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Fleischfressende Pflanzen: Pflege-Tipps zur Haltung

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Fleischfressende Pflanzen: Todesfallen für Insekten

19.12.2014, 12:51 Uhr | dpa-tmn, zuhause.de

Fleischfressende Pflanzen: Pflege-Tipps zur Haltung. Fleischfressende Pflanzen: Die Schlauchpflanze hat Fliegen gerne. (Quelle: imago/blickwinkel)

Fleischfressende Pflanzen: Die Schlauchpflanze hat Fliegen gerne. (Quelle: blickwinkel/imago)

Fleischfressende Pflanzen (Karnivoren) haben etwas Faszinierendes an sich: Für den Laien erscheinen sie oft wie Mischwesen aus Pflanze und Raubtier. Gewöhnlich erwartet man von Pflanzen ja, dass sie von Wasser und Dünger leben, nicht aber, dass sie quasi kleine Insekten "fressen". Diese Fähigkeit, Eiweiß zu verdauen, ist ein einfacher evolutionärer Trick: Fleischfressende Pflanzen stammen aus sehr nährstoffarmen Gebieten. Eine zusätzliche Nährstoffquelle musste also her – Pech für Fliegen und Mücken. Pflege-Tipps für die faszinierende Schlauchpflanze und fleischfressende Pflanzen allgemein.

Viele fleischfressende Pflanzen lassen sich gut sowohl im Garten wie auch in der Wohnung halten. Eine auffallende Form haben die Schlauchpflanzen. Ihre Blätter haben sich zu hohlen Schläuchen eingedreht. Zum Grund hin verengen sie sich, oben bleiben sie einladend offen und locken mit betörenden Farben und süßem Nektar Insekten an. Das ist die Falle der Schlauchpflanzen (Sarracenia). In ihre Blätter fällt "so ziemlich alles, was rein passt", erläutert Diether Gotthardt, Technischer Leiter des Botanischen Gartens der Universität Stuttgart in Hohenheim.

Enzyme zerlegen für fleischfressende Pflanzen die Beute

Die Insekten kommen nicht wieder hoch, denn feinste, abwärts gerichtete Haare im oberen Teil des Tunnels halten sie unten. "Hierein werden von den Pflanzen Verdauungsenzyme abgegeben, die auch im menschlichen Magen vorkommen", sagt der Züchter und Buchautor Thomas Carow. Bakterien unterstützen den Zersetzungsvorgang.

Schlauchpflanzen betreiben als typische Fleischfressende Pflanzen Photosynthese und leben mit Hilfe des Sonnenlichtes. Gleichzeitig erzielen die Pflanzen durch den Insektenfang und die Verwertung ihrer Eiweiße eine wertvolle Zusatzversorgung, die ihnen auf nährstoffarmen Böden ein üppiges Blühen ermöglicht. Um beim Insektenfang richtig effektiv zu sein, haben einzelne Arten sogar noch mehr auf Lager: Die Gelbe Schlauchpflanze (Sarracenia flava) bietet oben am Kragen nicht nur reinen Nektar an.

Fleischfressende Pflanzen arbeiten mit fiesen Tricks

Sie mische diesem auch ein Betäubungsmittel bei, das auf die Insekten wirkt, erläutert Carow. Und die Papageien-Schlauchpflanze (Sarracenia psittacina), die ursprünglich im Mississippi-Delta der USA vorkommt, ist bei Überschwemmung sogar noch erfolgreicher als an Land. Denn viele Gliederfüßer wie Wasserflöhe wähnen sich in ihren Röhren vermeintlich in Sicherheit. Sie heißt daher auch Reusenfalle.

Schlauchpflanzen eignen sich auch als Zimmerpflanzen

Auch für den Wohnraum sind die Schlauchpflanzen geeignet. "Am besten hält man sie in einem Terrarium und beleuchtet sie zusätzlich", rät Carow. Im Winter sollten sie in einem kühlen Raum ohne trockene Heizungsluft stehen. Sarracenien brauchen so viel Licht wie möglich und mögen saures Pflanzensubstrat. Gotthardt empfiehlt Erde aus sechs Teilen Weißtorf, zwei Teilen Perlite und einem Teil Quarzsand. Bewässert wird im Anstau, also von unten bis zu einer Höhe von etwa zwei bis drei Zentimetern. Das Substrat sollte nie austrocknen. Gar nicht vertragen die Schlauchpflanzen Leitungswasser, da es hart und mineralienreich ist. Stattdessen lieber entmineralisiertes Wasser oder Regenwasser nehmen, raten die Experten.

Sorten für den Garten

Im Garten können hierzulande vor allem die nördlichen, unempfindlicheren Arten wie die Rote Schlauchpflanze (Sarracenia purpurea), die Grüne Schlauchpflanze (Sarracenia oreophila) und die Gelbe Schlauchpflanze (Sarracenia flava) wachsen. Auch die Blasse Schlauchpflanze (Sarracenia alata), die Geflügelte Schlauchpflanze und die Alabama-Schlauchpflanze (Sarracenia alabamensis) gedeihen dort gut.

