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Winterquartier  

Tiere im Garten überwintern lassen

02.10.2015, 15:55 Uhr | bl

Tiere im Garten überwintern lassen. Samen und Nüsse sind die ideale Nahrung für die winterlichen Gartenbesucher.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Samen und Nüsse sind die ideale Nahrung für die winterlichen Gartenbesucher. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für viele Hobbygärtner ist der Herbst die ideale Zeit, um im Garten aufzuräumen. Laub wird sorgfältig zusammengehakt und entsorgt. Stauden und Hecken werden zurück geschnitten. Diese Aktionen sorgen zwar für einen ordentlichen Anblick, rauben vielen Tieren aber die Möglichkeit zur Überwinterung. 

Igel

Eine naturnahe Gartengestaltung ist die beste Möglichkeit einem Igel über den Winter zu helfen. Ein Haufen aus Laub, Reisig und totem Holz stellt ein ideales Winterquartier für die Tiere dar. Ab etwa Anfang November beginnen Igel damit, ihren Unterschlupf für die kalte Jahreszeit aufzusuchen. Dies bedeutet für Sie, dass bestehende Laubhaufen nicht mehr umgesetzt werden dürfen. Die schlafenden Igel können bei Störungen nicht reagieren, also auch nicht fliehen.

Auch beim Mähen unter tief liegenden Zweigen ist Vorsicht geboten, wie der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) warnt. Denn Igel überwintern häufig auch in Erdmulden oder unter Hecken.

Alternativ können Sie auch selbst ein Igelhaus aus Holz oder Ziegelsteinen bauen oder spezielle Igelkuppeln im Baumarkt erwerben. Die Überwinterung im Haus wird nicht empfohlen. Igel sollten generell immer draußen in der Natur überwintern. Sammeln Sie Igel daher nicht voreilig ein. Nur auffallend unterernährte oder kranke Igel sollten versorgt und im besten Fall an eine Igelstation übergeben werden.

Vögel

Das Füttern von Vögeln im Winter ist eine gute Gelegenheit den Tieren zu helfen und sie gleichzeitig aus nächster Nähe zu beobachten. Während viele Vogelarten im Herbst Richtung Süden ziehen oder andere Tiere in Winterschlaf fallen, bleiben einige Vögel im Winter wach und aktiv. Damit Meisen, Finken, Rotkehlchen und Drosseln auch bei Schnee und Frost ausreichend Futter finden, können Sie mit Futterhäuschen und Meisenknödeln nachhelfen. Reinigen Sie Futterhäuschen regelmäßig mit heißem Wasser, um die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern. Besser sind spezielle Futterspender, bei denen die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können.

Kaufen Sie keine Meisenknödel in Plastiknetzen. Die Vögel können sich darin verheddern und schwer verletzen. Als Basisfutter eignen sich vor allem Sonnenblumenkerne und Futtermischungen mit weiteren Samen und Kernen. Weichfutterfresser wie Rotkehlchen und Zaunkönige können Sie mit Rosinen, Obst und Haferflocken in Bodennähe anlocken. Achten Sie jedoch darauf, dass das Futter nicht verdirbt. Salzige Nahrung und Brot sind generell nicht als Vogelfutter zu empfehlen.

Eichhörnchen

Während das Füttern von Vögeln im Winter üblich ist, werden Eichhörnchen meist nicht berücksichtigt. Doch auch sie sind laut dem Gartenmagazin "mein-schöner-Garten" bei längeren Frostperioden vom Hungertod bedroht. Im Gegensatz zu Igeln halten Eichhörnchen keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. Das heißt, dass sich während der kalten Monate ihr Energiebedarf senkt und ihr Herzschlag verlangsamt. Trotzdem müssen sie sich aber auch im Winter mit Nahrung versorgen. Dazu legen sie bereits im Sommer Vorräte aus Nüssen, Eicheln und Bucheckern an, die sie in der Erde vergraben.

Wenn allerdings die Temperaturen für längere Zeit unter den Gefrierpunkt sinken, friert der Boden so stark zu, dass die Tiere ihre Depots nicht mehr erreichen können. Sie können den Eichhörnchen helfen, indem sie Futterstellen anlegen. Diese können Sie mit Walnüssen, Haselnüssen, Eicheln aber auch Kiefern-, Fichten- und Tannen-Zapfen befüllen. Im Fachhandel sind zudem spezielle Futtermischungen erhältlich.

Wenn mehrere Eichhörnchen in Ihrem Garten leben, stellen Sie am besten auch mehrere Futterdepots auf. Eichhörnchen sind Einzelgänger, welche Begegnungen mit Artgenossen außerhalb der Paarungszeit lieber vermeiden.

