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Hoffnung für Alzheimer-Patienten: Therapie beseitigt Eiweißablagerungen

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"Für die Wissenschaft ein Durchbruch"  

Neues Alzheimermittel schürt Hoffnungen

03.09.2016, 09:38 Uhr | Andrea Goesch

Hoffnung für Alzheimer-Patienten: Therapie beseitigt Eiweißablagerungen. Mithilfe des Antikörpermedikaments  Aducanumab gelang es Forschern, die für Alzheimer typischen Plaques zu reduzieren.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mithilfe des Antikörpermedikaments Aducanumab gelang es Forschern, die für Alzheimer typischen Plaques zu reduzieren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Alzheimer ist unheilbar - zumindest bislang. Eine neue Therapie könnte das ändern. In einer klinischer Studie gelang es Forschern erstmals, mithilfe eines Antikörpermedikaments die typischen Eiweißablagerungen im Gehirn (Plaques) zu beseitigen. Wird Alzheimer also bald heilbar sein?

t-online.de hat mit dem Alzheimer-Forscher Tobias Hartmann, Professor für experimentelle Neurologie an der Universität des Saarlandes, gesprochen.

t-online.de: Wissenschaftler aus den USA und der Schweiz haben an Alzheimer-Patienten im Frühstadium den Antikörper Aducanumab getestet. Nach einem Jahr war die Menge der Plaques im Gehirn fast auf Normalniveau.  Der geistige Abbau konnte ebenfalls gestoppt werden. Ist das der medizinische Durchbruch?

Tobias Hartmann: Die Studie ist phänomenal wichtig und aus wissenschaftlicher Sicht ein Durchbruch. Sie zeigt, dass die Krankheit mit Medikamenten  aufhaltbar ist. Es gibt schon länger Versuche, mit Antikörpern die Plaques aufzulösen. Allerdings ging es den Patienten hinterher nicht besser. Die Nebenwirkungen waren zum Teil erheblich und die kognitiven Leistungen konnten nicht stabilisiert werden. Bei der jetzigen Studie ist ein Jahr zu kurz, um endgültige Schlüsse zu ziehen. Für die Patienten ist es daher noch zu früh, zu hoffen, dass aus dem Wirkstoff ein Medikament entwickelt wird. 

Zumindest machen die Ergebnisse Mut. Würden Sie vielleicht eine vorsichtige Prognose wagen, wann ein entsprechendes Mittel auf den Markt kommen könnte?

Das ist schwierig. Als ich als vor 30 Jahren als junger Wissenschaftler nach Heidelberg ging, war gerade das Alzheimer-Gen entdeckt worden. Damals hieß es: "Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis ein Medikament entwickelt wird." Doch das war nicht nicht der Fall. Daher bin ich bei Prognosen eher vorsichtig. Ich denke, dass doch noch einige Jahre vergehen werden bis wir wissen, ob Aducanumab funktioniert. Weitere Studien müssen folgen.

Einige Jahre - das klingt zumindest nicht wie eine Ewigkeit und lässt viele Menschen, die noch nicht so alt sind, hoffen.

Das ist richtig. Allerdings muss man Einschränkungen machen. Die Teilnehmer der Studie befanden sich im Frühstadium von Alzheimer und litten nur unter einer milden Demenz. Möglicherweise ist eine sehr frühe Behandlung auch der einzige Weg, um überhaupt etwas zu machen. Für heutige Demenzpatienten käme Aducanumab jedenfalls zu spät.

In der Diagnostik hat die Alzheimer-Forschung in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Beispielsweise wurde ein Bluttest zur Früherkennung der Demenzerkrankung entwickelt - eine gute Voraussetzung um den degenerativen Abbau im Gehirn frühzeitig zu erkennen und therapeutisch entgegenzuwirken.

Das ist nur zum Teil richtig. Denn der Bluttest wurde bislang nur in wissenschaftlichen Studien erprobt. Allerdings gibt es zum Beispiel eine Untersuchung der Hirnflüssigkeit, um Alzheimer  in einem frühen Stadium festzustellen. 

Viele Menschen fragen sich allerdings: Was nützen mir solche Tests, wenn die Krankheit doch sowieso unheilbar ist?  

Zum einen bekommt der Patient Gewissheit und weiß, woran er ist. Außerdem hat er die Möglichkeit, durch bestimmte Maßnahmen wie eine gesunde Lebensführung und eine Reduzierung seiner persönlichen Risikofaktoren den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen. Hierzu gehört beispielsweise, auf Blutdruck, Cholesterinwerte und Gewicht zu achten, sich gesund zu ernähren und ausreichend zu bewegen. Auch körperliche Aktivität und soziale Kontakte sind wichtig.

Das kann dem Verlust der kognitiven Fähigkeiten entgegenwirken?

Zumindest lässt sich damit bis zu einem gewissen Punkt entgegenwirken. Studien zeigen, dass das im frühen Stadium noch möglich ist. 

Sie selbst haben vor kurzem in einer klinischen Studie ein Mittel an Patienten erprobt. Es handelte sich dabei nicht um Antikörper, sondern einen Nährstoffcocktail. Woraus bestand dieser? 

Es war ein Mix aus Vitaminen, Spurenelementen und Fischölsubstanz, die aufgrund der enthaltenen Omega3-Fettsäuren wichtig für die Leistungsfähigkeit des Gehirns ist. Bei vielen Patienten stabilisierten sich die geistige Leistungsfähigkeit und das Gedächtnis. Am besten waren die Ergebnisse bei denjenigen, die sich in einem sehr frühen Alzheimer-Stadium befanden. 

Alzheimer zu bekommen, ist für die meisten Menschen eine Horrorvorstellung. Was raten Sie gesunden Menschen, um der gefürchteten Demenzerkrankung vorzubeugen? 

Da gibt es viele Möglichkeiten. Wir wissen, dass es verschiedene Risikofaktoren gibt, einige davon sind individuell. Die sollte sich jeder bewusst machen. Grundsätzlich kann man sagen, dass alle Risikofaktoren der typischen Stoffwechselkrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Rauchen und hohe Blutfettwerte zu meiden sind. Auch eine gesunde, vitaminreiche Ernährung mit viel Gemüse und Seefisch ist wichtig. Und was viele nicht wissen: Auch Schlaf tut dem Gehirn gut.

Was genau bewirkt der Schlaf und wie lang sollte er dauern?

Sieben bis neun Stunden sollte man idealerweise schlafen, um sich zu regenerieren. Wir wissen, dass während dieser Ruhephase sogar Ablagerungen im Gehirn entfernt werden. in diesem Sinne ist Schlaf auch ein gutes Mittel, um Alzheimer vorzubeugen. 

Herr Hartmann, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das Interview führte Andrea Goesch.

Weitere Informationen, wie Sie Alzheimer vorbeugen können, finden Sie auf den Internetseiten des Deutschen Instituts für Demenzprävention

 

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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