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Oktoberfest-Bilanz: Mehr Besucher, mehr Kontrollen, mehr Schlägereien

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Die große Wiesn-Bilanz  

Mehr Besucher, mehr Kontrollen, mehr Maßkrug-Schlägereien

04.10.2017, 18:06 Uhr | dpa, t-online.de

Oktoberfest-Bilanz: Mehr Besucher, mehr Kontrollen, mehr Schlägereien. Junge Wiesn-Besucher feiern im Hofbräuzelt. (Quelle: dpa/Felix Hörhager)

Junge Wiesn-Besucher feiern im Hofbräuzelt. (Quelle: Felix Hörhager/dpa)

Gut sechs Millionen Besucher, mehr als sieben Millionen Maß Bier - das Münchner Oktoberfest kehrt zu alter Form zurück. Schausteller, Gäste und Marktkaufleute seien zufrieden - "und damit auch die Festleitung", sagte Wiesnchef Josef Schmid.

"Es ist eine gmiatliche Wiesn, eine wunderbare Wiesn, eine Wiesn zum Flanieren, eine Wiesn zum Genießen", so der CSU-Politiker weiter. Die Suche nach Entschleunigung in einer hektischen Zeit habe sich auch auf der Wiesn bemerkbar gemacht.

"Keiner will eine überhitzte Rekordwiesn"

Die Entdeckung von entspannter Gelassenheit bei den Besuchern bemerkte auch die Polizei. An den Eingängen, die dieses Jahr aus Sicherheitsgründen erst um 09.00 Uhr öffneten, hätten die Besucher allmorgendlich diszipliniert Schlange gestanden, ohne Gedränge - und auch kaum alkoholisiert.

Rund 6,2 Millionen Besucher kamen nach der vorläufigen Bilanz in diesem Jahr auf das Volksfest. Das waren rund 600.000 mehr als im vergangenen Jahr. Dennoch sind die Zahlen deutlich entfernt von früheren Extrem-Jahren mit an die sieben Millionen Besuchern, mit ungemütlichem Gedränge und überfüllten Zelten. "Keiner will eine überhitzte Rekordwiesn", sagte Schmid. "Flanieren und feiern" sei stattdessen in diesem Jahr angesagt gewesen.

7,5 Millionen Liter Bier fließen

Die Besucher verzehrten 127 Ochsen und 59 Kälber; sie tranken 7,5 Millionen Maß Bier – und versuchten, 120.000 Maßkrüge zu klauen. Aufmerksame Ordner schritten ein.

Grapschereien und Diebstähle, Maßkrugschlägereien und Alkoholvergiftungen - Polizei und Rettungskräfte mussten auch dieses Jahr zu vielen Hundert Einsätzen ausrücken. Dennoch zogen auch sie eine positive Bilanz. "Das war ein friedliches Oktoberfest", sagte der Pressesprecher der Münchner Polizei, Marcus da Gloria Martins.

Doppelt so viele Sexualdelikte wie 2016

Es gab einen Rückgang bei den Körperverletzungen, allerdings mit 49 Fällen besonders viele Maßkrugschlägereien. Die Beamten der Wiesnwache registrierten auch eine Zunahme bei Drogendelikten sowie bei den Sexualdelikten. Hier verdoppelte sich die Zahl fast auf 67 (Vorjahr: 34). Der Grund sei aber vor allem die Ausweitung von Kontrollen und Videoüberwachung, sagte da Gloria Martins.

Die Beamten konnten oft einschreiten, bevor Schlimmeres geschah - etwa, wenn sich Männer an betrunkene Frauen heranmachten, die auf dem Hügel hinter den Zelten schliefen. Zudem gebe es bei Sexualdelikten eine höhere Sensibilität - und mit der Änderung des Strafrechts fallen inzwischen etwa Taten unter Sexualdelikte, die vor einem Jahr als Beleidigung zählten.

Wiesn-App gilt als Erfolg

Ungeklärt blieb der Grund für die Zunahme der Trunkenheitsfahrten rund um das Fest: 353 Wiesn-Besucher wurden mit zu hohen Promille-Werten erwischt, 231 mussten den Führerschein abgeben.

Gut angekommen sei die erste offizielle Oktoberfest-App, sie sei rund 80.000 Mal heruntergeladen worden, hieß es weiter bei der Festleitung. Wie jedes Jahr, wenngleich später als sonst, tauchten im Wiesn-Fundbüro Krücken und ein Gebiss auf. Immerhin Bier könne man auch ohne Zähne trinken, sagte Wiesnchef Schmid.

Viele Besucher aus den USA

Die meisten ausländischen Wiesn-Besucher kamen aus den USA, gefolgt von Gästen aus Großbritannien, Österreich, Frankreich und der Schweiz und - wenngleich etwas weniger als früher - aus Italien. Es feierten aber auch Besucher aus Saudi-Arabien, Uruguay oder Simbabwe mit.

Das Oktoberfest dauerte dieses Jahr 18 Tage, da es bis zum Tag der Deutschen Einheit verlängert wurde. Es war damit die längstmögliche Wiesn. Nächstes Jahr werden es wieder zwei Fest-Wochen sein, die Wiesn wird vorsusichtlich von 22. September bis 7. Oktober dauern.

"Hulapalu" ist Wiesn-Hit

"Hulapalu" von Andreas Gabalier hat es noch einmal zum Wiesn-Hit geschafft. "Wir waren uns alle einig, dass "Hulapalu" auch heuer wieder das Rennen gemacht hat", sagte Oktoberfest-Chef Schmid nach interner Beratschlagung und Rückfragen bei den Wirten.

Bereits im Vorjahr war "Hulapalu" gekürt worden. Den Hit könnten Italiener genauso mitsingen wie ein Japaner, und nicht nur nach Wasser oder Apfelschorle, sondern auch noch nach einer Maß Bier, hatte Schmid vor einem Jahr argumentiert.

Die Kür sei eine Schätzung und geschehe jenseits des Allzeit-Hits "Ein Prosit der Gemütlichkeit", betonte Schmid zum Abschluss des diesjährigen Oktoberfests. Kürzlich hatte die Verwertungsgesellschaft Gema enthüllt, dass das Trinklied – seit mehr als hundert Jahren auf dem Volksfest etabliert – der meistgespielte Song 2016 war und wahrscheinlich auch schon davor. Beim Wiesn-Hit gehe es aber darum, welcher aktuelle Song sich durchgesetzt habe, sagte Schmid. Jedes Jahr denselben Hit zu küren wäre schließlich langweilig.

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