrauen in deren Wirksamkeit Voraussetzungen für den tatsächlichen Erfolg.

  • Akupunktur

Die bekannteste alternative Therapie entstammt der Traditionellen Chinesischen Medizin. Angeblich verteilen sich über den gesamten Körper 365 Akupunkturpunkte, viele davon auch an Hals und Nacken. Die Nadeln, die in diese Punkte gestochen werden, setzen vermutlich Endorphine, also körpereigene Glückshormone, frei. Der Effekt: Dank der ganzheitlichen Therapie könnte die Lebensenergie "Qi" besser Fließen, Schmerzen würden gelindert und das allgemeine Wohlbefinden verbessert. Obwohl die alternative Therapie mittlerweile als Behandlungsmethode anerkannt ist, werden die Kosten zur Nackenschmerzen-Behandlung nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Nur bei chronischen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule oder chronischer Kniegelenksarthose zahlen die Kassen eine sechswöchige Behandlung mit bis zu zehn Sitzungen. Wer bereit ist, für die Kosten selbst aufzukommen, muss mit 30 bis 90 Euro pro Anwendung rechnen. 

  • Osteopathie

Die Heilmethode, die vor mehr als 130 Jahren begründet wurde, setzt sich nach und nach auch zur Nackenschmerzen-Behandlung durch. Das Ziel: Gewebe und Organe sollen sich miteinander harmonisch verbinden. Sind Gelenke beispielsweise nur eingeschränkt beweglich, blockiert dies die gesamte Leistungsfähigkeit des Organismus und löst Beschwerden wie Nackenschmerzen aus.

Die alternative Therapie versucht durch Ertasten, leichten Druck und sanftes Dehnen zu entspannen und die Wirbelsäule, Bänder, Muskeln, Knochen und Gelenke wieder ins Gleichgewicht zu bringen – und das nicht immer dort, wo der Patient die Schmerzen fühlt. In der NDR-Reportage "Schmerzen lindern mit Osteopathie" erklärt Osteopath Thomas Seebeck, dass beispielsweise durch gezielte Übungen mit den Füßen in Kombination mit einer richtigen Atmung Kopf- und Nackenschmerzen gelindert werden können.

Weil der Erfolg von Osteopathie noch nicht bewiesen ist, übernehmen nicht alle Krankenkassen die Kosten von rund 100 Euro pro Sitzung, manche aber immerhin anteilig. Nur geschulte Heilpraktiker und Ärzte dürfen die alternative Therapie im Sinne des Heilpraktikergesetzes ausüben. Tipp: Lassen Sie Ihre Nackenschmerzen von einem Osteopathen mit staatlicher Anerkennung behandeln.

  • Softlaser

Softlaser-Strahlen stimulieren das Gewebe ähnlich wie Akupunkturnadeln. Wie der Kölner Orthopäde Dr. Friedhelm Kuhlmann gegenüber dem Frauenmagazin "Für Sie" erklärt, versorgen die Lichtteilchen die Zellen mit Energie: "Diesen Schub nutzen sie unter anderem, um Entzündungen zu bekämpfen, die Weiterleitung von Schmerzsignalen zu unterbrechen und Verspannungen zu lösen. Die Selbstheilungskräfte werden angeregt." In einer australischen Studie schnitt die alternative Therapie besser als konventionelle Methoden wie Massage und Schmerzmittel ab. Der Grund: "Softlasern geht schnell, tut nicht weh und hat keine Nebenwirkungen", so Kuhlmann weiter. Die Nackenschmerzen-Behandlung mit dem Softlaser dauert etwa 15 Minuten, acht bis zehn Sitzungen sind in der Regel nötig. Die Kosten von 30 bis 80 Euro pro Behandlung werden nur in Ausnahmefällen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. 

Reizstromtherapie

Biofeedback

Operation bei Nackenschmerzen: Wann sinnvoll?

Wenn Wärme, Physiotherapie oder Massagen nicht mehr helfen, kann eine Operation bei Nackenschmerzen Abhilfe schaffen. Allerdings dürfen Patienten das Risiko einer Verletzung der Bandscheiben nicht unterschätzen. Bevor die Entscheidung für das Skalpell fällt, sollten Sie alle anderen konservativen und alternativen Behandlungsmethoden getestet haben.

Wenn schmerzstillende Mittel nicht mehr helfen und sich Nervenausfälle zu den Beschwerden gesellen, sehen viele Patienten eine OP als letzte Möglichkeit, schmerzfrei zu leben. Dr. Rüdiger Degwert, Sportmediziner und Chirotherapeut, gibt dazu im Interview mit der ARD eine Einschätzung: "Patienten sind ungeduldig. Die Operation steht bei ihnen im Ruf, alles schnell wegzumachen, auch wenn dies gar nicht stimmt." Aktuelle Studien zeigten, dass über 90 Prozent der Bandscheiben-OPs überflüssig seien. Viele davon zahlen sich angeblich eher für den Operateur als den Betroffenen aus.