Kälteempfindlichere Arten wie die Weiße Schlauchpflanze (Sarracenia leucophylla) mit schlanken weiß-purpurnen Schläuchen oder die Papageien-Schlauchpflanze benötigen Winterschutz. Es reiche jedoch, sie mit Laub oder Zweigen abzudecken, sagt Carow.

Im Moorbeet gedeihen fleischfressende Pflanzen besonders gut

"Viele Pflanzenfreunde haben sich ein eigenes Moorbeet angelegt", berichtet Diether Gotthardt, der Mitbegründer der Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen (GFP) ist. Darin fühlten sich die Schlauchpflanzen im Garten besonders wohl. Dafür grabe man zunächst ein etwa 80 Zentimeter tiefes Loch wie für einen Teich, rät Carow. 

Dieses Loch legt man mit einer Teichfolie aus, um es wasserdicht zu machen. Dann werden Kunststoffeimer umgedreht auf den Beetboden gestellt. Diese bilden Wasserspeicher, die später durch Löcher im umgedrehten Eimerboden aufgefüllt werden. Darüber kommt eine Schicht Weißtorf, die bepflanzt wird. Der Torf kann durch einen Anteil von 30 Prozent Kokosfaser gestreckt werden.

Fleischfressende Pflanzen lassen sich in fünf Fallentypen unterteilen:

- Bei den Klebefallen bleibt das Insekt an einem Sekret hängen. Enzyme zersetzen das Opfer. Der Sonnentau gehört zu diese Gruppe.
- Klappfallen bestehen aus zwei Blatthälften, die bei Berührung zusammenklappen. Die Venusfliegenfalle ist ein bekanntes Beispiel.
- Wasserschläuche sind die größte artenreichste Gattung der fleischfressenden Pflanzen und gleichzeitig die einzige, die mit dem Saugfallen-Prinzip arbeitet. Die Fangorgane sind mit Luft gefüllte Fangblasen, die durch Unterdruck ihr Opfer einsaugen.
- Die Schlauchpflanzen sind typische Fallgrubenfallen.
- Reusenfallen locken ihre Opfer mit Lockstoffen ins Innere. Kleine Borsten verhindern, dass die Tierchen zurückkrabbeln können. So enden diese schließlich in einer Art Magen.

Allgemeine Pflege-Tipps für fleischfressende Pflanzen

Karnivoren mögen nährstoffarme Erde. Experten empfehlen eine Mischung aus ungedüngtem Hochmoortorf und Quarzsand. Gedüngt wird generell nicht, die Pflanzen stammen ja aus nährstoffarmen Gebieten. Wasser hingegen sollte es im Überfluss geben. Das Substrat lässt sich gut feucht halten, indem man immer Wasser in den Untersetzer gießt – etwa einen Zentimeter hoch. Gegossen werden darf nur mit kalkarmen Wasser, beispielsweise Regenwasser! Feuchtigkeit schätzen die Pflanzen auch in der Luft, daher dürfen fleischfressende Pflanzen nicht über einer Heizung stehen.

Auswahl an fleischfressenden Pflanzen
Venusfliegenfalle Kann im Garten im Moorbeet gehalten werden. Die Venusfliegenfalle braucht viel Sonne, auch als Zimmerpflanze. Gute Züchtungen überleben im Winter auch Frost. Ab Herbst ziehen sich die Pflanzen meist bis auf den Wurzelstock zurück. Zimmerpflanzen müssen im Winter kühler gehalten werden. Fünf bis zehn Grad gelten als perfekt. Dann sollte auch die Luftfeuchtigkeit geringer sein als im Sommer, wo eine hohe Luftfeuchtigkeit Pflicht ist (Terrarium oder Glasschale.) Generell gilt: Nicht füttern, nicht düngen!
Sonnentau (Drosera capensis)Mag viel direktes Sonnenlicht. Ideal als Zimmerpflanze, da Sonnentau meist nicht frostfest ist. Sonnentau kann aber im Sommer gerne ins Freie ziehen. Bei trockener Luft bilden sich keine Klebetröpfchen, man sollte also auf hohe Luftfeuchtigkeit achten. Überwintern ist auch bei Zimmertemperatur möglich.
Fettkraut (Pinguicula vulgaris)Diese Sorte wächst am besten draußen, in Töpfen oder im Moorbeet. Sie bevorzugt Halbschatten, auf die Luftfeuchtigkeit muss nicht besonders geachtet werden. Pinguicula vulgaris lässt sich gut im Freien überwintern. Sie zählt zu den Klebfallen und trägt im Sommer Blüten.
Wasserschlauch (Utricularia sandersonii)Diese Pflanze lässt sich gut im Topf halten und zeichnet sich durch hübsche Blüten aus. Der Topf sollte immer zwei bis drei Zentimeter im Wasser stehen, den Untersetzer dabei regelmäßig reinigen. Direkte Mittagssonne sollte man vermeiden.
Kannenpflanze (Nepenthes)In den kannenförmigen Fallen werden kleine Insekten gefangen. Der Standort sollte hell, aber nicht zu sonnig sein, da sonst die empfindlichen Kannen verbrennen. Regelmäßiges Besprühen erhöht die Luftfeuchtigkeit.

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