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Brustkrebs ist keine Frauenkrankheit: Männer können betroffen sein

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Diagnose häufig zu spät  

Brustkrebs beim Mann: Es kann jeden treffen

07.06.2017, 10:06 Uhr | Andrea Goesch, dpa-tmn

Brustkrebs ist keine Frauenkrankheit: Männer können betroffen sein. Veränderungen im Bereich der Brust sollten auch Männer ernst nehmen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Veränderungen im Bereich der Brust sollten auch Männer ernst nehmen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Brustkrebs? Die meisten Männer glauben, damit nichts zu tun zu haben. Doch das ist ein Trugschluss. Auch bei einem Mann kann ein bösartiger Tumor in der Brust diagnostiziert werden. Weil damit aber kaum einer rechnet, wird der Krebs häufig spät erkannt. Entsprechend schlecht sind dann die Aussichten.

Früherkennungsprogramm fehlt

Während Brustkrebspatientinnen eine relative Zehn-Jahres-Überlebensrate von 82 Prozent haben, liegt sie bei Männern bei 65 Prozent. "Die Erklärung hierfür ist, dass Brustkrebs beim Mann viel später diagnostiziert wird als bei der Frau", sagt Rachel Würstlein. Sie ist Oberärztin im Brustzentrum an der Frauenklinik der Universität München. Einer der Gründe: Es gibt für Männer, anders als bei Frauen, kein Früherkennungsprogramm.

Hinzu kommt, dass Männer Beschwerden im Brustbereich vielfach als belanglos abtun. "Selbst wenn sie damit zum Arzt gehen, heißt das noch lange nicht, dass die Erkrankung auch gleich erkannt wird", erklärt Würstlein. Nicht selten würden Tastbefunde in der männlichen Brust – wie bei der Frau auch – zunächst für gutartig gehalten.

In welchem Alter erkranken Betroffene?

Es kann viel Zeit vergehen, bis die endgültige Diagnose gestellt wird. "Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren und damit deutlich höher als bei Frauen", ergänzt Prof. Jens-Uwe Blohmer, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Leiter des Brustzentrums der Charité in Berlin.

Warum erkranken Männer an Brustkrebs?

Warum Männer überhaupt an Brustkrebs erkranken, ist noch nicht abschließend geklärt. "Möglicherweise ist es ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren", sagt György Irmey, Ärztlicher Direktor der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr in Heidelberg. Es gibt Hinweise, dass bestimmte Genveränderungen eine mögliche Ursache sein könnten. Solche Veränderungen treten spontan auf, sie können aber auch vererbt sein.

Besonders wenn Brustkrebs unter Frauen ersten bis dritten Verwandtschaftsgrades in der Familie vorgekommen ist, sollten Männer hellhörig werden und ein besonderes Augenmerk auf ihre Brust legen. Übrigens: Brustkrebs-Gene können auch von Männern an ihre Kinder weitergegeben werden – sowohl an Töchter als auch an Söhne.

Ein Ungleichgewicht der Hormone Testosteron und Östrogen kann Brustkrebs ebenfalls begünstigen. Ein solches Ungleichgewicht entsteht zum Beispiel durch einen Hodenhochstand oder durch eine Hodenentzündung infolge von Infektionskrankheiten wie Masern.

Warnsignale erkennen

Warnsignale, dass etwas nicht in Ordnung ist, zeigen sich beim Mann ähnlich wie bei der Frau. Das können ein Knoten, eine Verhärtung in einer Brust oder eine eingezogene Brustwarze sein. Damit der Krebs im Frühstadium erkannt wird, ist es deshalb wichtig, dass auch Männer sich regelmäßg die Brust abtasten.

Manchmal entzündet sich auch die Brustwarze und sondert einen klaren oder blutigen Ausfluss ab. "Solche Symptome müssen immer ärztlich abgeklärt werden", betont Blohmer. Hinter den Anzeichen muss sich aber nicht zwangsläufig Brustkrebs verbergen. Eine entzündete Brustwarze kann auch ganz banal auf scheuernde Kleidung zurückzuführen sein.

Behandlungsmöglichkeiten

Scheiden solche Ursachen aus, wird die Brust per Ultraschall und Mammographie untersucht. Für eine sichere Diagnose entnehmen die Ärzte eine Gewebeprobe und lassen sie im Labor analysieren. Mit weiteren Untersuchungen stellen sie fest, ob sich Krebszellen auch in den umgebenden Lymphknoten und darüber hinaus ausgebreitet haben.

