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Wenn Sex zum Zwang wird

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Wenn Sex zum Zwang wird

08.03.2012, 17:40 Uhr | akh

Wenn Sex zum Zwang wird. Betroffene wollen durch Sex vor ihren Problemen fliehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Betroffene wollen durch Sex vor ihren Problemen fliehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sex ist die schönste Nebensache der Welt. Kaum vorstellbar, dass der körperliche Akt auch Teil einer psychischen Störung sein kann. Sexsucht kennen viele nur aus den Medien, allerdings verbirgt sich dahinter eine ernste Krankheit. Professor Uwe Hartmann, Sexualwissenschaftler an der Medizinischen Hochschule Hannover, erklärt, was Sexsucht eigentlich ist und was sie für die Betroffenen bedeutet.

Exzessive Handlungen sind häufigste Symptome

Die Kernsymptome für Sexsucht sind exzessives Denken an Sex und extrem häufiges Masturbieren so wie eine erhöhte Promiskuität, also sehr häufiger Sex mit wechselnden Partnern und Pornografiemissbrauch. "Betroffene denken jede freie Minute an Sex und sind bereit, dafür auch hochriskante Situationen einzugehen", erläutert Hartmann. Bei einem Fallbeispiel aus seinem Praxisalltag beschreibt der Sexualtherapeut einen Patienten, der bei halb geöffneter Bürotür masturbiert hat, obwohl Kollegen im Nebenraum waren. "Die sexuelle Handlung wird meist als Zwang empfunden. Die Betroffenen können nicht anders, als ihren Drang auszuleben", sagt Hartmann.

Porno-Sammler

Der Gebrauch von Pornografie kann extreme Formen annehmen: "Der Tag beginnt mit dem Konsum von Pornografie, der sich den ganzen Tag über wiederholt. Hier entwickeln manche ein 'Jäger-Sammler-Verhalten'. Sie stöbern regelmäßig auf den gleichen Pornoseiten, aus Angst, das Beste verpassen zu können", erklärt der Experte. Häufig ist auch eine erhöhte Promiskuität zu beobachten: Einige gehen oft zu Prostituierten, andere unterhalten viele rein sexuelle Beziehungen, teilweise bis zu zehn Frauen gleichzeitig.

Wenn Sex zur Obsession wird

Experten sehen Sexsucht oft als Zwangsverhalten an oder auch als Verhaltenssucht wie beispielsweise Kaufsucht. Im Vergleich zum Alkoholismus bringt Sexsucht jedoch keine physischen Entzugssymptome mit sich. "Allerdings werden der Alltag und das Denken der Betroffenen durch ihr sexuelles Verhalten bestimmt", sagt der Sexualwissenschaftler. Daher sind viele nicht in der Lage, soziale Kontakte aufrecht zu erhalten. "Die Betroffenen können nur noch daran denken, wann und wo sie ihr nächstes sexuelles Abenteuer erleben. Das macht es ihnen so gut wie unmöglich, sich auf andere Aktivitäten einzulassen", erklärt Hartmann. Mit dem exzessiven Sexualverhalten versuchen Sexsüchtige, Gefühle wie Frustration, Langeweile oder Aggressionen abzubauen beziehungsweise zu überdecken.

Therapie erfolgt individuell

Welche Ursachen Hypersexualität hat, können Forscher noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Mögliche Ansätze gibt es viele: "Eine Traumatisierung oder emotionale Vernachlässigung können dazu führen", so Hartmann. Auch wer als Kind an ADHS leidet habe ein erhöhtes Sucht-Risiko. Männer sind gefährdeter als Frauen, da sie schon von Grund auf ein größeres sexuelles Verlangen haben. "Wer ein hohes sexuelles Interesse hat, der läuft eher Gefahr, in dieses exzessive Verhalten abzurutschen", sagt der Sexualwissenschaftler. Die Behandlung erfolgt speziell auf Basis der Verhaltenstherapie. "Wir haben hier ein Zusammenspiel von zwei Bausteinen: Kontrolle und Verstehen", erklärt der Experte. Vor der Therapie wird das Verhalten des Patienten analysiert. Auf dieser Grundlage versucht man Lösungen zu finden mit denen er sein Verhalten kontrollieren kann. Vor allem wird aber versucht herauszufinden, wie es überhaupt zur Sexsucht gekommen ist.

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