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"Tiny Houses": Vollwertige Mini-Häuser gibt es schon ab 5000 Euro

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Kurs zum Selbstbau startet  

"Tiny Houses": Günstige Mini-Häuser zum Mitnehmen

29.08.2017, 09:06 Uhr | Julia Räsch; rw, sh/cfm, dpa-tmn, t-online.de, AFP

"Tiny Houses": Vollwertige Mini-Häuser gibt es schon ab 5000 Euro. In diesem "Tiny House" findet sich auf acht Quadratmetern alles, was man zum Leben braucht. (Quelle: Tischlerei Christian Bock)

In diesem "Tiny House" findet sich auf acht Quadratmetern alles, was man zum Leben braucht. (Quelle: Tischlerei Christian Bock)

Günstiger ist ein eigenes Haus nicht zu bekommen. So genannte "Tiny Houses" (deutsch: winzige Häuser) gibt es schon für rund 20.000 Euro. Ein Berliner Architekt hat sogar eine Version für rund 5000 Euro entwickelt. Die Mini-Domizile sind auf engstem Raum mit dem wichtigsten ausgestattet, was man zum Leben braucht. 

Der Anstieg der Mieten und Hauspreise hat das Wohnen in Deutschland zuletzt deutlich verteuert. Alternativen zum klassischen Hausbau werden daher immer attraktiver. "Tiny Houses" machen es möglich, schon mit wenigen tausend Euro zu einem Eigenheim zu kommen. Die Mini-Häuser bieten zwischen 8 und 55 Quadratmeter Wohnraum.

Auch für "Tiny Houses" gelten deutsche Bauvorschriften

Die Bewegung aus den USA steht in Deutschland jedoch noch ganz am Anfang und stößt hier auf so manche rechtliche Hürde. Denn klein oder nicht klein: Bei der Baugenehmigung und beim Erschließen des Baugrundstücks gilt dasselbe Recht wie beim Einfamilienhaus.

Ob groß oder klein: "In dem Moment, wo Sie etwas bauen, unterliegen Sie dem Baurecht", erklärt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren. Auch wer sein Häuschen auf einen Anhänger stellt, wie es bei vielen "Tiny Houses" der Fall ist, kommt nicht an den Vorschriften vorbei, wenn er sich auf Dauer an einem Ort niederlassen will.

Entscheidend sind die Landesbauordnungen und die kommunalen Bebauungspläne. "Der Bebauungsplan regelt das Baurecht in der Kommune", sagt Reinhold-Postina. "Hier steht drin, was an welcher Stelle gebaut werden darf." Deshalb rät sie jedem Bauherrn, sich zuerst beim zuständigen Bauamt zu erkundigen. 

"Tiny House"-Trend kommt aus den USA

Hanspeter Brunner aus Staufen bei Freiburg gehört hierzulande zu den ersten, die sich ihren Traum von den eigenen vier Wänden im kleinen Maßstab erfüllt haben. Sein Vorbild ist der US-Amerikaner Jay Shafer. "Er wollte ein winziges Häuschen für sich, dafür erhielt er aber keine Baugenehmigung", erzählt Brunner. "Daraufhin kam er auf die Idee, sein Haus auf einen Doppelachsanhänger zu bauen."

Shafer gilt als Begründer der "Tiny House"-Bewegung in den USA, die durch die Immobilienkrise 2008 Aufschwung erhalten hat. Er entwickelte Baupläne zum Nachmachen. Brunner wollte eine dieser Anleitungen zunächst eins zu eins übernehmen.

"Das Dumme war: Die Pläne waren nicht umsetzbar, weil sie auf unsere Straßenvorschriften nicht gepasst haben und auch nicht auf die Anhänger", erläutert Brunner. "Die amerikanischen Pläne können leider nur als Anregung dienen."

Man brauche Skizzen, die für Europa gemacht sind, oder einen entsprechenden Kurs zum Selberbauen. Dafür benötige der Häuslebauer nicht viel: "Akkuschrauber, ein paar Grundwerkzeuge wie Hammer, Schraubenzieher und einen Winkel, eine Handkreissäge und eine Gehrungssäge - das sind alles Dinge, die man in jedem Baumarkt kaufen kann", zählt Brunner auf. Wer nicht selbst zum Hammer greifen will, kann sich an eine Handvoll professioneller Anbieter von Minihäusern wenden.

Einsatzmöglichkeiten für "Tiny Houses"

Auch Christian Bock aus dem nordhessischen Bad-Wildungen ließ sich von Shafers Bauplänen inspirieren. "Als ich auf die Fotos von Jay Shafer stieß, war ich sofort Feuer und Flamme", schreibt Bock auf seiner Webseite.

Zusammen mit seinen Mitarbeitern baute der Tischlermeister ein mobiles "Tiny House", das alle wesentliche Bestandteile eines normalen Hauses mitbringt: Wohn- und Sitzgelegenheiten mit Tisch, Küchenzeile, Nasszelle und ein Schlafboden sind auf kleinem Raum platzsparend untergebracht.

Bock sieht in seinem winzigen Eigenheim auf Rädern auch über das Wohnen hinaus vielfältige Einsatzmöglichkeiten: Es könne als Ferien- oder Gästeunterkunft, mobiler Büroraum, Singlehaus, Musikübungsraum oder Jagd- und Anglerhütte genutzt werden.