Letztlich führt auch bei Männern mit Brustkrebs an einer Operation kein Weg vorbei. "Dabei wird neben dem Drüsengewebe auch die Brustwarze und die den Brustmuskel abgrenzende Gewebeschicht entfernt", erläutert Blohmer. Sind auch Lymphknoten vom Krebs befallen, dann werden diese ebenfalls herausgenommen.

"Da Brustkrebszellen beim Mann auch hormonabhängig wachsen können, muss sich in diesen Fällen der Patient nach der OP einer Hormontherapie unterziehen", sagt Blohmer – häufig ein unangenehmes Verfahren. Die Therapie kann Nebenwirkungen wie Depressionen, Gewichtszunahme oder Impotenz haben. Viele Männer brechen sie deshalb vorzeit ab. Zusätzlich zur Hormontherapie kann auf den männlichen Brustkrebs-Patienten nach der OP eine Strahlen- und Chemotherapie zukommen.

Umstrittene Therapie

Damit orientiert sich die Behandlung in weiten Teilen an der bei der Frau – was allerdings umstritten ist. "Inzwischen wird immer deutlicher, dass es tumorbiologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt", erklärt Würstlein. Es müsste also für den an Brustkrebs erkrankten Mann andere Behandlungsformen nach der Operation geben. Welche medizinischen, aber auch psychosozialen Bedürfnisse männliche Brustkrebspatienten haben, ist derzeit Thema eines großangelegten Forschungsprojektes: N-MALE startete 2016. Erste Studienergebnisse werden 2018 erwartet.

Gute Heilungschancen bei früh erkanntem Tumor 

Wird der Tumor früh diagnostiziert, sind die Heilungschancen sogar höher als bei Frauen. "Das liegt daran, dass Brustkrebs bei Männern in vielen Fällen hormonabhängig ist", erklärt Peter Jurmeister, Vorstandsvorsitzender des Netzwerks "Männer mit Brustkrebs". Dass eine gezielte Behandlung so früh wie möglich einsetzt, setzt jedoch voraus, dass die Krankheit aus ihrem Schattendasein tritt. 

Männer schämen sich, eine "Frauenkrankheit" zu haben 

Hier möchte Jurmeister mit seinem Verein Aufklärung leisten. "Jedem Mann muss bewusst sein, dass er Brustkrebs bekommen kann", sagt Jurmeister. Bei rund 600 Neuerkrankungen in Deutschland pro Jahr sei die Wahrscheinlichkeit zwar relativ gering, dennoch sollte jedem Mann bewusst sein, dass es auch ihn treffen kann.

Jurmeister weiß, dass viele Betroffene die Diagnose zunächst nicht wahr haben wollen. Sie schämen sich, eine "Frauenkrankheit" zu haben und gynäkologisch behandelt zu werden. Im schlimmen Fällen führt das dazu, dass eine lebensrettende Behandlung zu spät erfolgt.

Männer mit Klinefelter-Syndrom sind Risiko-Patienten

"Vor allem Risiko-Patienten sollten sich darüber hinaus fachärztlich beraten lassen und Früherkennungsuntersuchungen der Brust wahrnehmen. Dazu zählen Männer mit Klinefelter-Syndrom sowie Männer, in deren Familien auch Frauen öfter von Brustkrebs betroffen sind", sagt die Pressesprecherin der Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) Professor Sabine Kliesch.

Bei dem Klinefelter-Syndrom handelt es sich um eine genetische Veränderung der Geschlechtschromosomen. "Diese Männer sind Träger einer angeborenen genetischen Störung, bei der mindestens ein zusätzliches weibliches X-Chromosom vorliegt. Sie haben ein 15- bis 50-fach erhöhtes Risiko für ein Mammakarzinom", erklärt Kliesch. Das Syndrom äußert sich auch durch eine Unterentwicklung der Hoden. Sie sind in der Regel überdurchschnittlich klein.

Kann man Brustkrebs vorbeugen?

Da die Risikofaktoren, die zu Brustkrebs beim Mann führen, nicht eindeutig geklärt sind, ist es schwer, vorbeugend etwas zu tun. "Als sicher gilt aber, dass auch die Lebensführung eine Rolle spielt", sagt Irmey. Wer übergewichtig ist, sollte abnehmen – "das wirkt sich auch günstig auf den Hormonhaushalt aus", so Irmey. Und auch regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung sowie Stressabbau könnten die Wahrscheinlichkeit zu erkranken reduzieren.

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