Nur wer länger als drei Monate oder immer wieder zwischendurch unter unerträglichen Nackenschmerzen leidet und keinen Erfolg durch konservative oder alternative Therapien erzielt, sollte eine Operation an den Bandscheiben erwägen. Spätestens, sobald Sie ein Kribbeln oder Taubheit verspüren, unter plötzlicher Kraftlosigkeit, unerträglichen Schmerzen oder Funktionseinschränkungen von Hand und Arm leiden, sollten Sie dringend einen Neurologen oder Chirurgen konsultieren, rät Gesundheitsautorin Eva Maria Siefert in einem Bericht des Hessischen Rundfunks (HR).

Bevor Sie sich für eine Operation bei Nackenschmerzen entscheiden, sollten Sie das Risiko und die Erfolgswahrscheinlichkeit sorgfältig gegeneinander abwägen. Bei dem Eingriff an der Wirbelsäule entfernt ein Operateur je nach Stabilität der umliegenden Wirbel die zerstörte Bandscheibe direkt oder ersetzt sie durch ein Implantat. Dabei drohen Verletzungen des umliegenden Gewebes im Halsbereich, zum Beispiel am sogenannten Stimmbandnerv. Auch die Nähe zum Rückenmark birgt ein Risiko. Verletzt der Operateur dieses aus Versehen, können Nervenbahnen zerstört werden, wodurch die Reizleitung vom Gehirn zu den Organen und Gliedmaßen unseres Körpers nicht mehr funktionieren würde. Die möglichen Folgen: kurzfristige oder sogar dauerhafte motorische Funktionsstörungen und Lähmungen, Probleme bei der Sinneswahrnehmung oder eingeschränkte Organversorgung.

Ein weiteres, ernst zu nehmendes Risiko einer Operation bei Nackenschmerzen besteht darin, dass die Wunde nicht sauber verheilt und sich Narbengewebe bildet. Dies ist nicht nur aus ästhetischer Perspektive unerfreulich, sondern kann ebenso wie die entfernte Bandscheibe auf die Nerven drücken. Somit wären die erhofften Verbesserungen durch einen Eingriff hinfällig.

Nackenschmerzen vorbeugen

All diese passiv-reagierenden Maßnahmen dienen dazu, Beschwerden zu lindern. Daneben gebe es jedoch eine Reihe von aktiven Methoden, mit denen Sie nicht nur Nackenschmerzen behandeln, sondern bestenfalls vorbeugen können, so Dr. Gerd Müller. Vermeiden Sie Zugluft und Feuchtigkeit. Stattdessen sollten Sie Ihrem Nacken so häufig wie möglich Wärme gönnen.

Um Verspannungen und Schmerzen dauerhaft zu umgehen, hilft nur eines: Bewegung. Dr. Müller empfiehlt beispielsweise ein Ausdauertraining, wodurch Rücken und Nacken beweglich bleiben, Muskeln aufgebaut und gekräftigt werden. Alternativ bieten sich Nordic Walking oder Schwimmen an. Tipp: Falls Sie viele Stunden sitzend verbringen, sollten Sie sich regelmäßig zwischendurch strecken und dehnen sowie häufiger die Sitzposition verändern. So beugen Sie Haltungsfehlern und Überlastungen der Bandscheiben vor.

Um physischen Ursachen von Nackenschmerzen vorzubeugen, sollten Sie generell Zugluft, Feuchtigkeit, Fehlhaltungen und zu weiche Matratzen meiden. Bewegen Sie sich regelmäßig und lindern Sie Schmerzen zunächst mit Wärme, durchblutungsfördernden Salben und Massagen. 

Bewegung

Die beste Vorbeugemaßnahme ist es, sich regelmäßig zu bewegen. "Wichtig ist, dass der Nacken nicht dauerhaft starr und angespannt in einer Position verharren muss. Bewegen Sie sich – und zwar regelmäßig", empfiehlt Kladny. So bleibt der Nacken flexibel und die Stützkraft der Muskeln wird gestärkt.

"Das beste Mittel gegen bestehende Verspannungen ist leichte Bewegung", betont Professor Herbert Löllgen von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Durch ein vorsichtiges Drehen und Kreisen des Kopfes sollen die verhärteten Muskeln gelockert werden. "Wärme unterstützt den Lockerungsprozess, beispielsweise in Form von Wärmepflastern oder einem aufgeheizten Kirschkernkissen", ergänzt der Sportmediziner aus Remscheid. Auch eine selbst durchgeführte Streichmassage könne dazu beitragen, die volle Beweglichkeit schnell wieder zurückzuerlangen.

