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Ramadan: Warum das Fasten für Kinder schädlich ist

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Islamischer Fastenmonat  

Ramadan 2017: Das sollten Sie wissen

29.05.2017, 16:32 Uhr | t-online.de

Ramadan: Warum das Fasten für Kinder schädlich ist. Für Kinder ist Ramadan-Fasten ungesund. (Quelle: imago/Xinhua)

Ramadan-Fasten ist für Kinder ungesund (Quelle: imago/Xinhua)

Während des Fastenmonats Ramadan sollen gläubige Muslime zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen und Trinken verzichten – auch Jugendliche. Ärzte raten ihnen jedoch vom Ramadan-Fasten ab, da es für Kinder und Jugendliche ungesund ist.

Darum ist Ramadan-Fasten für Kinder nicht geeignet

Der Ramadan 2017 hat am 27. Mai begonnen und endet am 24. Juni. In dieser Zeit sollen auch Jugendliche fasten und tagsüber weder essen noch trinken. Aber auch kleinere Kinder sollen so viele Tage wie möglich fasten und tun dies nach Beobachtung vieler Kinder- und Jugendärzte auch, um den Erwartungen ihrer Familie gerecht zu werden. Wie schädlich das ist, erklärt Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

"Wir sehen während des Ramadan immer wieder sehr blasse und unkonzentrierte Kinder. Manche kommen gleich aus der Schule zu uns, weil sie 'zusammengeklappt' sind. In diesem Jahr fällt der Ramadan in die Zeit der wichtigsten Wochen des Schuljahrs. Jetzt werden entscheidende Klassenarbeiten vor der Versetzung geschrieben und es finden Sportwettbewerbe statt", sagt er laut einer Pressemitteilung auf kinderaerzte-im-netz.de. "Das Fasten über den ganzen langen Tag, zumal wenn die Temperaturen hoch sind, schädigt die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und es gefährdet auch die schulischen Leistungen."

Er appelliert deshalb an alle muslimischen Eltern: "Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder und Jugendlichen ausreichend trinken. Auch tagsüber! Ermutigen Sie sie zu trinken, geben Sie ihnen beim Sport oder auf dem Spielplatz eine gut gefüllte Trinkflasche mit. Nutzen Sie den Ramadan, um von Limo, Fruchtsaftgetränken, Eistee und Cola auf gesundes Wasser umzustellen."

Was ist Ramadan?

Doch im Fastenmonat Ramadan gibt es noch mehr zu beachten: Es gibt viele Regeln, und Vorschriften wie Essenszeiten, die zu beachten sind.

Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam. Das sind die Hauptpflichten eines guten Moslems, denen er im Leben nachgehen muss. Der Prophet Muhammad war der erste Moslem, der an Ramadan fastete. Heutige Gläubige tun es ihm gleich, um in den Dialog mit Allah zu treten, die Seele zu reinigen und die Verhältnisse zu den wichtigsten Mitmenschen zu festigen. Ramadan ist eine sehr individuelle Zeit im muslimischen Leben und wird vom Zwiegespräch mit Allah geprägt. 

Warum feiert man Ramadan?

Durch die Selbstbeherrschung, die der Verzicht auf Essen fordert, fokussieren sich fastende Moslems wieder aufs Wesentliche: die Barmherzigkeit gegenüber Armen und Schwachen, die Unterstützung anderer Fastender und das Zwiegespräch mit Allah, frei von Heuchelei.

Neben der gemeinsamen Zeit mit der Familie während des Ramadan dient diese einmonatige Fastenzeit auch dazu, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Worauf kann in Zukunft verzichtet werden? Was kann jeder Einzelne aus dem Verzicht während des Ramadan-Fests lernen? Die Grundlage des Fastens ist der Koranvers "Ihr, die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr vielleicht gottesfürchtig werdet." (2:183).

Wann wird Ramadan gefeiert?

