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Buß- und Bettag 2017: Nur die Sachsen haben frei

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Buß- und Bettag  

Warum er kein Feiertag mehr ist

22.11.2017, 18:49 Uhr | nk (CF), anni

Buß- und Bettag 2017: Nur die Sachsen haben frei. Zum Ende des Kirchenjahres steht die Besinnung der Gläubigen im Mittelpunkt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zum Ende des Kirchenjahres steht die Besinnung der Gläubigen im Mittelpunkt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nur 14 Jahre lang war der Buß- und Bettag im Nachkriegsdeutschland ein gesetzlicher Feiertag. 1995 wurde der letzte Mittwoch im evangelischen Kirchenjahr als arbeitsfreier Tag abgeschafft. Grund dafür war die neu eingeführte Pflegeversicherung.

Buß- und Bettag: Pflegeversicherung geht vor

Im Jahr 1995 wurde in Deutschland die Pflegeversicherung als Pflichtversicherung eingeführt. Dies hatte zur Folge, dass Arbeitgeber finanziell stärker belastet wurden. Zum Ausgleich schaffte die Politik 1994 gegen den Widerstand der Kirche den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag ab. Viele evangelische Christen in Deutschland begehen den Feiertag trotzdem.

Der Buß- und Bettag fällt traditionell auf den Mittwoch vor dem Totensonntag – also Ende November – und beginnt erst nach Feierabend. Die einzige Ausnahme bildet das Bundesland Sachsen. Hier ist der Buß- und Bettag bis heute ein gesetzlicher Feiertag. Im Jahr 2017 fällt der Buß- und Bettag auf den 22. November.

Feiertag in Sachsen nicht abgeschafft

Für den Erhalt des Buß- und Bettags hatte sich die damalige sächsische Landesregierung eingesetzt. Zum Nulltarif gibt es den arbeitsfreien Tag jedoch nicht. Als Ausgleich zahlen die sächsischen Arbeitnehmer 0,5 Prozent ihres Brutto-Gehaltes mehr in die Pflegeversicherung ein. Wie die "Bild-Zeitung" in einem Artikel zum Thema berichtete, übersteigt dieser zusätzliche Beitrag sogar die Kosten für den zusätzlichen Feiertag. Arbeitnehmer zahlen also drauf.

Kritisiert wird diese Regelung auch, weil mehr als drei Viertel der Bevölkerung Sachsens überhaupt keiner Konfession angehören, wie die Bundeszentrale für politische Bildung in einem Bericht zur sozialen Situation in Deutschland mitteilt (Stand 2010). Eine Wahlmöglichkeit haben konfessionslose sächsische Arbeitnehmer nicht.

Regelungen anderer Bundesländer: Bayern und Berlin

Obwohl der Buß- und Bettag offiziell abgeschafft wurde, ermöglichen die Feiertagsgesetze der meisten anderen Bundesländer Arbeitnehmern unter Berufung auf religiöse Pflichten, an diesem Tag freizunehmen. Urlaub müssen diese Arbeitnehmer hierfür nicht einreichen. Stattdessen verzichten sie im Gegenzug am Buß- und Bettag auf ihren Lohn.

Neben Sachsen gibt es in Bayern und Berlin Ausnahmeregelungen. An bayerischen Schulen haben alle Schüler am Buß- und Bettag schulfrei. In Berlin können Schüler evangelischer Konfession selbst entscheiden, ob sie an diesem Feiertag die Schule besuchen oder nicht.

Ursprung in Straßburg: Erster protestantischer Buß- und Bettag 1532

Bereits in der römischen Antike setzte man auf Bußtage, um die Götter durch Opfergaben gnädig zu stimmen, etwa für eine ertragreiche Ernte. Die protestantische Kirche führte den Buß- und Bettag 1532 in Straßburg ein. Damals herrschte die Angst vor den Folgen der Türkenkriege.

Im Jahr 1878 gab es in 28 deutschen Ländern 47 verschiedene Buß- und Bettage an 24 Tagen, berichtet die Evangelische Landeskirche in Baden. Erst 1934 vereinheitlichte die evangelische Kirche den Feiertag, indem sie ihn auf den letzten Mittwoch des Kirchenjahres legte, also den Mittwoch vor dem Totensonntag

Als bundesweit einheitlicher gesetzlicher Feiertag wurde der Buß- und Bettag erst wieder 1981 begangen, ehe er 1995 mit Ausnahme von Sachsen wieder gestrichen wurde. 

Bedeutung in heutiger Zeit

Die Bedeutung des Buß- und Bettages hat sich im Zeitverlauf etwas verschoben. Im Fokus liegt heute die Besinnung der Gläubigen auf sich selbst und ihre Verantwortung gegenüber Gott. Die Buße besteht nicht darin, begangene Sünden gut zu machen. Es geht vielmehr darum, seine eigenen Fehler zu erkennen und Reue zu zeigen.

Heute gehört zum Buß- und Bettages auch, auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Dabei steht Gottes Gnade im Mittelpunkt. Die evangelische Kirche nutzt diesen Anlass, um Ungerechtigkeiten in der Welt aufzuzeigen.

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