Menschen, die häufiger mit Nackenverspannungen zu kämpfen haben, empfiehlt Löllgen, sich mit einem Halstuch gegen Zugluft zu schützen. Zudem sollten unter Umständen Sportarten gemieden werden, bei denen der Kopf tendenziell überstreckt ist, beispielsweise Fahrradfahren. "Auch Brustschwimmen kann Probleme bereiten, wenn der Kopf nicht eingetaucht, sondern stets aus dem Wasser gehalten wird." Und wer Hanteln im Fitness-Studio stemmt, sollte immer seinen Rücken gerade halten. Eine krumme Körperhaltung beim Kniebeugen zum Beispiel ruiniert auf Dauer die Bandscheiben.

Allerdings sollte man bei der Wahl der Sportart darauf achten, dass der Nacken möglichst in seiner natürlichen Position verbleibt. Wer oft schwimmen geht, den Kopf aber immer starr über Wasser hält oder viele Stunden auf dem Rennrad sitzt und dabei haltungsbedingt seinen Kopf weit nach vorne strecken muss, muss mit Nackenbeschwerden rechnen.

Wer im Büro viel sitzt, hat schnell mal einen verspannten Nacken.  (Quelle: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn)Wer im Büro viel sitzt, hat schnell mal einen verspannten Nacken. (Quelle: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn)

Maßnahmen am Arbeitsplatz

Durch Fehlhaltungen werden Muskeln stark beansprucht. In der Regel bringen einfache Gegenmaßnahmen Entlastung: "Wer den ganzen Tag im Büro sitzt, sollte schauen, dass der Arbeitsplatz ergonomisch korrekt eingerichtet ist – also dass der Blickwinkel zum Bildschirm, die Sitzhöhe und die Beleuchtung passen", erklärt Ute Merz vom Deutschen Verband für Physiotherapie.

Außerdem sei es wichtig, eine monotone Sitzhaltung so oft wie möglich zu unterbrechen. Die Physiotherapeutin rät, häufiger aufzustehen, auch einmal im Stehen zu telefonieren und sich immer wieder bewusst gerade hinzusetzen.

Es kann zudem helfen, beim Telefonieren ein Headset zu verwenden. Denn so bleibt die Wirbelsäule während des Gesprächs aufrecht, erklärt Reinhard Schneiderhan, Orthopäde in München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga. Wer sich dagegen den Hörer zwischen Ohr und Schulter klemmt, telefoniert mit verdrehtem Kopf und krummem Rücken – und schadet so seinem Nacken. Mit einem Bluetooth-Headset ist es dann auch kein Problem, während des Gesprächs aufzustehen und ein paar Schritte durch den Raum zu laufen.

Und nach Feierabend gilt die Devise: Einfach mal abschalten. Ein heißes Bad oder eine Fangopackung machen die Muskeln schön locker. Ergonomisch geformte Nackenkissen können positionsbedingte Verspannungen im Schlaf verhindern.

Übungen gegen Nackenverspannungen

Lockere Muskeln sind die beste Vorbeugung gegen Nackenschmerzen. Wer also viele Stunden vor dem Computer sitzen muss, der sollte seine Muskulatur im Schulter- und Nackenbereich immer wieder einmal auflockern. Bewegung führt zu einer besseren Durchblutung der Muskeln und damit zu einer schnelleren Erholung.

Neben dem Feierabend-Sport helfen auch kleine Übungseinheiten im Alltag. Wer viel Zeit vorm Computer verbringt, kann immer wieder seinen Kopf drehen, die Schultern kreisen lassen und die Muskulatur dehnen. Nicht selten ist dabei ein leises Knacken im Nackenbereich zu vernehmen, wenn sich die Halswirbel lockern. 

Mit dieser Übung können die kleinen Kopfgelenke und Nackenmuskeln bewusst gelöst und entspannt werden. Die Zeitschrift "Naturarzt" (Ausgabe 10/2017) schlägt vor, sich aufrecht hinzusetzen und sich vorzustellen, dass der Kopf wie ein Luftballon gefüllt ist und in Richtung Himmel schwebt. Das streckt die Nackenmuskeln.

Nun stellt man sich vor, die Nasenspitze sei ein Pinsel. Dieser Pinsel malt eine gezackte Linie, indem die Nase auf und ab und der Kopf langsam nach rechts bewegt wird. Danach wird die Übung auf der linken Seite wiederholt. Der Kiefer bleibt entspannt. Anschließend der Übung einen Moment nachspüren.

Quellen und weiterführende Informationen:

- Apotheken-Umschau

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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