Die Fastenzeit des Ramadan dauert immer einen Monat. Er fällt auf den neunten Monat des islamischen Mondkalenders, wodurch sich der genaue Zeitraum immer um zehn bis elf Tage pro Jahr verschiebt. Die Verschiebung liegt an der Abweichung des heutigen Kalenders vom Mondkalender. So kommt es, dass der Ramadan die Jahreszeiten durchläuft. Das heißt, dass die Teilnehmer je nach Jahr und Wohnort unterschiedlich lange fasten müssen, da Sonnenaufgang und Sonnenuntergang jahreszeitlich stark variieren. 2017 dauert Ramadan vom 27. Mai  bis zum Ramadanfest am 24. Juni.

Welche Regeln gibt es?

Wer an Ramadan fastet, nimmt zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang keine feste oder flüssige Nahrung zu sich, trinkt nichts und verzichtet in diesem Monat auf Sex. Zur Teilnahme am Fasten sind nur diejenigen Moslems verpflichtet, die körperlich und geistig dazu in der Lage sind. Nicht fasten müssen:

  • menstruierende, schwangere und stillende Frauen
  • chronisch Kranke
  • altersschwache Menschen
  • Kinder vor dem Eintritt in die Pubertät

Kinder werden allerdings dazu motiviert, so lange zu fasten, wie sie können. Sie können beispielsweise ein Mahlzeit ausfallen lassen. Bei chronisch kranken oder altersschwachen Menschen, bei denen keine baldige Besserung abzusehen ist, gilt ebenfalls eine Ausnahmeregel. Für jeden verpassten Fastentag des Ramadan sollen sie einen Bedürftigen zusätzlich zu sich selbst speisen.

Während des Ramadan wird zwar tagsüber weder gegessen noch getrunken, dafür jedoch nach Sonnenuntergang eine Mahlzeit für die ganze Familie zubereitet. Viele Moslems essen auch zu dieser Gelegenheit nur Leichtes und genießen eher das Beisammensein mit den wichtigsten nahestehenden Menschen.

Die Bräuche des Ramadan

Das Fasten hat den Sinn, dem Moslem mehr Raum für die anderen Säulen des Islam zu geben. Er soll sich intensiv mit dem Koran und dem Gebet befassen. Das Ziel sollte sein, in diesem Monat den Koran einmal ganz gelesen zu haben. Abends findet jeden Tag nach Sonnenuntergang das Fastenbrechen statt, das mit einem Bittgebet eingeleitet wird.

Traditionell wird es mit einer Dattel und einem Schluck Wasser durchgeführt, die zum Gebet zu sich genommen werden. Auf das Bittgebet folgt das Abendgebet, dann darf die Familie essen. Das Fastenbrechen wird gerne auch in der Gemeinschaft der Moschee gefeiert, wo manchmal Essen an Bedürftige und die Mitglieder der Moschee ausgegeben wird. Einladungen befreundeter Familien und der Verwandten zum gemeinsamen Fastenbrechen gehören ebenfalls zu Ramadan.

Oft hört man während des Ramadan auch den Ausspruch "Ramadan Mubarak!". Das bedeutet so viel wie "Gesegneter Ramadan!". Weniger geläufig hingegen ist "Ramadan Kareem", was so viel wie "Großzügiger Ramadan" bedeutet.

Wann sind die Essenszeiten des Ramadan?

Das Fasten zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ist je nach Jahreszeit, körperlicher Verfassung und der Umgebung, in der sich der Moslem tagsüber befindet, extrem anstrengend. Es sollte darauf geachtet werden, sich nicht in Situationen zu begeben, in denen man sich und andere in Gefahr bringen kann. Manche Moslems vertragen das Fasten sehr gut und haben keine Kreislaufprobleme, andere wiederum haben durchaus mit dem Kreislauf zu kämpfen.