Gebaut hat Bock es ganz aus Holz. "Die Dämmung in Wänden und Dach bedient sich keiner Styropormaterialien, sondern ist mit Holzfasern ausgestattet", berichtet der Tischlermeister. "Eine hinterlüftete Lärchenverschalung schützt das Mini-Haus an der Außenfassade."

Nicht nur der günstige Preis spricht für ein "Tiny House"

Auch wenn "Tiny Houses" sehr günstige Eigenheime sind: Den meisten Anhängern geht es nicht in erster Linie darum, sondern um eine gesellschaftlich Idee. "Ich möchte wissen, wie sich das anfühlt, wenn man mit dem Minimalen auskommt und auf acht Quadratmetern Grundfläche lebt", beschreibt es Brunner. Sein selbst gezimmertes Eigenheim im Stile eines schwedisches Holzhauses mit Veranda kostete unter 20.000 Euro.

Der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel hat sogar ein Minihaus-Modell für rund 5000 Euro entwickelt. Er hat es "Unreal Estate House" getauft. "Der Name ist eine Anspielung auf 'Real Estate', das englische Wort für 'Immobilie'." Die Pläne dafür stellt er gratis im Internet zur Verfügung.

Auch Bo-Mentzels Häuschen steht auf einem Anhänger und auch hier gibt es alles kompakt: "Die Küche hat einen Falttisch. Wenn man den hochklappt, ergibt sich ein neuer Raum. Dort sind die Toilette und die Dusche untergebracht", beschreibt der Architekt. Wie die meisten "Tiny Houses" ist das Mini-Gebäude völlig autark und braucht keine Anschlüsse für Strom, Wasser oder Abwasser. 

Auch mit den mobilen Häuschen darf man sich nicht überall niederlassen

Die Kernfrage bei diesem Projekt war für Van Bo Le-Mentzel: Wie kann man gut leben, ohne Miete zu zahlen? "Das 'Unreal Estate House' ist ein Weg: Man kann Plätze und Flächen, die nicht genutzt werden, etwa Parkplätze, zum Lebensraum erklären. Das ist allerdings nicht legal."

Damit erwähnt der Architekt einen heiklen Punkt: In Deutschland darf man sich nicht an jeder Ecke niederlassen, die einem gefällt. Eine Möglichkeit, ohne Baugenehmigung in dem mobilen Zuhause zu leben, wäre ein Campingplatz, der Dauerstellplätze zur Verfügung stellt.

Kurs zum Bau von Minihäusern startet

Ein Dutzend Tinyhouses entstanden in den vergangenen Monaten auf dem Innenhof des Berliner Bauhaus-Archivs im Bezirk Schöneberg bereits. "Es geht um die Frage, wer sich in der Innenstadt aufhalten darf", sagt Le-Mentzel. Er ist der Initiator des Projekts, das neue Möglichkeiten urbanen Zusammenlebens ausloten will. 

Die winzigen Häuser verschlingen weniger Ressourcen, bieten wenig Stauraum für Konsumgüter und finden selbst in überfüllten Städten Platz - auf Parkplätzen zum Beispiel. "Mit höchsten zehn Quadratmetern fallen wir noch nicht unters Baurecht, sondern unter die Straßenverkehrsordnung", erklärt Le-Mentzel das selbst auferlegte Grundflächenlimit.

Was sich darauf alles anstellen lässt, zeigte das Berliner Tinyhouse-Team bereits mit dem viel beachteten Projekt Tiny100. Ein vollwertiges Häuschen mit 6,4 Quadratmetern Wohnfläche, das Le-Mentzel für hundert Euro monatlich an bedürftige Menschen vermieten möchte. Weitere Tinyhouses sind auf dem Bauhaus-Gelände zu besichtigen, darunter das schicke Haus aVOID, gestaltet vom italienischen Architekten Leonardo di Chiara.

"Etwa 50.000 Euro muss man für den Bau eines Tinyhouses aufbringen", sagt Le-Mentzel. Der Baukurs der Sommerschule deckt daher auch nur das Nötigste ab. Ein schwedisches Möbelhaus bezahlt als Sponsor den Bauanleiter. Der hilft dabei, das Grundgerüst des Stadthauses auf dem Anhänger zu errichten.

Fenster, Dämmung, Innenausstattung kommen oben drauf und müssen vom Kursteilnehmer bezahlt werden. "Den ersten Baukurs zahlt eine Mäzenin aus München", sagt Le-Mentzel. Zwei junge Flüchtlinge aus Syrien bauen das TinyTownhouse auf. Es soll als Modell dienen für weitere Baukurse, die ab Herbst angeboten werden.

Noch gibt es nur eine Skizze: Das Stadthaus hat in der vorderen Hälfte einen multifunktionalen Aufenthaltsraum. Die zweite Hälfte besteht aus der Küchen- und Sanitäreinheit sowie Schränken. Darüber ist Raum für ein Bett. Wer hier wohnt, lebt kuschelig und muss Ordnung halten.

Für wen ist das Mini-Haus geeignet?

"So etwas bauen sich eher junge Leute aus der oberen Mittelschicht", sagt Le-Mentzel. Verzicht sei für diese Menschen eine Mischung aus Haltung und Lifestyle, Selbstreduktion gehe nur freiwillig, fügt er hinzu. "Der Wandel muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen, sonst wäre das ja Kommunismus."

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