Wildbienen

Die meisten Wildbienenarten hierzulande leben einzeln und bilden keine mehrjährigen Völker, wie die Honigbiene. Daher benötigen sie andere Strategien zur Überwinterung. Wildbienen verbringen den Winter bevorzugt in Baumhöhlen, altem Gehölz oder hohlen Stängeln verschiedener Pflanzen. Diese Plätze nutzen sie auch für den Bau von Brutzellen für die Eiablage. Auch hier bietet ein naturbelassener Garten mit vielen Naturelementen wie Hecke, Wiese und Steinmauern ideale Rückzugsorte. Lassen Sie verblühte Stauden, beispielsweise von der Brombeere, stehen und alte Äste liegen.

Mit einem sogenannten Insektenhotel können Sie Wildbienen aber auch anderen Nützlingen wie Florfliegen und Ohrwürmern ein Quartier für den Winter bieten. Dieses können Sie aus Naturmaterialien wie Baumrinde, Stroh, Schilfrohr und Bambusstäben selber bauen oder im Fachhandel kaufen.

Marienkäfer

Gerade im Herbst sind Marienkäfer oft in großen Schwärmen anzutreffen. Dann sitzen sie gruppenweise auf Balkonen und Hauswänden und sind auf dem Weg in ihr Winterquartier. Während einige Arten die kalte Jahreszeit in wärmeren Regionen Europas verbringen, suchen sich andere geschützte Plätze zum Überwintern. Bevorzugt wählen Marienkäfer dafür Hohlräume wie Mauerritzen oder Dachsparren. Auch Laubhaufen dienen als Winterquartier. Wenn Sie die Käfer in Ihrem Garten oder am Haus überwintern lassen, haben Sie im nächsten Jahr einen zuverlässigen Helfer zur Bekämpfung von Blattläusen.

Schmetterlinge

Auch Schmetterlinge müssen sich im Winter gegen die Kälte schützen. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind in Deutschland etwa 180 Schmetterlingsarten heimisch. Nur sieben von ihnen bleiben über den Winter ihrer Gestalt als Schmetterling treu. Dazu zählen beispielsweise der Große und der Kleine Fuchs, das Tagpfauenauge und der Zitronenfalter. Letzterer ist ein echter Überlebenskünstler. Er kann dank eines Frostschutzmittels in seinem Blut Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius überstehen.

Das Tagpfauenauge oder der Kleine Fuchs benötigen vor Kälte geschützte Plätze, wie etwa Geräteschuppen oder Dachböden. Öffnen Sie dazu die Fenster oder Dachluken einen Spalt weit, damit die Insekten Unterschlupf finden. Im Frühling erwachsen sie wieder aus der Kältestarre und fliegen hinaus. Viele Schmetterlingsarten verbringen den Winter als Puppe an einem Zweig oder Blatt. Belassen Sie daher etwas Laub auf dem Rasen und schneiden Sie Zweige nicht zu stark zurück.

Kröten

Kröten gehören zwar nicht zu den beliebtesten Gartenbewohnern aber spätestens im nächsten Frühling erweisen sich Erdkröte und Co. bestimmt als äußerst nützlich. Denn sie ernähren sich bevorzugt von Asseln, Nacktschnecken und Kartoffelkäferlarven. Den Winter verbringen sie gerne in Erdhöhlen von Mäusen oder Maulwürfen aber auch in Fels- oder Mauerspalten sowie in größeren Laubhaufen. Schütten Sie daher entsprechende Löcher nicht zu und belassen Sie Laub in einer geschützten Ecke im Garten.

Tipps zum tierfreundlichen Gärtnern

  • Verwenden Sie einheimische Pflanzen und verzichten Sie auf englischen Rasen und exotische Gehölze.
  • Legen Sie einen Komposthaufen an. Dieser sorgt nicht nur für einen natürlichen Kreislauf sondern bietet auch vielen Insekten einen Lebensraum.
  • Entsorgen Sie größere Laubmengen nicht, sondern verteilen Sie sie unter Hecken und Gebüschen. Brennen Sie Laubhaufen auf keinen Fall ab. Es könnten sich bereits Igel darin einquartiert haben.
  • Lassen Sie verblühte Stauden und totes Gehölz teilweise liegen.
  • Legen Sie Steinmauern oder kleine Steinhaufen an.
  • Achten Sie bei Gartenteichen auf sanft abfallende Ufer.
  • Decken Sie größere Wasserbehälter, wie Regentonnen, mit Netzen ab.
  • Verzichten Sie auf unnötigen Chemieeinsatz und greifen Sie auf umweltverträgliche Alternativen zur Schädlingsbekämpfung und Düngung zurück.
  • Verwenden Sie keine Laubsauger. Diese saugen auch kleine Igel, Spinnen und Insekten ein und töten sie.

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