Die Kollegen und der Arbeitgeber sollten über den Ramadan informiert werden, denn eventuell ist es dann möglich, in der Mittagspause nicht vor den fastenden Moslems zu essen oder ein Team-Essen dann zu planen, wenn die muslimischen Kollegen gar nicht teilnehmen dürfen. Rücksichtnahme ist die beste Form der Unterstützung, die man für fastende muslimische Mitbürger leisten kann. Darüber hinaus sollten Moslems in dieser Zeit keine körperlich belastenden Aufgaben übernehmen, bei denen es zu Kreislaufproblemen kommen kann. Das geht so weit, dass sie notfalls auf den Bus umsteigen, wenn sie befürchten, beim Autofahren Schwächeanfälle zu erleiden.

Wer muss fasten und für wen gibt es Ausnahmen?

Ab der Pubertät gelten Moslems als erwachsen und fasten mit der restlichen Familie. Ausnahmen gelten lediglich für Frauen in der Menstruation, Schwangerschaft und Stillzeit, für Altersschwache, chronisch Kranke und Moslems, denen das Fasten aus anderen Gründen nicht zugemutet werden kann. Entscheidend ist die Zurechnungsfähigkeit. Ein geistig behinderter Moslem müsste somit also nicht mitfasten. Ebenfalls ausgeschlossen wären Moslems, die sich gerade auf einer Reise befinden, da die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit hierbei wichtig ist. Dennoch sollten sie versuchen, tageweise zu fasten, wann immer es ihnen möglich ist. Diese Regel gilt beispielsweise auch für muslimischen Profi-Fußballer wie Mesut Özil, die während des Ramadan an der EM teilnehmen.

Wie läuft Ramadan jenseits der Polarkreise ab?

Die jenseits der Polarkreise lebenden Moslems haben je nach Jahreszeit keine Sonnenauf- oder Sonnenuntergänge. Somit wird es schwer, das Fastenbrechen und den Beginn der Fastenzeit eindeutig festzulegen. Im hohen Norden gibt es im Hochsommer lediglich einige wenige Minuten, die als Nacht bezeichnet werden können. Streng genommen müssen Moslems in dieser Zeit ihre Gebete absolvieren und essen – und das mitten in der Nacht.

Die Islamgelehrten sind sich uneinig, wie Moslems nördlich und südlich der Polarkreise dies handhaben sollen. Manche gehen davon aus, dass tatsächlich nur dieses kurze Zeitfenster fürs Fastenbrechen bleibt. Andere sagen, dass sich Moslems nach den Uhrzeiten der heiligen Städte Mekka oder Medina richten dürfen, wenn sie im hohen Norden tatsächlich mehr als 18 Stunden fasten müssten, bis sie essen dürfen. Andernfalls wäre die Belastung durch den Ramadan zu hoch und das habe auch Allah nicht im Sinn.

Wie endet Ramadan?

Das Ende des Ramadan 2017 fällt auf den 24 Juni. Dieser Tag ist für gläubige Moslems ein wichtiger Festtag, denn das Ende des Ramadan ist gleichzeitig Tag des Ramadanfests, arabisch 'Id al-Fitr. Je nach Land und Region dauert es zwei bis vier volle Tage. Schon während der letzten Ramadantage bereiten meist die Frauen reichhaltige Speisen, Süßes und Genüsse aller Art vor, denn der erste Tag des Ramadanfests ist gleichzeitig sein Höhepunkt.

Viele Muslime fahren in dieser Zeit nach Hause zu den Eltern, denn das Ende der Fastenzeit ist zugleich ein Familienfest. Es wird reichhaltig gegessen. Morgens werden Festgebete gemacht und es wird eine Abgabe an die Armen geleistet ("Zakat"), mit der sich Moslems von den während des Ramadan begangenen Sünden durch eine gute Tat freikaufen können.

Ramadan-Kalender

Das sind die nächsten Ramadan-Zeiten:

Ramadan 201727. Mai - 24. Juni 2017
Ramadan 201816. Mai - 14. Juni 2018
Ramadan 201906. Mai - 05. Juni 2019
Ramadan 202024. April - 24. Mai 2020
Ramadan 202113. April - 13. Mai 2021
Ramadan 202202. April - 02. Mai 2022

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