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"Thames Deckway": Ein schwimmender Radweg für London

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Entwurf "Thames Deckway"  

Ein schwimmender Radweg für London

17.10.2014, 17:03 Uhr | Carsten Volkery, Spiegel Online

"Thames Deckway": Ein schwimmender Radweg für London. Entwurf des "Thames Deckway": ein schwimmender Radweg auf der Themse (Quelle: Leon Cole/ River Cycleway Con/ REX)

Entwurf des "Thames Deckway": ein schwimmender Radweg auf der Themse (Quelle: Leon Cole/ River Cycleway Con/ REX)

London ist die Hölle für Radfahrer, jetzt will ein Architekt eine schwimmende Rennstrecke für Radler auf der Themse bauen. Mautpflichtig, versteht sich.

Er sieht aus wie eine Wasserschlange, die sich am Südufer des Flusses entlangdrückt. Londoner Stadtplaner haben einen Entwurf für einen schwimmenden Radweg auf der Themse vorgelegt. Er soll den geplagten Londoner Radfahrern eine neue, sichere Route quer durch die Stadt bieten. Die zwölf Kilometer lange Strecke würde von Pontons über Wasser gehalten, je nach Wasserstand läge sie mal höher, mal tiefer.

Der "Thames Deckway" des River Cycleway Consortiums wäre eine spektakuläre neue Attraktion in der britischen Hauptstadt. Radfahrer könnten dem Verkehrschaos auf den überfüllten Straßen entkommen und auf der ampelfreien Rennstrecke Zeit sparen. Obendrein würden sie auf dem Weg von Battersea nach Canary Wharf an den größten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeiradeln: Big Ben, St. Paul's, Tate Modern, Shard und Tower Bridge.

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Umsetzung ungewiss

Der schwimmende Radweg soll mautpflichtig sein, im Gespräch sind 1,50 Pfund pro Strecke. Die Macher rechnen mit bis zu 12.000 Radlern pro Stunde. Geplant sind mehrere Zugangsrampen und Kioske für Zwischenstopps. Was die Radler indes nicht freuen wird: Auch Fußgänger sollen die neue Promenade betreten dürfen, ein Angebot, das insbesondere Touristen anziehen dürfte.

Ob der ambitionierte Plan je umgesetzt wird, ist fraglich. Mit einem geschätzten Preis von 600 Millionen Pfund wäre es wohl der teuerste Radweg, der jemals gebaut wurde. Und die Initiatoren, darunter der Architekt David Nixon und die Unternehmerin Anna Hill, tun sich schon schwer damit, eine Machbarkeitsstudie zu finanzieren.

Der Vorschlag zeigt jedoch, wie angesagt Radwege in London inzwischen sind. In der Innenstadt machen Radfahrer zu Stoßzeiten bereits ein Viertel des Verkehrs aus. Sie leben allerdings gefährlich. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen, wenn insbesondere Lastwagen und Busse unachtsam links abbiegen.

Höhenradweg von Norman Foster

Der "Thames Deckway" ist schon die zweite futuristische Radweg-Vision in diesem Jahr. Im Januar hatte Stararchitekt Norman Foster seinen Entwurf "Skycycle" vorgestellt. Er schlägt vor, 220 Kilometer schwebende Radwege entlang bestehender Eisenbahngleise zu bauen.

Die Radfahrer könnten dann auf ihrer Hochstraße unbehelligt von Autofahrern die Stadt durchqueren und dabei noch die Aussicht genießen. Auch dieses Projekt wäre jedoch so teuer, dass es unrealistisch erscheint. Allein die vorgeschlagene, wenige Kilometer lange Probestrecke zwischen den Bahnhöfen Stratford und Liverpool Street würde mehr als 200 Millionen Pfund kosten.

Ausbau herkömmlicher Radwege am realistischsten

Wahrscheinlicher ist der Ausbau der herkömmlichen Radwege. Hier hat London erheblichen Nachholbedarf. Bürgermeister Boris Johnson hatte in den vergangenen Jahren mit viel Tamtam sogenannte Cycle Superhighways eingerichtet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um echte Radwege, sondern nur um blau gestrichene Streifen auf der Straße, die von Autofahrern nicht weiter ernst genommen werden. Nachdem 2013 mehrere Radfahrer binnen weniger Wochen auf diesen Radstreifen tödlich verunglückt waren, kündigte Johnson neue separate Radwege an.

Bis März 2016 sollen zwei vom Autoverkehr getrennte Radwege quer durch London entstehen, eine 29 Kilometer lange Ost-West-Achse und eine 4,8 Kilometer lange Nord-Süd-Achse. Die Pläne des Bürgermeisters stoßen noch auf erheblichen Widerstand: Auto- und Wirtschaftsverbände warnen vor dem Dauerstau, wenn die Autofahrer künftig eine Spur weniger zur Verfügung haben.

Zu den schärfsten Gegnern zählen die Verwaltungen der beiden Finanzviertel City und Canary Wharf: Sie fürchten, dass ihre Klientel wertvolle Zeit verliert, wenn sie zwischen Meetings hin- und herchauffiert wird.

Der Bürgermeister gibt sich unbeeindruckt. In der Innenstadt seien zu viele Autos unterwegs, argumentiert Johnson. Sein erklärtes Ziel: London soll ein "Paradies für Radfahrer" werden.

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